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H6.01 Paracelsus: Archidoxis
University of Zurich, Institute and Museum for the History of Medicine
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Theophrastus of Hohenheim, called Paracelsus

Archidoxis Theophrastiae

Contents:

Liber Primus: De Prologo et Microcosmo
Liber Tertius: De Seperationibus Elementorum
Liber Quartus: De Quinta Essentia
Liber Quintus: De Arcanis
Liber Sextus: De Magisteriis
Liber Septimus: De Specificis
Liber Octavus: De Elixiriis
Liber Nonus: De Extrinsecis

[H6,1]
Liber Primus Archidoxis
Ex Theophrastia Paracelsi Magni

De Prologo et Microcosmo

So wir unser ellendt und verlassenheit sollen betrachten, und müssen, lieben filii, wie wir so viel beschwerter herbrig und hunger, mit vil seinen verschmechlichen zustenden, die uns so gar umbgeben hatten, das wir nit zu grünen noch zu auffrichten kommen mochten, also lang und wir der artzney, wie die alten beschrieben hatten, nachfolger waren, sondern mit viel armut und jammer gefangen, und bittern ketten gebunden, unnd uns das alles zu unguttem erschuß: deßgleichen und andern mehr, die auch mit uns gleicher wag instunden, denen die alten mit ihren libellen nicht mochten zu hülff erschiessen, und fehlig waren. Darumb dann viel ursachen sind, die wir hie nit anzeigen: unnd viel der doctorn seind, die durch die alten zu grossem reichthumb kommen, und seind: aber mit wenig lobe, sonder mit viel liegens erlanget haben. ? Das wir dann uns memorirn, durch welche wir an gewisser endt unnd practicken kommen möchten: entgegnent uns die grossen mysteria naturae, die also wunderbarlich seind, mehr dann nimmer erfahren wirt. Darumb uns zubedencken ist, wie sich die kunst halt mit den mysterien der natur, gegen denen, die da der kunst nicht erreichen. ? So ist also mysterium naturae in solchen krefften, so sie entlediget wirdt von seinen impedimenten: wie da ist der gefangen mann, der entlediget wirdt von seinen banden, dem all sein gemütt frey ist. Dann mysterium naturae in den corporibus, ist gleich wie [H6,2] ein fewr in eim holtz, das naß ist, unnd gern brinnen wolt, das vor nessi nit mag. So also ein solcher prest in den dingen ist, ist zubetrachten, das er genommen werdt: So der hinweg kompt, ist gleich die kunst dieser separation, gegen der kunst aromatariorum, wie ein liecht in einer finsternuß. Dann wir melden das nit gegen uns auß hoffart: sonder allein das uns mißfelt das groß schelmenwerck, so in den apotecken, und ihren artzten gebraucht wirdt. Darumb wirs billich ein finsternuß heissen, und wol ein diebs und beschiß gruben, dann ein finsternuß. ? Dann von den unwissenden stölpeln mancher umb das gelt geartzneyet wirdt: wo er das nicht hette, so geben sie ihn für gesundt dar: unnd darzu, sie wissen, das keine hülff mit ihren plumben rähten sind. ? So nun also die kunst die ist, die do das mysterium naturae anzeigt, als durch quintam essentiam ein contracter geheilet wirdt in vier tagen, der sonst lahm in todt blieb: unnd ein wunden in 24. stunden geheilt auff das endt, so mit den cörpern in 24. tagen nit mag geendet werden: wollen wir mit guttem gemütt anfallen die mysteria naturae, [und] durch die experientz scheiden von den impedientibus corporibus, unnd am ersten bedencken, was dem menschen am nützlichsten, und am edelsten ist, allein zu wissen die mysteria naturae: darauß betrachtet wirdt, was Gott ist, was der mensch, was ihr beyder ubung seind, himmlischen in der gottheit , irdischen in der zerbrechligkeit. Darauß dann entspringt, was theologia ist, was ius ist, wz (rhetorica) ist, wie allein die mysteria der natur, das leben des menschen ist, zuwissen und denen nachzufolgen, dardurch Gott, und das ewige gutt mag erkennet werden unnd erlanget. Dann wiewol wunder in der artzney ist, unnd in den mysterien: noch viel mehr nach dem leben ein mysterium ist, das ewig, darvon wir keinen grund haben, wie es sey, dann was uns durch ihn geoffenbaret ist worden. Auß dem entspringt die unwissend grobheit der theologen, die da groß außlegung machen in dem, da sie das minst nicht verstahnd, und nit wissendt ist uns menschen, wie [es] gemeinet hatt der, der es geben hatt: unnd sie doch also ihm seine wörtter nach ihrer hoffart unnd geitzigkeit rincken und ziehen, da viel beschiß erstanden ist, und alle tag new erfunden werden, als wir in monarchia setzen. ? Darumb wir die [H6,3] vernunfft, die nit mit den mysterien gefundirt, sichtlich für nichts achten: als die juristen, die nach ihrem geduncken gesatz und ordnung geben, allein daß sie nit verderben, und der gantz gemein nutz geblendet ist. Dieweil solche ungewisse sachen in solchen faculteten, mehr dann inen zugehört, gebraucht wirt: lassen wir sie in ihrem werdt hingehen, biß auff sein zeit, und lassen uns auch nit bekümmern ihr geschwetz, und ihr tandt: denn sie von Gott sagen, mehr dann er ihnen zuwissen hatt geben, uber ihn verstehen wöllen, als ob sie in seim raht sitzen: so sie uns vilipendiren, und der natur die mysteria entziehen, und vilipendiren die philosophey, da sie weder trumm noch endt wissen, unnd allein ihr schreyen das best ist: gleich als ob sie die seyend, an den der gantz glaub lig, und wo sie nit weren, himmel und erden zerbrecht. Ach der grossen narrheit und bescheisserey, das sie achten sich darfür, das sie nicht sind: wiewol wir doch gantz an wänden mit ihnen strichen, so wir den brauch an uns nemmen, unserm ersten lehrer und schöpffer seine redt umbzuwenden, unnd sie bügen nach unser hoffart. ? Dieweil und [wir] allein die ungewiß red, die durch den glauben soll bestett werden, und mit keiner ander redlichkeit sehen: wollen wir uns deß hindan schlagen, unnd gedencken die mysteria der natur zusuchen, do das endt zeiget den grund der warheit: und dz nit allein den grund angiebt, sondern die mysteria der natur zusuchen, do das endt zeiget den grund der warheit: und dz nit allein den grund angiebt, sondern die mysteria Dei, und die höchst lieb in den menschen erfüllet und thut. ? Das ist der schatz summi boni, den wir also materialischen verstehen in diesem unsern schreiben archidoxis, und das spiritualisch der monarchey befehlen. ? Auß diesem grund nemmen wir die medicin herfür, und nach der experientz, das wir endtlich wissen und sehen, daß also ist, mit unsern augen: wollen wir practiciren, und diß buch archidoxis theilen in 10. theil, uns zu einem memorial, weß wir uns enthalten wöllen, und allein mit uns den unsern reden, denselbigen verstendig genug geschrieben: und schreiben das nit in die commun der völckern. Dann wir wöllen unser sinn und gedancken, hertz und gemüth, den surden nit zeigen noch geben, und beschliessen also mit einer gutten mawren, und mit einem schlüssel. So es aber sach würd, dz uns solchs unser arbeit vor solchen idioten [nit] behütt würde (sein), die dann aller künsten feinde seind: wollen [H6,4] ungeschrieben lassen [das] 10. buch, von dem brauch der ander all, damit wir den götzen nit ein freudaffen einstossen: aber nichts dester minder den unsern genug verstanden wird.

Und so wir also von den künsten reden, ist uns zuwissen de microcosmo, in dem dann all solche sachen probiert und erzeiget werden, was in ihm sey, daß sich annimpt der medicin, und sich in die vermischt, unnd lasset sich auch die medicin geweltigen, das ihr nachfolget als ein gezembts roß, und ein wüttender hundt, der an einem band geführet wirdt: ist uns zuverstehen, das also die artzney, die natur unnd alles das, in dem das leben stehet, also zeucht: darinn uns drey begegnen, die uns anzeigen, auß was krafft dieselbigen ein solch verbringung haben. Am ersten, auß was ursachen die fünff sensus durch die mysteria der natur gebessert werden, dieweil uns sie nicht von der natur seind, noch natürlich wachsen, als von einem sahmen ein kraut, dann da ist kein materia, die das geb. ? Zum andern, die beweglichkeit des leibs zuersinnen ist, wz sie anreitzt, und was dieselbig treibt und bewegt, und in was gestalt ihr mag zu hülff kommen werden. ? Zum dritten, wie sich alle krafft außtheil in dem leib, und wie sich mit einem jedlichen glied theilt unnd verwandelt, nach desselbigen glidts natur, und ist doch anfenglich ein einige natur.
Darumb wir auff das erst also sagen: wie dann von dem gesicht und gehör, und empfindtligkeit und gustu und sensu ersehen wirdt ein solch exempel. Die augen in ihrer materien, haben einen anfang darauß sie werden, wie dann de corporis compositione geredt wirdt: deßgleichen die andern jetztgemelten. Aber das gesicht ist nit von dem sahmen, darvon das aug kompt: noch das gehör von dem, darvon die ohren wachsen: und die empfindtligkeit auch nit vom fleisch: der gustus auch nit auß der zungen: und die vernunfft auch nit auß dem hirn: sondern sie sind allein kelter und kasten, darinn sie geboren werden. Das ist auch nit, daß sie der gnaden des schöpffers wartten, also, als ob sie nit von der natur des menschen seyendt, unnd von Gott auß gnaden eingossen werden: darvon etwann entsprüng ein blindt mensch, auff das erkennt werden die magnalia Dei: das nit also verstanden wirt. [H6,5] Dann die jetztbemelten stück haben ihren corpus in ihnen ungreifflich unnd unendtpfindtlich: gleich wie der leib ist endtfindlich. ? Und wirdt ein jedlicher mensch auß zweyen gesetzt: auß corpore materiae, und ex corpore spirituale. Materia gibt leib, blutt, und fleisch: spiritus gibt gehördt, gesicht, sensum und empfindligkeit, und gustum. So nuhn aber ein stumm geboren würdt, der nichts hörtte: entspringt ihm auß mangel deß geheuß, darinn das gehör ligen soll. ? Dann corpus spirituale verbringt sein sach nicht ohn ein rechte geordnete statt: deß ursachen wir de generatione hominis setzen. ? Also werden die magnalia Dei erkennt, in dem, das zween corpus seindt, aeternum und corporale, in einem verschlossen, ut patet de generatione humana. Aber die artzney wircket in dem, dz sie das hauß erleuttert und reiniget, dorinn dann der corpus spirituale mag genugsam verbringen sein wesen, wie ein sibeta in einer unbefleckten kammern.
Demnach [ist] uns zubetrachten die bewegligkeit deß leibs, von wannen sie komm, unnd was ihr ursprung, darumb das sich der leib vereiniget mit der artzney, und also die bewegligkeit gesterckt wirdt, ist also. Alles das da lebt, hatt von natur inn, sein bewegligkeit auß dem wachsen: und ist also genug bewerdt, quo ad naturalem motionem. Aber die bewegligkeit, die uns mehr anligendt ist, zuerkleren, die da geschicht nach meinem willen: als wann ich ein arm auffhebe, auß was krafft dz geschehe, dieweil ich kein register sich, damit ich zeuch, sondern, also will ichs. Also ists mit gehen, mit lauffen, mit springen, und dergleichen, was dann solche wieder die natur bewegligkeit seindt: dann auß eigener natur kommens nicht, sonder ex accidente, das hatt sein ursprung also. Intentio mea ist allein meyster am gewaltigsten, uber mein bewegligkeit, also zuverstehen. Intentio vel imaginatio zündet an virtutem vegetativam, wie ein fewr ein holtz, als wir de imaginatione sonderlich schreiben. So ist sie nuhn nienen gewaltiger zuverbringen ihr wirckung, dann [in] ihrem corpus, in dem sie ist und lebt: und ist im gantzen corpus nichts, das leichter angezünndet werdt dann anima vegetativa, auß der ursachen, das sie in ihr selbst lauffet und gehet, und gerüst ist dorauff: gleich wie ein verdempfft fewr, so baldt es den lufft empfindet, so [H6,6] brennts. ? Also auch mein gedencken ist, zusehen auff ein zweck: nuhn mag ich das aug nicht dahin keren mit den henden, sondern mein imagination keret dasselbige an das endt, das ich beger. ? Also auch vom gehen zuverstehen ist, das ich beger zu gehen, und setz das mir für, also bewegt sich mein leib an dasselbig endt: und je vester dz ist in meinem gedencken, je vester das ist daß ich lauff. ? Also allein die artzney die corpora, darinn spirituale ligt, reiniget, das also die motio ringer mag geführet werden.
Unnd auff das dritt ist uns zuverstehen, das im leib ist ein außtheilung in alle glieder, von allem dem, das von aussen und innen kommt: und in der außtheilung ist ein mutation, also, das sich ein theil khert in die complexion deß hertzens, die ander in die natur deß hirns, und also von andern zuverstehen ist: das wirdt also verstanden. ? Der cörper zeucht in zween weg an sich, innen und aussen: innen ist alles daß, das wir per os einnemmen: das ander ist aussen, als alles daß, dz der cörper an sich zeucht vom lufft, erden, fewr und wasser, und ist das also zuverstehen. ? Was hinein genommen wird, ist nicht noth zuerzehlen: dann der grundt der vernunfft erkennet das, daß außgetheilet wirdt, wie hernach de divisione geredt wirdt werden. ? Aber das von aussen ankommt, ist also, das der leib von den vier elementen an sich zeucht sein notturfft durch gantze hautt: unnd wo das nicht wer, so möchte die innwendige speiß nicht genugsam sein zuenthalten den menschen. Dann die feuchte, so viel dem leib noth ist, ohn die gewonheit, wirdt an sich zogen vom wasser: also dann müglich ist, so lang einer im wasser stehet, kein durst bedarff zuleschen allezeit: nicht in der gestalt, das [das] wasser außlöschet die hitz wie das fewr, sondern die hitz zeucht an, und trinckts, als wer es von innen. Darum küh ein gantzen sommer auff den alpen ohn trincken sein mögen: dann ihr natur ist, das sie vom lufft mügen getrenckt werden. ? Also auch der mensch. ? Deßgleichen die narung also auch wachst, das ohn geessen die natur mag enthalten werden in solcher gestalt, so sie in das erdrich vergraben wirdt mit den füssen. -? Auch wir gesehen haben, einen auff sechs monat nichts essen, dann [H6,7] allein einen erdtknollen, den er auff seinen magen hatt ligen: wann der dürr wardt, so legt er ein andern darauff, und beklaget sich keines hungers: das hett ursachen, die wir [de] appetitu setzen. ? Also auch mit der artzney wir gesehen haben, das einer sich selbst enthaltten hat auff viel jahr mit der quinta essentia auri, der er zu tags kaum ?. ss. [?] einnahm. Darumb auch viel seindt, die etlich jahr nichts gessen haben, auff zwentzig, als bey unserm gedencken geschehen ist: (wiewol solchs Gott zugeleget wirdt, von der frombheit wegen der person:) das wir nicht urtheilen wollen. ? Aber natürlich ist, das tristitia, melancholia, unnd das schweer gemütt hunger und durst demme, also das durch deß leibs an sich ziehen ein cörper viel jahr enthaltten werdt. Dann es ist nicht in solcher gestalt dz essen beschaffen, dz wir essen müssen brodt oder fleisch, und trincken wein oder wasser: sondern von dem lufft und mit dem erdtrichknollen mögen wir unsern leib enthalten: und was do von essen geschaffen ist, ist uns zu eim versuchen beschehen, das wir in monarchia Dei erkleren wollen. ? Wiewol wir das verhengen, das nicht sein möcht unser arbeit, gehen, und dergleichen, on zeitlich essen, corporalischen, auß viel ursachen: darumb das auch ein ursachen ist der beschaffung der speiß, als ein artzney wieder die kranckheit. ? Darumb so wollen wir jetzt distinguiren, in was gestalt, so solche ding in den leib kommen, wie sie durch den getheilt werden an alle endt deß leibs: ist also gleich zuverstehen, als wann ein gebrannter wein in ein wasser gegossen wirdt, so schmecket das gantze wasser darvon, unnd ist gleich außgetheilt durch den gantzen leib: oder gleich als wann ein dinten in ein wein gegossen wirdt, wirdt alles schwartz. Also auch in dem leib der humor vitae durchtreibet es schneller, dann wir von den exempeln gesagt haben. Aber in was gestalt es sich verkehret, dieselbig natur ligt an dem glidt, das es begreiffet, denet dewet das auß in seines gleichen: als da ist ein brodt, kommt es in ein menschen, so wirdts menschenfleisch, kommts in ein hundt, so wirdts hundtsfleisch, in ein visch, vischfleisch. Also zuverstehn ist, das auß krafft der natur dergleichen, die an sich genommen ding verkeren, und eignen sich nach der natur der glidern, das dann am selbigen orth ligt, und ist.
[H6,8] Also gleich von den artzneyen auch zuverstehen ist, das dieselbigen in den gliedern transmutiret werden, nach ihrer eigenschafft, wie die glieder seindt, und nemmen aber die stärcke, unnd kräffte, unnd tugendt, vonn ihrer eignen substantz, nach dem unnd die dispersion gutt oder böß ist, subtil oder nicht, nach dem unnd die artzney ist. ? Ist sie von quinta essentia, so wirdt ihr transmutation dester stercker: ist sie aber vom groben, so bleibt sie also. Gleich als ein gemeldt sich nach den farben ziert, und [nach dem] sie edler ist, und nicht, also ist auch das gemeldt. ? Darumb wir der meinung seindt, unser experientz zusammen setzen und ordnen für ein kurtzweil, und uns zu minder vergessenheit unser ubung, so wir derselbigen nottürfftig würden sein, eingedenck werend: setzen wir die zehen bücher, unnd lassen das neundt in unserm occipitio verschlossen, auß ursachen der idioten: und ist doch den unsern genug gesagt. Und laß sich niemandts verwundern ab unserm schreiben: dann wiewol wir wieder den alten lauff setzen, so gibts uns unser experientz, die in allen dingen ein meisterin ist, und durch sie alles probiren und sichtlich sehen.

Finis, prologi et microcosmi, libri primi Archidoxis ex Theophrastia.

[H6,9]
Liber Tertius Archidoxis
Ex Theophrastia Paracelsi Theophrasti

De Separationibus Elementorum

Und vor dem und wir anfallen die außlegung der separationen elementorum, wöllen wir, wiewol das de generationibus eorum geschrieben ist, etwas, so doch an demselbigen end nicht so gantz auff die meinung separationis elementorum lautet, setzen: dardurch mit leichterm grundt die meynung der scheidung möge verstanden werden. ? Dann viel bequemlicher ist ein sach, die da soll zu end geführt werden, mit wolbedachtem verstand, was das end sey, zuwissen: das dann gibt zuverstehen die practick.
Setzen wir, das in allen dingen anfenglich seind bey eim versamlet die vier elementen, auß denen weiter entspringet sein praedestinirts res. Wie aber sich die vier elementen, so sie in ihnen selber widerwertig seind, mögen vergleichen, und beyeinander wohnen ohn ihr selbst zerstören, ist also zuverstehen. So also die vermischung der elementen in der praedestinatz gewidmet unnd corroborirt ist: so ist zumercken, das in ihnen kein gewicht ist, sondern eines mehr, dann des andern. Also durch das verstanden wird, das in dem digest und ferment der praedestinirung das sterckest fürtrifft, und untertrückt die andern: dasselbig wird perducirt in sein volkommenheit, wie dann der natur und proprietas ist in ihm. Und also werden die andern drey elementen nicht ad perfectionem gebracht: sondern sie seind in diesem perfecten elementen, gleich wie ein moder in einem holtz: darumb sie nicht sollen elementen geheissen werden, dann sie seind nicht perficirt, dann allein eins. ? Wir sollen auch daß nicht also verstehen, so wir von den 4. elementen reden, die da finaliter in allen dingen seind, das sie solcher elementen perfe= [H6,10] cten vier seyen? Nein: sondern allein eins geendet, und die andern ohn perficiert verlassen, auß krafft des gewaltigsten elements. ? Darumb so mögen die element wol bey einander stehen: dann in den dreyen ist kein vollkommenheit, darumb kein zerbrechung auß widerstrebung da entstehen mag. Auch ist daß element, so uberherschet in eim genus, in daß praedestinirt: darumb ihm kein zerbrechen, noch invermischung mag anhangen, als wir de generationibus setzen. So nuh also allein ein element ist in einem jetlichen ding particulariter: so ist nicht noth, im selbigen zusuchen vier element, dieweil die drey nicht in perfectione stehend. ? So ist uns das eygentlich zuverstehen, das vier element in allen dingen seind: Aber nicht actu vier complexionen, unnd dem ist also. ? Die substantz hatt in ihr das element aqua, als dann ist nenufar: weitter ist in ihm kein terra, kein ignis, kein aer. ? Es ist auch in ihm kein gleichnuß der wermy noch tröckny, sie hatt auch keine, sondern sein praedestinatz ist aqua, und ein einiges wasser element, unter dem kein tröckny nicht ist noch kein wärmy, in seiner angebornen natur. ? Noch, wiewol dem also ist so seind bey ihm noch drey element: aber nicht auß den andern dreyen, die da nicht perficiert seind, geboren, noch auch kein anfang, noch hülff von ihnen: sondern sie hand ihren anfang auß dem praedestinirten element, das in das genus gewidmet und eingebildet ist. ? Unnd wiewol das wider die philosophey ist, das ein praedestinirt element anhängig auß seiner natur die andern drey mit ihm soll haben: das ist gläublich: unnd das darumb, daß das element unnd die substantz unterscheidenlich sollen getheylt werden, also zuvermercken. ? Die substantz ist nicht auß dem element, daß dann die substantz tingiert unnd elementiert: auch diese element nicht von der substantz, sondern gleichförmig zusammen kommen, wie ein leib und ein seel. ? Nuh verstanden, das ein jetlicher corpus, als gewächß, complexionirt ist: deßgleichen das element. Unnd wiewol (diß) element im corpus des gewächß nicht sichtbar, nicht empfindlich, noch anzeigbar ist: dann darumb, das das element also mehr von seiner subtily stärcker ist, das es die andern des gewächß untertrückt, und seind doch im corpus, aber ohn anzeigung: als ein essig, der unter ein wasser [H6,11] gossen wirdt, ist gleich dem essig: unnd wiewol ihm der essig all sein wesen verendert hat, noch ist ihm unzerbrochen die complexion aquae, unnd ist darumb nicht essig, sondern ein wasser wie vor: wiewol es doch die tugendt des wassers nicht thut, so hatts es doch noch. ? So wollen wir also durch die fürlegung zuverstehen geben, in was wege die separationes elementorum sollen geschehen: darinn werden zwo practicken verstanden. ? Eine, die da zugehöret dem separiren des praedestinierten elements: diesselbige wöllen wir de quinta essentia erklären. Die ander ist, die da zugehöret den vieren, die da substantzialischen sein in dem gewächß. ? Und durch das wirdt verstanden, daß das praedestinirt element ein quinta essentia ist, unnd nicht mag von ihm gescheiden werden noch drey elementen: als de quinta essentia hernach folget. ? Aber so da geredt wirdt von der separirung der vier elementen, soll verstanden werden, deren vieren, so in corpore wesentlich ligendt: Auß dem viel in irrung sich verführtt haben, zusuchen in dem praedestinierten element die vier elementen, und uber daß, das fünfft wesen, das nicht sein mag. ? Nuhn ist uns auch zuverstehen, so also die vier element des corpus gescheiden sollen werden, also, das daß, fewer sey, das ander ein wasser, das dritt gleich dem lufft, das vierdt der erden in seinen complexen, das da etwan die elementen in der form erscheinen, etwan in der complexen: als wasser, wie wasser, der lufft wie ein lufft, unnd die erden wie erden, und das fewer, wie fewer: Das dann mehr dann subtil sich verstehen soll, unnd doch wol mag ohn solche beschehung der gleichförmigkeit der elementen, in gestalt der complexen nach den elementen, auch eingefangen werden. ? Nicht das zeigbar sey in actu, elementum ignis, als ein fewer, sondern als ein complexen, heyß und trocken, wie fewer: unnd also ist unnd wirdt einem jeglichen element sein wesen, sein natur, und eygenschafft unzerstörtt geben. ? Unnd wirdt da nicht betrachtet daß, so ein krautt fast heyß wery, als urtica, das sie darumb elementi ignis desto mehr in ihm hab: sondern das wirdt betracht, das sein quinta essentia heysser ist, dann quinta essentia chamomillae, die minder hitz an ihr hatt.
[H6,12] Aber die elementen des corpus nemmen ihr vile und lützle auß seinen substantzen: Als holtz hatt mehr fewers in ihm, dann kreutter: deßgleichen die stein haben mehr tröckny und erdrichs in ihnen, dann das hartz. ? Also merck, das die viely des gradus, unnd quantitet in quinta essentia, kompt auß dem praedestinirten element: und die viele des gradus der corporischen elementen, kommet auß der gestalt der substantz, die ungleich seindt.
Also wirdt jetzt nott sein, zuverstehen, wie in der separation, zuscheiden die corporalischen elementen von einander in allen dingen, die practick und kunst soll angriffen werden: dann ihren zwo seind. ? Eine auß den lauttern elementen, drey darauß zubringen: als auß brinnendem fewer, und auß dem unsichtbarn lufft, und rechtem erdtrich, deßgleichen auß dem natürlichen wasser, die kein zugemässigen ursprung haben, wie die vorbemeldten. ? Die ander ist von denen, in denen die vier seind, wie gemeldet ist, mit der unterscheid, welche am meristen fewer gibt, welch wasser, welch erdtrich, welch lufft, unnd mit der form in vergleichen der elementen, wesentlich elementen: und so sie also gescheiden seind, so mögen sie weiter nimmer gebrochen werden, also, das sie zerstöret würden auß denen complexen. So merck, das die elementen in der scheidung gefunden werden, gleich in der gestalt unnd form, wie sie an den wesentlichen elementen seind. Dann der lufft erzeiget sich gleich dem lufft, und ist nicht zubefassen, als ettliche in ihren gemüttern vermeinen: auß der ursachen, das in dem instrument der scheydung, der lufft sich erhebt, und herfür bricht, gleich wie ein wind, unnd etwan mit wasser aufffehret, etwan erdtrich, etwan fewer. Dann ein sondery wunderbarliche auffhebung ist im lufft: als wann auß dem wesentlichen element wasser, soll der lufft gescheiden werden, als dann geschicht durch das sieden: unnd so bald es seudt, so scheidet sich der lufft vom wasser, und nimpt mit sich die leichtist substantz vom wasser: unnd sovil das wasser gemindert wird, also nach seiner proportion und quantitet wird auch gemindert der lufft. Nuh ist zumercken, das kein element ohn den lufft mag verfaßt werden, und doch sonst wol ein jeglichs ohn das ander. Darumb wir uns nicht unterstehen zuhindan scheiden den lufft: dann er ist in den drey elemen= [H6,13] ten, wie ein leben in eynem cörper: und so das vom leib gescheiden wirdt, so seind sie all verloren, als wir dann klärlichen von den separationibus setzen in nachfolgender practick. In solchen ist zuverstehen in vier weg: der ein ist von wassercörpern: das seind die kräutter, die geben viel wasser, und mehr dann kein ander element. ? Der ander weg ist zuverstehen von den fewrischen cörpern: das seind die höltzer, und resinae, und olea, und radices, die dann am aller meysten substantz an ihn haben des fewrs, dann keins andern. ? Der dritt ist zuverstehen von den irdischen cörpern: das seind die stein, lutum et terrra. ? Der vierdt ist zuverstehen von den lüfftigen: und daß in allen dreyen, wie wir dann gemeldet haben. Deßgleichen auch von den lauttern elementen vier weg zuverstehen seind, in massen wie von den andern ersten vieren. Demnach ist gutt zuverstehen, was unnd wie die element sollen gescheiden werden, darinn dann diß zuwissen seind. ? Als am ersten die separationes der elementen auß den metallen: dann in denselbigen elementen sonderlich praedestinierte virtutes seind, die in andern elementen gepresten. ? Dann wiewol die elementen alle gleich seind, in der gestalt der wermy, kälty, feuchty, tröckny: So ist doch ein tröckny oder feuchty nicht wie die ander, ein kälty oder hitz nicht wie die ander. ? Dann in etlichen ist appropriativa, etlichen specifica, also in mancherley weg: darumb sie dann in einem jetlichen genus sonderlich genaturt, und wesentlich ist, das kein geschlecht der element halben in ihren tugenden dem andern gleich ist. ? Also auch die separationes marcasitarum, die da in der practick und elementischer unterschiedlich seind von den andern, und ein jeglich genus in sonderer separation stehet und gepracticirt soll werden. Demnach die stein und gemmen, die da dergleichen mit einem sonderlichen wesen sollen ihr elementen erzeigen, mit keiner gleichnuß der vorbemeldten. Darnach die salia fürtreffenlicher sonderer natur seind und mehr eygenschafft, dann von den andern gemerckt wirdt. ? Darnach ein anders wesen ist in den kräuttern, die sich gegen den mineralischen mit keym weg vergleichen noch instahendt, der natur halben. ? Darnach vom holtz, von früchten, von rinden, von andern dergleichen, ein sonder eygenschafft ist, die dann all zumercken seind. ? Also auch [H6,14] von dem fleisch, vom tranck, und anderer speiß, ässigs, und unässigs, gutts, reines, böses und wüstes, zu solcher separation soll gebracht werden. ? So ist es zumercken, in was weg wir die separation meinen, deren dann zwen seind. ? Der ein, zuscheiden die elementen von einander, jedtlichs in ein sonder gefäß, ohn zerstörung ihrer krafft, außgenommen den lufft. Der ander weg ist zuscheiden purum ab impuro, uber die vier elementen: daß also. So ein element von dem andern gescheiden ist, so seind sie in grober gestalt und unförmig: also auff das folget hernach die scheidung, in sonderheit auff die gescheidenen elementen. ? Darumb wir also die practicken der separation zuverstehen wöllen geben da dann am ersten zuverstehen ist, daß die quinta essentia soll den dingen genommen werden also: darumb, das die element auß den corporibus nicht in der natur des fünfften wesens gemeistert werden, oder darbey gelassen, darumb das sie mag tingiren die element, minderer, stärcker. Und ist also zuverstehen, das den vier elementen in ihrer krafft nichts abgehet, so das praedestinirte element, das ist, quinta essentia, hindan genommen ist: die dann auch elementirt ist, und mag separirt werden, quo ad formam elementalem, sed non quo ad diversas naturas, ut patet de quinta essentia. ? Durch solche separationes alle elementische kranckheit auß einem simplex mag curiert werden, in der gestalt, so die praedestinationes wider diß geordnet seind, als wir de praedestinatione setzen.
So wollen wir also zuverstehen geben, den anfang genug entdeckt haben, unnd nachzufahren der practick der separation, deren sindt zehen. ? Eine, zu den metallen: die ander, zu den marcasiten: die dritt, zu den steinen: die vierdt, zu den oleischen: die fünfft, zu den resinischen: die sechst, zu den kräuterischen: die sibend zu den fleischen: die acht, zu den säfften: die neundt, zu den glasischen: die zehend, zu den fixen. ? Darzu gehörend dreyerley weg in das scheiden der elementen. ? Der erste per destillationes: der ander per calcinationes: der dritte per sublimationes: und darzu kommen alle stück der handübung im fewer und der arbeyt, und diß was do noth ist, hernach erzehlet wirdt.

[H6,15] Von den scheidungen der elementen in den metallen

Von dem separiren der elementen auß den metallen ist ein proceß, zu dem du dich mit guttem werckzeug versehen solt, und mit geflissener arbeyt, und mit wolerfahrner kunst der handübung und wercken. ? Am ersten so mach ein aquafort also. ? Rec. Aluminis, Vitrioli, Salis nitri, ana, destilirs zu einem starcken aquafort: dz thue wider uber die faeces, und in ein kolbenglaß, destillir es zum andern mal. In diesem aquafort leutter ein silber, darnach solvir darinn ein salmiax. ? Nach dieser beschehung, rec. den metallen gelaminiret, und solvir ihn do zu wasser: so das beschehen ist, so separir es darvon in balneo maris, wieder darüber zuschütten, also lang biß da am boden ein oel erfunden wirdt: vom gold fast braun, vom silber fast lazurisch, von eisen rott, auff fast dunckel, vom mercurio gantz weiß, vom bley auff bleyfarb, vom kupffer gantz grün, vom zinn geelfarb. ? Und wiewol das ist, das nicht alle metallen also zu öl werden, sie seyen dann vorhin praeparirt: als der mercurius soll sublimirt sein, das bley calciniert, das kupffer floresiert, das eisen crociert, das zinn reverberirt, aber das silber und goldt geben sich leichtlich darein. ? So nuhn also die metallen zu öl in ein liquidam substantiam gereducirt seind, unnd haben sich also geschickt, ihr elementen von einander zugeben: daß in der metallischen artt nicht beschehen mag, dann ein jegliches ding soll vorhin bereitt werden, darzu es gebraucht werden soll. ? Demnach setz dem oel zu, auff ein marck, zwo marck aquafort von newem, ungebraucht, in ein gutts glaß, in einen roßmist auff ein monat: darnach distillir es durch ein sänfftes fewer, also das sich die materia am boden coaguliert: unnd das aquafort, so herüber gangen ist, das distillier per balneum do findestu zwey element beyeinander. ? Unnd nicht in allen metallen einerley elementen, sondern, vom goldt ist in balneo blieben das element terrae unnd aquae, aeris ist in allen dreyen, unnd das element ignis bleibet am boden: auß ursachen, das die substantia unnd tangibilitas auri, ex igne est coagulata, ergo substantia conveniet in substantiali. [H6,16] Vom silber manebit in fundo aquae elementum, und bleibet in balneo elementum terrae et ignis: dann auß dem frigido et humido nimpt sich die substantia und corporalitas argenti, die auß fixer art ist, und nicht aufferhebt mag werden. Vom mercurio bleibet ignis am boden, und terrae et aquae, elevabuntur. De venero bleibet auch ignis am boden, und terrae et aquae in balneo manebunt. De plumbo bleibet elementum terrae am boden, ignis et aquae in balneo habentu. Nuh ist vom zinn, bleibet aer am boden, unnd werden ignis, terra, et aqua von ihm elevirt: und ist da zumercken, das der aer in stanno das corpus giebt, und sonst in keinem metall: und wiewol er auch etlichs theyls mit auffsteiget, und ungescheiden in den andern dreyen elementen invermischt bleibet: so ist es doch nicht der corporalisch aer, sondern der mitläuffig, der nicht zuscheiden ist. ? Nuh ist also zumercken, das die remanentz, das ist, das corporalisch element am boden, widerumb mit einem frischen aquafort soll durch das balneum in ein oleum reducirt werden, so ist dasselbig element dann vollkommen und perfect, das behalt auff ein theyl: und die andern in balneo scheid also: setz sie in ein sand, treib gemächlich, so gehet aqua von ersten, darnach ignis: das an den farben erkennt [wird], so die zwey werend uberblieben. So es aber elementum aquae et terrae weren, gehet aber das wasser am ersten, und erdrich hernach. So aber terrae et ignis weren, so gehet aber [terrae] am ersten, darnach ignis. Und so aquae, ignis und terrae bey einander weren, so gehet am ersten aquae, darnach ignis, darnach terrae. ? Also mögen die elementen in sondern gläsern behalten werden, jeglichs in seiner natur: als vom gold ein heiß und trockens, ohn all andere eigenschafft, deßgleichen auch ein kalts und feuchts, und kaltt und trockens: also auch von den andern verstand: also ist auch zuverstehen, das die corrosivische art aquaefortis auß den elementen soll gezogen werden, gleich wie wir de quinta essentia setzen.

[H6,17] Von scheiden der elementen auß den marcasiten

Also wie wir vorgesetzt haben de separatione elementorum in metallen: also auff das folget hernach die separation von den marcasiten, und die ist also:
Rec. den marcasiten welchen du wilt, wißmat, talck, oder kobolt, granatisch, unnd welche dann dergleichen seind, 1 lb und thue darzu ein pfund salpeter, reibs, unnd stoß klein zusammen: darnach adurirs in einen kolben durch den alembic, und was wasser da herüber gehet, das behalt: und was am boden bleibt, dasselbig stoß, unnd legs in ein aquafort, das es sich solvire zu wasser: darnach so schütt das vorgesamlet wasser darzu, und distillir es alles zu öl, wie wir erzehlet haben von metallen. ? Unnd im demselbigen proceß scheide auch die elementen von einander: so ist marcasita aurea gleich zuverstehen dem goldt: argentea marcasita gleich dem silber: wismat gleich dem pley: zinetus gleich dem kupffer: talck gleich dem zinn: kobolt gleich dem eisen. Et sic sufficit de separatione marcasitarum generum in omnibus.

Von scheidung der elementen in steinen

Demnach zuverstehen von den separationibus auff den stein und gemmen, dieselbig geschicht in den weg:
Rec. den stein, wol gerieben, thue darzu zweymal soviel sulphuris vivi, daß wol gemischt werde, und leg es in ein tigel wol lutirt, in ein athanar auff vier stund, das der schweffel gantz wider verbrenn: darnach wäsch die remanentz sauber von faecibus und schweffel, laß tröcknen: diesen steinkalch leg auch in ein aquafort, und procedir damit wie vor angezeigt haben von metallen, so vergleichen sich die stein den metallen: als die lauttern gemmae, die da nicht weiß noch graw seind, vergleichen sich dem goldt: und die weissen, blawen, grawen, dem silber. Darnach die schlechten stein vergleichen sich den andern metallen: als alabaster dem pley, marmel dem eisen, kißling dem zinn, dufft mercurio, etc.

[H6,18] Von scheidung der oleischen

Nach diesen die scheidung der oleischen folget: als dann seind alle olea und holtz, wurtzen, sahmen, frücht, und dergleichen, was da ein brinnende artt an ihm hatt, und zubrinnen geneiget ist: und das geschicht in zwen verstand. Ein, auff die oleischen corpora, unnd ein, auff die pura olea. ? Auff die oleischen corpora, ist also. Rec. das corpus, zerknitschs oder zersägß, wie die magst, zu dem kleinesten, binds in ein tuch, und leg es in ein roßmist auff die zeit, das es gantz faul werde, dann eins ehe dann das ander faulet. ? So diß also gefaulet ist, so schütt daran in ein kolben schlechten gebranntenwein, das er darüber schweb vier finger, und distillir durch ein sand alles was herauß gehet: dann da gehen alle elementen ohn terra herüber, daß soltu kennen von den farben: doch laß am ersten hindan gehen den gebranntenwein: am ersten aer, demnach aqua, demnach ignis, demnach bleibet in fundo terra. ? Also soltu aber verstehen von den puren oleis, das sie putrefaction nicht bedörffen, sondern ohn zusätz gedistillirt werden: da dann die farben anzeigen die unterscheid der elementen, wie wir von den andern erzehlet haben. Und in den weg gleich von den resinischen zuverstehen ist, die dann in liquida substantia erscheinen, als bech, hartz, terpentin, gummi und dergleichen. ? Aber die da corporalisch seindt, als schweffel, sollen vorhin darzu praeparirt werden, und also.

Von scheidung der elementen, in den corporalischen resinen

Am ersten nimb den gestossenen schweffel, laß ihn mit leinöl in duplo zu einer epatic sieden: dieselbig zerknitsch, und laß in einer vesic vier wochen in einem roßmist faulen. Darnach distillirs per alembicum in einem blossen fewer gemächlich, so gehet am ersten aer und aqua herüber, mit getheylt bleichen farben. Darnach mehre das fewr, so gehet ignis, am boden bleibet terra: so erzeigen sich da die farben lautter. ? Als der aer ist bleichgelb: und das wasser gleich einer dicken milch, da kein andere erkanntnuß ist, dann [H6,19] in milch: das fewer wie ein rubin durchbrinnend, mit allem fewrischen anzeigen: und die terra schwartz und verbrennet. ? Und wie also da die vier elementen gescheiden seind, ist ein jedlichs vollkommen in seiner elementen complexion, und ohn vermischung, wie wir erzehlet haben.

Von scheidung der kräuterischen elementen

Und also in den kräutern das wasserelement am mehristen erfunden wird, so die kalt seindt: so aber sie aerisch seind, das aerisch element ubertrifft: deßgleichen von dem fewer also gemercket wirdt, und das geschicht also.
Rec. salviam, die zerstoß, laß putrificiren, wie von der blatern geredt ist: darnach distillirs per ventrem equi, so gehet am ersten das element fewer, so lang biß sich die farben unnd dicke des wassers verenderen, so gehet terra hernach, und bleibet etliches theyls am boden, welche do fix ist. ? Diß wasser distillir in sole auff sechs tag: darnach setz ad balneum, so gehet am ersten elementum aquae herauß, deß nicht viel ist, dz erzeiget sich in gustu: darnach so der verendert wird, so gehet hernach elementum ignis, biß der gustus auch verendert wirdt: so gehet der theyl terra, und fast wenig, also wirdt sie am boden gefunden: und der aer permiscirt sich durcheinander. ? Also ist auch von den aereis herbis zuverstehen, und von den aquaticis, dieselbigen geben am ersten den lufft, unnd darnach das wasser, demselbigen nach ignem, zu procedieren wie de salvia.

Von scheidung der elementen in dem fleisch

Also auß dem fleisch, und was da lebt mit blut, die scheidung zuverstehen ist, daß auch desselbigen thiers mehrist corporalisch element am letzsten und am meisten erfunden wirdt. Als in fischen das haupt element aquae ist, in den würmen ignis, in den fleischigen thieren aer: wie wir de generationibus animalium setzen. ? Dieselbig elementen scheydung ist also. In fischen, rec. sie, und putrificirs wol: [H6,20] demnach distillirs per ventrem equi, so gehet das wasser herüber. Nach demselbigen putrificirs noch baß, und distillir es aber mehr per ventrem equi, so gehet mehr wasser herüber: das thue also lang mit dem putrificiren, biß kein wasser mehr herauß gehet. Darnach reliquum distillir per arenam, so gehet ignis in gestalt eines öls heruff, und bleibet terra am boden: also scheidet sich die gantz substantz des fischs in die element. Und soll da nicht betrachtet werden von der feyste, oder marck: dann ein jegliches separirt sich in sein element durch die putrefaction. ? Also auch von den würmen zuverstehen ist: dann in der unterscheid, das nit sovil wasser herauß gehet, sondern mehr fewer: es weren dann wasserwürm, als schlangen. Und in solchen destillationibus begegnen vil und seltzame anstöß, die mehr zuverwundern seind, dann zugedencken. Und dergleichen von ässigen thieren in solcher gestalt zuverstehen ist, die da ihre element auch [in] sonderlich anzeigen.

Von scheidung der elementen der undosischen

Und in solchen soll verstanden werden von der scheidung der undosischen oder säfftischen, oder die da seind in form der undosicheit: als dann ist urina, stercus, aqua, etc. Da merck also: rec. den urinam, distillir ihn gar uber, so gehen die elementen, aer, aqua, et terra hinüber, und bleibet ignis am boden. Dann so nimb, und schütt die all wider zusammen, und distillir auff vier mal in solcher gestalt, so gehet in der vierdten distillatz herüber am ersten aqua, darnach aer, unnd ignis, und bleibet terra am boden: so nimm aerem und ignem in ein sonder gefeß, laß kaltt stehen, so schießt es eyßzapffen, dieselbigen seind das element fewer: wiewol sie etwan schiessen in der distillatz, doch auch etwan an der kältty. ? Aquam scheiden von seinen elementen, ist also. Laß sieden per ventrem equi, so setzet sich terra an den boden: daß auffgestigen ist, dz putrificir auff sein zeit, darnach distillirs per balneum, so gehet am ersten aqua herüber, darnach das fewer. ? Stercora, vitriolum, tartarum, und was also von safft ist, als auch alumen, saltz, und dergleichen all ihr genera, ist also. ? Distillir [H6,21] von ihnen was du magst per cineres, so gehet aer et aqua herüber: darnach destillirs per ignem, so gehet ignis herüber, und bleibet terra am boden. ? So ist da zumercken, wiewol da vier element gescheiden werden, so bleiben noch vier element in terra verborgen, gleich als ob sie fix seyen: als in vitriolo bleibet ein caput mortuum, dasselbig laß sublimiren mit salmiax, so solvirt sich da ein öl, darinn ist aqua et ignis, und terra bleibet substantialisch ligen: scheid die zwey element per balneum von einander, so gehet elementum aquae herüber, unnd ignis bleibet am boden. Also auch de tartaro zuverstehen ist und de salibus. ? Wiewol noch viel mehr scheidung auff diese liquores seind: wollen wir sie de transmutationibus mehr erklären. Wann da ist zumercken, das in der corrosivischen terra mehr element innwohnend, als in der eschen: soll also gescheiden werden, wie wir anzeigen, mit sublimiren.

Von scheiden der element in den gläsern, und was da glasig ist

Als wir de resolutionibus marcasitarum setzen: also auch de vitris verstanden soll werden. ? Dann das am meysten auch soll betracht werden, das die vitra mit schweffel, wie die lapides sollen calcinirt werden, darnach gewaschen, demnach mit dem salpeter: auff dasselbig im aquafort, wie wir dann anfänglich erzehlet haben. Und werden ihr element auch erkennt durch ihr farben, in der distillatz, und nicht wie sie vor augen erscheinen. ? Unnd wollen damit das beschlossen haben.

Von scheidung der elementen in den fixischen

Der fixischen elementen scheidung geschicht durch die sublimatz, als wir de salibus et liquoribus setzen: zumercken mit der unterscheid, das sie sollen mit dem salpeter gebrennet werden, demselbigen soll hernach folgen die sublimation.

[H6,22] Und wiewol noch viel dings ist, das dann alls do nicht gemeldet wirdt: so ist zuverstehen, das aller dingen separationes, durch die zehen weg geschehen sollen.
Und ist also von den separationibus der vier elementen zumercken weitter: als, vom fewr, in der gestalt als ein fewr: vom lufft, in der gestalt wie ein lufft: vom wasser, in der gestalt wie ein wasser: deßgleichen de terra, wie ein erdrich. Von den separationibus wöllen wir hernach tractiren.

Am ersten, vom fewer

Also auß dem element fewer zuverstehen ist, die fassung der vier elementen, und das also. ? So das fewer am gewaltigsten brennet, so faß es in ein reservacul, wol verschlossen: dann setz es in fimum equinum auff ein monat, so findest die vier element in eim: daß thue auff, in ein recipienten, do geht der dunst und lufft hinein, das ist aer: das ander destillir per balneum, so gehet aqua herüber: darnach per cineres, so gehet ignis: und terra bleibt am boden.
Was dieser elementen kräfft seind, und warumb sie hier also verzeichnet seind, das melden wir in andern büchern.

Vom lufft

Also soll auch der lufft eingefasset werden in ein glaß, und an die sonn gestellt cum sigillo Hermetis zugemacht, und also per aestatem lassen digeriren: so distillirt sich der lufft, und permutirt sich in ein aquositet, darinn wachset er je länger je mehr: dieselbig quantitet scheid also.
Laß sie faulen auff ein monat in fimo equino: darnach per balneum gleich wie das fewer. Von seinen kräfften alibi plura scribuntur.

Vom wasser

Nimm das wasser in ein phiol, das gar voll sey, und nicht wohn, mit sigillo Hermetis vermacht, laß in einem heissen sandt ligen auff ein monat, also das es täglich gleich ein hitze hab als ob es siede, und soll doch vor der völle nit [H6,23] mögen sieden. ? Unnd so die zeit für ist, so putrificirs auff ein monat: darnach aperirs, und du distillirs durch ein dreyschnäbligen alembic, so theylen sich auß die drey elementen, und das vierdt terra bleibet am boden. Sein natur nicht mit minderen tugenden erzehlet wirdt, in viel enden.

Vom erdtrich

Dieser proceß gleich dem wasser zuverstehen ist: dann allein in der distillatz, soll er gleich wie das fewer gehalten werden, und in derselbigen gestalt geführet.

Und merck, das wir hie von den elementen, scheidung setzen auß viel ursachen, die sich dann nicht allein der philosophey, sondern noch viel mehr der medicin, fürtreffenlich dienstlich machen. ? Darumb wir also de separationibus elementorum genugsam geschrieben haben. ? Unnd wiewol noch viel mehr und länger schreibens möcht geschehen, ist aber ohn notturfft anzunemmen. ? Nuh wollen wir nach unserm fürlegen die scheidung puri ab impuro also zuverstehen geben, das sie allein geschicht durch den weg, wie wir de arcanis und auro potabili anzeigen: darumb hie darvon kein mentio zuthun ist. ? Und wiewol das ist, das der anfänglich proceß nicht lauttet wie dieselbigen proceß, de arcanis et magisteriis: so ist doch finaliter derselbige weg der bereittung gleich anzunemmen diesen separirten elementen. ? Dann in diesem werden die element gescheiden, und darnach ein jedtlichs element in ihm selbst gereiniget von seiner unsauberkeit, die in ihm ist: damit auß demselbigen kein ungestalt mög entstehen, oder impediment, als dann wol möglich ist.

Finis de separatione elementorum.

[H6,24]
Liber Quartus Archidoxis
Ex Theophrastia Paracelsi Magni

De quinta essentia

Nach dem und wir zuverstehen haben geben von der quinta essentia, die dann in allen dingen ist: soll doch das am ersten verstanden werden, was quinta essentia sey.
Quinta essentia ist ein materien, die da corporalisch wird außgezogen auß allen gewächsen, und auß allem in dem das leben ist, gescheiden von aller unreinigkeit und tödligkeit, gesubtilt auff dz aller reinigeste, gesöndert von allen elementen. Nu ist zuverstehen, dz quinta essentia ist allein die natur, krafft, tugent, und artzney, die dann in dem ding ist verfasset on ein herbrig, und frembde incorporirung: sey auch die farben, dz leben, und die eygenschafft des dings: und ist ein spiritus, gleich dem spiritu vitae in dem unterscheid getheilt, dz spiritus vitae des dings bleiblich ist, und des menschen tödlich. Darumb als da ein verstand ist, dz auß menschlichem fleisch oder blut, kein quinta essentia mag gezogen werden: dann dz darumb, dz spiritus vitae, der dann auch spiritus virtutum ist, stirbt, und dz leben in der seel ist, dz ist als da in re nit. Und wiewol dz ist, dz vieh sein spiritum vitae verleurt, darumb es gar tödtlich ist, und kein quintam essentiam mehr gibt: dann die quinta essentia ist der spiritus vitae des dings, dz in den empfindlichen nit mag außgezogen werden, als in den unempfindlichen. Wann melissa hat in ihm spiritum vitae, das ist, sein tugent, krafft und artzney: so sie abgebrochen wird, noch ist in ihr dz leben und die tugend, darumb das dz ist ein fixe praedestinatz: auß der ursachen mag die quinta essentia herauß gezogen werden, und lebendig behalten on zerstörung, als ein ewiges nach seiner praedestinirung. ? So wir möchten das leben des hertzens also ohn zerstöhrung herauß ziehen, wie uns möglich ist auß den unempfindlichen: wolten wir ungezweiffelt ohn einen todt, unnd ohn wissen der kranckheiten [H6,25] leben in ewigkeit, das wir dann nit mögendt. Darumb auß dem uns der todt erstehet. ? So nun quinta essentia ist allein die tugent der dingen, wollen wir zuwissen ordnen, in was gestalt die tugent und medicin in den dingen lig, unnd das also. Der wein hatt in ihm eine grosse quintam essentiam, dardurch er viel seltzamer wirckung hatt: so ist doch der wirckung nit so vil, als viel des weins, ut patet. Ein gall, die da geschütt wirdt in ein wasser, machet dasselbige alls bitter, schon tausent mal mehr ist, dann der gallen. Oder gleich wie ein kleines gewicht saffrach gilbet und ferbet ein groß gewicht wasser, und ist doch nicht alles saffran. Also soltu auch verstehen von der quinta essentia, das sie klein und wenig ist, beherberget in ein holtz, in eim kraut, oder stein, oder dergleichen. Das ander ist ein pur corpus: von dem wir lehren separationes elementorum. Und ist also auch zuverstehen, das die quinta essentia nit ist ein fünfft wesen uber die elementen: dann es ist ein element. Und möcht wol betracht werden, dz quinta essentia ein temperirt wesen wer, nit kalt, nit heiß, nit feucht, nit trocken, dz nit ist: dann da ist kein ding, das in der temperirung stand oder sey, dardurch es sich entziech der elementen: sonder sie sind alle genaturt nach den elementen. Als quinta essentia auri, dem fewr nach: quinta essentia lunae, dem wasser nach: quinta essentia plumbi dem erdtrich nach: quinta essentia mercurii der lufft nach. Und wiewol dz ist, daß die quinta essentia all kranckheiten heilet, geschicht nit auß ursachen der temperirung, sonder auß ursachen der grossen proprietet, die in ihr ist, und der grossen reinigkeit, so in ihr erfunden wirdt, durch die sie dem leib, mehr dann wunderbarlich ist, ein verenderung macht, und ein leutterung: in massen gleich zuverstehen als wann einem ein fell ab dem aug gezogen wirdt: also erleuttert die quinta essentia das leben im menschen. Und seind nicht all eins wesens: darumb das ettlich fewrisch seind, das sie in gleicher wirckung stünden, von der complex wegen: nein, also dz zuverstehen, daß die quinta essentia anacardi solte solch operationes haben, als quinta essentia auri, darumb das beyde igneae sind? Nein: aber das ist ihr tugenden ein unterscheid, praedestinatio et dispositio: Gleich wie das viech, hatt alles [H6,26] spiritum vitae, und ist doch nicht ein virtus in ihnen, darumb daß sie all auß blutt und fleisch seind, sondern eines ist anderst dann das ander, in tugenden und in gustu. Also ist es auch in der quinta essentia, die ihr krafft nit auß den elementen haben, simpliciter zuverstehen: sondern auß der proprietet, die im element ist, als wir de generationibus rerum setzen. Darauß entspringt, das ettliche quintae essentiae stypticae seind, ettliche narcoticae, ettlich attractivae, ettlich somniferae, ettliche amarae, ettlich dulces, ettlich acetosae, ettlich stupefactivae, etc. Ettlich ernewern, und jüngern den leib, ettliche constipiren. Unnd der tugendt seind viel mehr, deren wir nit genugsam melden: doch apud medicos all zu wissen sind. So nuh die quinta essentia von dem, das kein quinta essentia ist, gescheiden wirdt, wie ein seel vom leib, ist zuverstehen, was kranckheit wolt ihm dann widerstehen? Dieweil so ein edle natur, also rein, und also krefftig eingenommen wirdt, mag und kan unser cörper nichts um das leben bringen, dann allein der praedestinirt todt, der uns leib unnd seel scheidet, als wir de vita et morte setzen. Und soll auch die betrachtung da sein, das ein jegliche kranckheit ihr sonderlich quintam essentiam bedarff: wiewol wir von ettlichen quintis essentiis setzen, die in all kranckheit dienen: was auß ursachen das geschicht, werden an ihren enden gemeldt.
Also zeigen wir weitter an, daß die quinta essentia im goldt klein ist: das ander ist ein aussetziger corpus, in dem kein süssi, noch sewri ist, weder tugent noch krafft, dann allein die vermischung der vier element. Und wirdt da verstanden ein heimlicher puncten, daß die element ohn die quinta essentia keiner kranckheit widerstehen mögen: sondern mögend und thundt nichts anders, dann wermen und kelten, ohne krafft. Als wann ein kranckheit hitzig ist, so soll sie mit der kelti außgetrieben werden: aber nit ein kelte und krafft, als kalt wasser, oder ein kalter schnee: wiewol sie kalt genug sind, in ihnen ist aber kein quinta essentia, die da ein nachtruck habe diesen morbum zuverjagen. Darumb das corpus auri nichts soll, unnd allein die quinta essentia die in ihm ist, dem corpus unnd seinem element die krafft gibt, als sie im goldt erfunden wirdt. Also auch in anderen dingen allen ist die quinta essentia, die da heilet und [H6,27] gesundt machet, tingirt den gantzen leib, wie ein saltz ein suppen recht und gut macht. So ist nuh das zuverstehen, [daß] die quinta essentia die farb gibt, gleich wie die tugent: unnd so das goldt sein farb verloren hat, so ist ihm sein quinta essentia hinweg. Also ist auch von allen metallen zuverstehen, so bald die farben entzogen, ist auch ihr natur auß: und deßgleichen in den steinen und gemmen. Als die quinta essentia corallorum ist ein rothe feiste, und das corpus weiß. Der smaragd ist ein griener safft, und das corpus weiß. Also auch von allen andern steinen zuverstehen ist, daß sie ihr farben verlieren, und in derselben ihr natur, wesen und proprietas ligendt: daß wir alls in seinen extractionibus eigentlich setzen ? Also auch von kreuttern und andern gewechsen verstanden wirdt, in massen wie wir angezeigt haben. So werden wir auch dergleichen von dem fleisch verstehen, und blutt, darauß kein quinta essentia gezogen wirdt, auß ursachen wie wir haben angezeigt: so mögen wir doch ein gleichnuß der quintae essentiae herauß ziehen, also: ein stück fleisch hatt noch in ihm das leben, zuverstehen das es noch ein fleisch ist, mit allen seinen naturen unnd krefften, darumb in ihm ist das leben: aber wiewol es nit das recht leben ist, so ist es doch vita praeservata also lang biß es fault. Darumb da ein unterscheid ist, daß die gedörtten kreutter und dergleichen, gleich wie ein fleisch zu achten sind: dann inen ist abgangen der grüne geist, das ist, das leben. So mögen also diese abgestorbene ding in abgestorbene quintam essentiam gebracht werden: als dz fleisch, mag von ihm geben all sein tugent in ein sondern theil, gescheiden von seinem corpus: also auch dz blut, und die gedörrten kreutter. Und wiewol dz nit ein lebendige quinta essentia ist: so ist doch da ein anzeigung darzu, wie ein abgestorbene quinta essentia, die da mit ettlichen tugenden sich erzeigt. Die metallen und gestein haben ein einigs wesen und leben, sterben nit ab, sondern dieweil unnd sie metallen sind und gestein, also lang ist inen das gleich leben: darumb sie vollkommene quintas essentias geben, unnd darauß gezogen mögen werden.
Nuh ist zuverstehen, in wz weg die quinta essentia soll außgezogen werden, deren dann viel sind. ? Ettlich, die es durch additiones außziehen, durch gebrannten wein: ettlich durch [H6,28] balsamiten: ettliche durch separationes elementorum: und in viel andere weg mehr, deren wir kein hie melden. So soll doch die quinta essentia außgezogen werden, nit durch vermischung unbequemer ding, oder mit zusätz: sondern es soll allein das element quintae essentiae außgezogen werden, vom leib gescheiden, und von dem dergleichen gescheiden, durch dz es außgezogen wirdt. Nuh ist der weg mannigfalt, der die quintam essentiam außzeucht. Einer durch sublimationes, einer durch calcinationes, einer durch aquas fortes, einer durch corrosiva, einer durch dulcia, einer durch acerba, und wie dann das also alles beschehen mag: ist das zubedencken, daß alles das, so unter die quinta essentia gemischet ist worden, durch erforderung der notturfft im extrahiren dasselbige wider herauß gezogen werde, und also die quinta essentia allein in ihr selbst bleibt ohn vermacklet ander dingen. Dann diß ist schwerlich und fast ungleublich, die quintam essentiam außzuziehen ohn corrosiva, auß den metallen: als vorauß vom goldt, das nit mag gemeistert werden, es hab dann an ihm ein corrosiff durch das die quinta essentia und der leib von einander geschieden werd. Dasselbig corrosiff ist ihm wider zu nemmen, also, das ohn schaden der quinta essentia ist: gleich als ein saltz das in einem wasser ist, wider vom wasser gezogen wirdt, daß das wasser ohn saltz bleibet und ist. ? Unnd wiewol doch das soll auch betrachtet werden, das nit ein jeglichs corrosiff darzu geschickt ist: auß der ursachen, daß sie nicht alle darvon mögen gescheiden werden: dz also zuverstehen ist. So ein vitriol oder alaun in ein wasser vermischet wirdt, so mögen die vom wasser, dem wasser ohn nachtheil, nit von einander gescheiden werden, es lest ein scharffe remanentz dahinden, auß der ursachen, daß es auch wässerisch ist: darumb da zwey gleich zusammen kommen, das nit sein soll. Also soll betracht werden, das kein aquosum zu aquosen gebraucht werd, kein oleatum zu den oleaten, kein resinatum zu den resinaten: sondern dz widerspil soll hindan scheiden unnd außziehen die quintam essentiam. Als die wasser die oleisch quintam essentiam, wie wir dann von metallen verstehen sollen: und die oleischen die wässerig quintam essentiam, als wir dann von den herbischen quint essentien verstehen mögen. ? Also wollen wir demnach zuer= [H6,29] kennen geben, das nach solcher scheidung und extraction, das corrosiv soll wieder auß der quinta essentia gebracht werden, das dann leichtlich zu thun ist. Wann wasser, oel, ist zu scheiden möglich: aber oel und oel, oder wasser und wasser, wird ohn vermischung nit von einander bracht: das dann in der quinta essentia ein grossen schaden brecht, und bringen möcht. Also wirdt die quinta essentia lautter und klar, ongemacklet eingefast, das demnach weiter soll vermischt werden, damit das es ein substantz hab, darinn es mög den leib durchgehen. Dann sein subtili unnd krafft ist nicht auß zuergründen, also wenig auch sein groß herkommen nit mag anfenglich erfunden werden. Dann do ist die quinta essentia in viel gradibus. Eine wieder das fiber, als opiaten: eine wieder hyposarcam, als tartari: eins wieder apoplexiam, als auri: eins wieder epilentiam, als vitrioli: und deren dann viel seindt und unzalbarlich, gleich so wol auch unerfahrnlich. Darumb zu betrachten ist, das einer jedlichen kranckheit sein rechter feindt soll angebracht werden, so ist da ungleubliche hülff in der natur. Das wollen wir in sequentibus baß erleuttern und pronunciren.
Wir mögen nicht von seinen gradibus setzen, als dann de simplicibus in der medicin die gradus assignirt seindt: auß ursachen, das die gradus quintae essentiae, zu rechnen gegen den gradibus in simplicibus kein vergleichen haben. ? Auch so sie gradirt werden und gesetzt, wirdt der gradus ihrer gütti eins mehrer als das ander. So werden und sollen sie nicht gradiert uber einander werden nach den complexen: als die quinta essentia anthos sey heysser, dann die quinta essentia lavendulae: oder quinta essentia cupri sey trückner dann quinta essentia argenti. Diß soll alles nicht betracht werden: sondern sein gradus soll also erkennet werden, auß seiner grossen tugent, ut sicut quinta essentia antimonii heylet den aussatz, und quinta essentia coralli vertreibet das vergicht. Zurechnen under denen beyden, die eines elements seind in der quinta essentia, welchs das best sey unnd am höchsten gradiert sey: ist kein ander antwort, dann das quinta essentia antimonii höher sey dann corallorum, auß der ursach, das der aussatz mehr ist dann colica unnd sein anhang. Also nach der eigenschafft, als sie wieder die kranckheit hatt, wirdt genommen [H6,30] ihr gradt. Auch wol also: ein quinta essentia ist mehr zu dem aussatz, dann die ander: als quinta essentia iuniperi treibet auß den aussatz: unnd quinta essentia ambrae auch: unnd quinta essentia antimonii auch: und quinta essentia auri deßgleichen auch. Nun ist unter denen vieren ein unterscheid: dann sie seind gleich in eim grad, zu heilen den aussatz, und das verstandt also. ? Quinta essentia iuniperi treibt ihn auß, auß der ursachen seines grossen leutterns, die es im blutt hatt: nimbt also hin die gifftigkeit, das sie nicht mercklich ist: darumb ist sie im ersten gradt. ? Quinta essentia ambrae nimbt ihm die gifftigkeit auch, unnd die glieder deß aussatzs: darumb ist es im andern gradt. ? Quinta essentia antimonii thut die beyde tugendt: unnd zu demselbigen, reinigt es die hautt und schieppen, unnd erwärmet den gantzen leib wunderbarlich: darumb ist es im dritten gradt. Und die quinta essentia auri thut die tugendt all allein, unnd nimbt vom grundt hinweg alle aussetzige zeichen, unnd ernewert es, wie ein honig unnd wachs, das von einem waben gereiniget wirdt: darumb haltet es den vierdten grad inn. Also mögen die gradus quintae essentiae genommen werden, und voneinander erkennt, das je eine besser ist dann die ander. ? Auch ist zusinnen, dz die simplicia in ihrer eigenschafft sollen auch erkennt werden. Dann was ihr eigenschafft ist in simplici forma, also ist auch ihr quinta essentia: in demselbigen nicht geschwecht, sondern mehr, viel stercker.
Nuhn ist uns zuverstehen die quinta essentia in ihrer unterscheidt, das etlich seindt, die da der lebern dienen, unnd allen ihren kranckheiten wiederstehen: also etliche zum haupt, etlich zum hertzen, etlich zun nieren, etlich zur lungen, etlich zur miltz unnd dergleichen. ? Etlich in einer andern gestalt: als etlich allein in dem blutt, etlich allein in der phlegma, etlich allein in der melancholia, etlich allein in der cholera. ? So seindt auch etliche, die ihr wirckung allein in humoribus haben, etlich allein in spiritu vitae, etlich allein in spiritu nutritivo. Darnach seindt etliche, die allein in carne operieren, etlich in medullis, etlich in ossibus, etlich in cartilaginibus, etlich in arteriis. ? So seindt auch etlich, [H6,31] die allein wieder die kranckheiten streben, unnd sich keines andern annemmen: als contra paralysin, contra caducum, contra contracturam, etc. contra fluores, contra hydropisin. Demnach seindt etliche, die da narcoticae seindt, etliche anodinae, etlich somniferae, etlich attractivae, etliche purgativae, etlich mundificativae, etlich incarnativae, etlich confortativae, etlich regenerativae, etlich stupefactivae, etc. So seindt auch etliche die da loboriren pro renovatione, et restauratione, zuverwandlen, leib, blutt unnd fleisch: etliche pro conservatione diuturnitatis vitae: etliche pro retinentia et servatione iuventutis: etliche in transmutatione etlich in incensione. Unnd darbey zuverstehen ist, das etliche formam specificam habendt, etlich appropriatam, etlich influentem, etlich naturalem. Also das in viel mehr weg beschehen mag, das wir nicht mögen schreiben: ihre wunder in der artzney seindt unbegreifflich. ? Als dann in viel weg beschieht, das etlich quinta essentia ein hundertjährigen mann gleich macht eim zwentzigjährigen, mit krafft unnd stärcke. Wer ist der, in dem solch sinnligkeit stecke, der den ursprung möge ergründen? Oder wo sich natürlich die prima materia erhübe? Dann unserm höchsten schöpffer solchs zulassen, zu thun ist.. Dann wer will uns unterrichten, auß was kräfften quinta essentia antimonii das haar außwerff, und macht ein weisses dagegen wachsen? Unnd die quinta essentia rebis schellt die hautt ab, unnd gibt ein newe: unnd quinta essentia chelidoniae verkert unnd endert den leib zu guttem, als ein new angestrichens bildt. Unnd deren seindt viel mehr, die wir lassen stehen biß in seine capitel, wollen wir es melden. ? Wie wolten unnd solten wir vonn der edlen philosophia unnd medicina lassen, dieweil die natur also wunderbarlich experimenten giebt, die andere faculteten all mangeln, unnd in cavillatione contentiert werden? Warumb sollt uns das nicht frewen, das quinta essentia karlinae einem andern sein krafft nimbt, unnd sie dem giebt, der sie braucht? Unnd die quinta essentia auri den gantzen aussetzigen umbwendt, unnd außwescht, [H6,32] wie ein gedärm in der metzig, unnd ihm abzeucht sein hautt, gibt ihm ein newe, und ihm auffthut organa vocis? Reumbt ihm all sein complexion, als ob er auß seiner ersten mutter schlüff? Darumb so wollen wir nach der practick der quinta essentia gedencken zu fabriciren unnd componiren, in was weg wir dieselbigen sollen angreiffen und anfahen. Wollen wir dieselbig theilen, ein theil auff die metallen: ein theil auff die marcasiten: ein theil auff die salia: ein theil auff die lapides unnd gemmen: ein theil auff ardentes: ein theil auff crescentes: ein theil auff aromata: ein theil auff comestibiles, unnd potabiles. Unnd was under den theilen begriffen wirdt, wollen wir in solcher maß anzeigen und zuverstehen geben. Darumb an dem dann zu mercken ist, das in der practick mit der quinta essentia, die theorick und naturalia sollen erkannt werden. Doch nicht mehr dann, theorick, zu wissen was kranckheit: naturalia, zuwissen der dingen eigenschafft. Und ist zu wissen, das da under der quinta essentia, und auro potabili, arcanis, magisteriis, unnd dergleichen, ein unterscheidt ist: also das quinta essentia nicht wieder reducirt wird in sein corpus: aber das aurum potabile wieder zu metallischem corpus transmutirt wirdt. Darumb ein edlere tugent in quinta essentia ist, dann in den andern.
In solchen von der quinta essentia zu reden, ist uns zuverstehen, was unterscheidt zwischen der quinta essentia sey, und was die sey. Wiewol wir von denselbigen genugsam erzelt haben: ermahnet uns doch die practick auff ein andern weg, durch den auch quintae essentiae arth und natur erfunden mügen werden. Und wiewol dieselbigen nit in der gestalt der quinta essentia erscheinen, auch nicht in derselbigen form gemacht werden, deßgleichen auch nit in einem element allein stehen, wie dann quinta essentia sein soll: so sollen wir verstehen de quinta essentia istarum rerum, das es ist mehr dann ein quinta essentia: unnd soll mehr ein arcanum geheissen werden, unnd artis mysterium, dann ein quinta essentia. Darvon viel mehr zu schreiben wer, den wir von quinta essentia beschrieben haben, das wir nicht thuen: dann darumb, wir melden dasselbig in den büchern paramiris. ? Solch arcana unnd mysteria der natur unnd der kunst seindt wun= [H6,33] derbarlich viel, und viel unbegreifflich weg darzu zukommen, unnd ein grosse sinnreiche: melden wir auß den arcanen vier. Das erst arcanum ist mercurius vitae. Das ander arcanum ist prima materia. Das dritt arcanum ist lapis philosophorum. Das vierdt arcanum ist tinctura. Unnd wiewol das ist, das solche arcana mehr englisch, dann menschlich seindt zu melden: wollen wir darab nicht erschrecken, unnd gedencken, das der natur nach zu gründen ist, unnd was auß der natur kommt, natürlich mag verstanden werden. Als wir de mercurio vitae reden, das nicht ein quinta essentia ist, sondern arcanum: darumb das so viel tugent unnd kräfft in ihm seindt. Er praeserviert, er restauriert, er regeneriert, als wir de arcanis von ihm schreiben. Deßgleichen prima materia in gleicher form, nit allein in lebendigen, sondern auch in todten cörpern, mehr dann natürlich ist, wircket. Das auch lapis philosophorum thut, der den corpus tingiert von allen seinen kranckheiten, wie die metallen von ihrer unreinigkeit zur reinigkeit. In massen wie tinctura, die da silber verwandelt in aurum, also verwandelt sie auch die ungesundheit in ein gesundheit. Deßgleichen die andern magisteria, elixiria, aurum potabile, die in ihren libellen angezeigt werden.

Von der extraction der quintae essentiae auß den metallen

So wollen wir mit kurtzer redt beschliessen die außzüg der quintae essentiae der metallen, dieweil unnd viel seindt, die darinn viel erfahren haben zu unsern zeiten: Wiewol ihnen doch viel entgegen gelauffen ist, die auch ander weg gebraucht haben. Unnd ist also von den metallen zuverstehen, das ihr quinta essentia, unnd das corpus in zwey theil getheilt wirdt, seindt beyde liquida und potabilia: und die zwey vermischen sich nicht mit einander, sondern das unrein corpus wirffet auff die quintam essentiam wie die milch den raum. Also werden zwo feysti darauß, die dann zuscheiden seindt von einandern. ? So ist doch die feyste deß corpus [H6,34] allemahl weiß von allen metallen: unnd die quinta essentia geferbet, nach dem und wir vormahls erzehlt haben vonn den sieben metallen. ? Auch so haben sie allein ein proceß gleich zumachen, unnd den also. ? Solvier den metallen zu wasser, unnd distillier das per balneum herab durch das putrificieren, so lang, biß ein oel darauß wirdt: dieß oel distillier in kleinen phiolen per alembicum, so bleibt etlichs theils deß metallen in fundo, daß mach wieder zu oel, unnd distilliers auch herüber, also lang, biß der metallen all herüber kommt. Dann so nimb ihn, unnd thue ihn zu putrificieren, auff ein monat. Demnach so distilliers alles herüber mit gemachem fewer, so gehendt die vapores am ersten herüber, die thue hinweg: darnach gehen zwo dicke farben, ein weiß, die ander nach arth der metallen. ? So sie also all herüber seindt, so theilen sie sich in recipienten (von einander:) also dz die quinta essentia am boden bleibt, unnd die weiß farb deß cörpers oben darauff schwebt: dieselbig scheidt von einander per tritorium, unnd nimb die quintam essentiam in ein ander phiol, darin schütte vinum ardens purificatum, laß ihn daran stehen also lang, biß er gar scharff wirdt: so geuß ihn vonn der quinta essentia herab, unnd ein andern daran, dem [thue] auch also, so lang biß keiner scherff mehr empfindest: so thue darein aquam destillatam binies, damit abluiers auff sein süssi. Demnach so behalts, und ist also die quinta essentia bereitt. Daß weiß reducier, so wirdt dir ein weiß corpus, das geschmeidig ist, und metallisch, und doch nicht mag erkennet werden, welcherley es sey. ? Unnd wiewol viel mehr weg seindt, die quintam essentiam zu außziehen, deß wir geschweigen: dann das darumb, das es nicht bey uns für quinta essentia gehalten werden, sondern für transmutationes, in denen kein extractiones seindt unnd gebraucht werden.

[H6,35] Quintam essentiam auß zu extrahieren von marcasiten

Deßgleichen viel mehr weg seind, auß den marcasiten die quintam essentiam außzuziehen, die uns für quintam essentiam nicht ansehen. Wiewol sie mehrer und grösser tugent seind, dann ihr quinta essentia, als wir de arcanis, magisteriis und elixiriis schreiben: jedoch die quintam essentiam außzuziehen, ist diß unser gebrauch auff alle metallische marcasiten, die dann gleich denselbigen außgezogen werden. ? Unnd wiewol wir jetzt gemeldt haben, das quinta essentia sey die gröste krafft der dingen, und melden auch de arcanis, die mehr dann quinta essentia seindt: ist das die ursach, dz die arcana in ihnen haben alle quintam essentiam, und darzu gesubtilirt werden, also scharff, das sie au dem ein tugendt empfahen, die mehr dann quinta essentia ist. Auch ursachet viel appropriatum und specificum darinn, und der weg der practick. So ist der proceß also.
Rec. den marcasiten wol gerieben, j. lb. Aquae comedentis ij lb. Misch sie zusammen in ein pellican, laß in der digest stehen zween monat, oder drey: so wirdt es alles zu einem liquor: denselbigen distillier aller per ignem, so gehets herüber in ein oleum: dasselbig putrificir mit einander in einem ventre auff ein monat: darnach distillir es gleich wie die metallen, so gehen zwo farben, auch weiß, und der quintae essentiae farb: so laß das weiß ligen, es wer dann von wißmat, oder weissen marcasit, so erkenn die dicke der zweyen von einander: unnd nimb das underste, dasselbig süsse ab, wie wir von metallen geredt haben. Also hastu außgezogen die quintam essentiam auß denn marcasiten, ohn zerstörung ihrer krafft und tugendt.

Quintam essentiam außzuzihen von den salibus

Also nuhn die quintam essentiam auß salibus zunemmen, geschicht in einen sondern weg, der ihnen an ihrer krafft auch nicht schädlich ist, noch zerbrechlich, ist also.
[H6,36] Rec. die saltz, unnd calciniers wol: seindt sie volatiles, so aduriers: demnach resolviers in die dünne, und distilliers zu wasser herüber. Diß wasser setze in ein putrefaction auff ein monat: darnach distilliers per balneum, so gehet ein süß wasser herüber, das laß hingehen: wann es nimmer gehen will, so setz mehr in ein putrefaction ein monat, darnach distillir aber wie vor, das thue so lang, biß kein süssi mehr hindan gibt, so hastu quintam essentiam salis am boden: von einem pfundt calcinierten oder adurierten saltz kaum vier loth. ? Deß saltz so es commune ist, saltzt ein loth mehr, dann ein halb lb. in der suppen: dann die quinta essentia ist lautter da, unnd das corpus ist von ihr per liquidam substantiam entzogen. Unnd werden also alle salia von der quinta essentia gezogen. ? Aber wie sich dann vom alumine unnd vitriolo begibt, ist also: Dann sie lassen calcinieren zum fluß, wie dann die salia sollen darzu gebracht werden: darumb du sie nach ihrer calcination sollt adurieren unnd resolvieren, nach innhalt der practick. Unnd so sie also resolviert seindt, so setz ihn zu die wasser, die sich von ihnen haben auffgemacht, laß also in dem proceß fürfahren, wie wir de salibus erzehlt haben in diesem capitel. Dann viel essentia ist in der humiditet auffgestiegen, die sich wieder nider setzt in der composition unnd putrefaction, unnd also zusammen kommendt.

Quintam essentiam außzuziehen von den lapidibus und gemmen und perlen

Unnd also auß steinen unnd edlingen, unnd auß den perlen, das alles mit einer extraction geschicht, außzuziehen die quintam essentiam, ist für auß trefflich unnd behülflich, gantz auch subtilisch in seiner arbeit. Unnd auch ein kleine quantitet der quintae essentiae auß den edlingen gehet: und je subtiler und je leutterer, je weniger sie geben. Es ist auch nicht zubrauchen, das auß den groben steinen sollen quintae essentiae gezogen werden: dann in ihnen ist nit vil tugent, darumb auch wenig herauß gehen: und ist ihr proceß also.
[H6,37] Rec. die gestein oder perlin grob gestossen in fragmenten, und nit gepulvert: thue sie in ein glaß, darüber schütt acetum radicis, das er fünff finger darüber schwimm, laß digeriren auff ein monat in ventre, demnach so ist die materia gantz liquida. Diese materien wesch mit einem andern aceto radicato wol durch einander, so ferbet sich der essig auff die farben des gesteins, das schütt in ein ander glaß, unnd schütt mehr daran, das also lang, biß kein farb mehr herauß gehet: so ist in der farben die quinta essentia, und das corpus bleibet dahinden. So nimb die farben, unnd laß einsieden gemechlich zu der tröckne: darnach süß mit distillirtem wasser ab, wie wir vormals melden, so lang biß süß ist: als dann laß das pulver resolviren super marmore, so hastu die quintam essentiam auß den gemmen und perlen. Unnd hab acht auff die perlen mit der farben: sie geben ein dicke milch, unnd das corpus ist sandig und schleymig, auß dem solt sie von einander erkennen. Deßgleichen von crystallen, dasselbig wescht sich alles herüber, was quinta essentia ist, unnd bleibet auch ein zäher schleim dahinden, darbey die sufficientz des extrahirens erkennt mag werden.

Quintam essentiam zu extrahiren ex ardentibus

Außzuziehen ex ardentibus die quintam essentiam, ist auß allen den dingen die nit gessen werden noch truncken, und von ihrer natur brinnen und fewr geben in corporalischer substantz, ist also. Rec. dasselbig, und zerschneidts auff das kleinest, thue es in ein gutten verglasten hafen, füll ihn an, und cooperir ihn zu mit luto sapientiae, also das kein dunst herauß mög: demselbigen nach setz ihn in ein circkelfewr, daß der hafen glüe, durchbraun, und laß also stehen auff xxiiij. stund: demselbigen nach zeuch ihn auß vom fewr, und putrificiers in eim mist auff vier wochen, darnach distillir es gantz herüber, alles was da gehet: demselbigen nach setz es in ventrem equi, zu distilliren all sein humiditet von ihm, unnd wider zu putrificiren also lang, biß der humiditet von ihm, unnd wider zu putrificiren also lang, biß der humiditet keine mehr herauß gang. Also bleibet die quinta essentia am boden, von dem ding [H6,38] das dann du genommen hast. Also werden allen dingen, die da oel, hartz, oder dergleichen in ihnen haben, wie terebinthus, abies, iuniperus, cupressus, und dergleichen: und also auch alle semina, alle fructus und dergleichen. Unnd ist da zumercken, das in viel enden die quinta essentia auß zuziehen lautt von diesen dingen in vil ander weg, daß sie wolgeschmackt und subtil werden, lautter, unnd gantz dünn: derselbig modus ist kein extractio quintae essentiae, sondern ein magisterium auff das ding, durch das die quinta essentia ettlichs theils mit derselbigen vermischung herüber gehet, so ist es doch kein vollkommene quinta essentia. Dann der höltzer quinta essentia ist ein feiste, ein hartz, und ein dicke substantz, darumb es nicht in form der magisteria wirdt außgezogen. Dann auch das aus der ursachen: die quinta essentia terebinthi arboris heilt die wunden; so sie aber außzogen wirdt, wie gemelt ist von andern magisteriis, so heilt sie die wunden nit, sondern sie hatt den grund der quintae essentiae nicht in ihr. Dann die magisteria scheiden sich in dem gegen den quintis essentiis, daß sie allein nachgehen der complexion und vier elementen: das dann de quintis essentiis nit ist. Auch nemmen sie die quintam essentiam an sich spiritualisch, und nit in proprio esse materialisch, ut patet in capitulis suis.

Quintam essentiam außzuziehen von crescentibus

Crescentia seind die ding, die abfallen und wider wachsen, als kreutter und ihres gleichen: denselbigen außzuziehen ihr quintam essentiam ist auch in vil weg, durch ander zusätz: so soll sie doch ohn alle vermähligung anderer additionen außgezogen werden, also daß sie in ihrem geschmack, farben und gustu bleibt, und sich in demselbigen mehre, und nit mindere. Als der moscus, und ambra, und sibeta, so denen ihr quinta essentia außgezogen wirt, so merck, das ihr corpus stinckt, und nichts mehr soll, neque in gustu, in odore, nec natura. Also auch von andern allen zusetzen ist, de eorum quintae essentiae extractione. Und wiewol das ist, das muscus, ambra, und dergleichen, nicht gemeldt wirt in diesem capitel, auch sibeta: auß [H6,39] ursachen, dz wir sie sonderlich beschreiben, und hie de crescentibus reden, als von lilgen, spicken und foliis. ? Dieselbigen zu extrahiren, ist sein proceß also. ? Rec. die crescentes, wol gestossen, in einem standtner behalten, und gesetzt vier wochen in ein roßmist, darnach distillirt per balneum: demnach wider in ein roßmist gesetzt auff acht tag, darnach distillirt per balneum, so gehet die quinta essentia per alembicum herüber, und bleibet der corpus in fundo: unnd so mehr quinta essentia in fundo wer, so putrificirs noch mehr, unnd thue ihm als vor. Darnach so nimb das wasser, das distillirt ist, und setz ihm deß crescens wider zu, und per pellicanum digerirs auff sechs tag, so wirdt ein dicke farb darauß: dieselbig segregir auch per balneum, so gehet der corpus darvon, und bleibet die quinta essentia in fundo, dieselbig scheid durch den retortischen presser von faecibus, und laß die quintam essentiam digeriren vier tag, so ist sie in dem geschmack, safft, gustu, und virtute vollkommen, mit einer spissen substantz.

Quintam essentiam außzuextrahiren von aromatibus

Also wollen wir von den aromatibus auch in solcher gestalt die quintam essentiam außzuziehen zuverstehen geben, als auß bisem, musco , sibeta, camphora, und dergleichen: welcher weg ist am ersten, daß die quinta essentia soll gebracht werden in ein ander form, und die form soll darnach von ihnen gescheiden werden: und in dieser scheidung wirt erfunden die quinta essentia, und das also. ? Rec. ein mandelöl in ein glaß, unter das vermischt sein soll dz ding, und laß digeriren an der sonnen auff sein zeit, das alles zu einer pastur werdt: darnach so exprimirs durch von den faecibus. ? Nuh ist also das corpus geschieden von der quinta essentia, und ist allein das mandelöl in der quinta essentia, dasselbige betrachte zu scheiden also. ? Recipe vinum rectificatum, schütt ihn darüber, laß in digest stehen auff sechs tag. Darnach distillirs per cineres, so gehet der branntwein herüber, und die quinta essentia mit ihm, unnd bleibet das lautter oleum am boden von mandeln, ohn alle remanentz der quinta essentia. Darnach distillir [H6,40] diesen branntwein per balneum, so bleibt die quinta essentia am boden in forma olei, gescheiden von allen dergleichen.

Quintam essentiam zu extrahiren a comestibilibus et potabilibus

Von den comestibilibus zu extrahiren ihr quintam essentiam, die nit anders soll sein, dann in gleicher form, wie das ding ist: also mit ihm, das ist, mit der quinta essentia zu speisen, als mit fleisch: dann quinta essentia der comestibilium ist das best nutriment. Unnd wiewol da kein quinta essentia außgezogen mag werden, als wir am ersten haben erzehlt: so mögen wir doch quo ad suum esse, ihm suam quintam essentiam wol nemmen, in seinem werdt, unnd die geschicht also. ? Rec. das comestibile, und zerschneidts, unnd thueß in ein kannten wol lutirt, laß bulliren auff drey tag. Darnach was in der kandten ist, saig durch: dasselbig distillir per balneum, so gehet ein aquositet herüber: so dieselbig vergehet, so bleibt die quinta essentia am boden, das dann das aller höchst nutriment ist, als wir mögen setzen: unnd dem nutriment nach zureden, ein gleiche der quinta essentiae.
Aber von den trenckern zu ziehen, ist mannigfalt: doch ist das der modus, der bey uns für die quintam essentiam gehalten wirt. ? Rec. das so potabile ist, thue es mit aller seiner grobigkeit in ein pellican, laß digeriren auff ein monat in fimo equino, besser ein jahr, unnd mehr, so findst in dem pellican ein gedigerirts ding: dasselbige scheidt per balneum, darnach per cineres, darnach per ignem: so hastu drey quintas essentias: dann in potibus allen sind drey quintae essentiae, und das auß viel ursachen, das wir de generationibus eorum setzen. Und so die drey quintae essentiae also in sondern glesern behalten sindt, so laß die zwey hindersten mehr digeriren, und setz ad balneum mariae, so gehet noch mehr der ersten quintae essentiae herüber: darnach aber, so lang biß kein erste mehr gehet, so sind sie wol gescheiden.
Unnd wie wir jetzt dann gar kurtz den weg der extraction quintae essentiae angezeigt haben aller dingen, soll sich deß niemandt verwundern unserer kurtzen hand unnd federn: auß [H6,41] ursachen, das alles wol stehet. Dann unser schreiben dieser quintae essentiae ist so kurtz nit, die arbeit, so darauff geschehen wirt und soll, zeiget unser schreiben gründtlich und klar an. Dann es wer viel darvon [zu] schreiben, das wir in verdrossenheit tragen, und nit gedencken: dann daß die arbeit und ubung solchs alles wol anzeigt. Wz auch ihr groß tugent und krafft seyendt, so sie, als wir angezeigt haben, gemacht werden, wollen wir in unserm letsten buch verzeichnen, diß theils archidoxis, und also die quintam essentiam genugsam von allen dingen erzehlet haben, unnd weitters von den andern unsern archidoxis doctrinen reden. ? Und wiewol das ist, das viel vor uns de quinta essentia groß und viel mehr geschrieben haben, mit viel lehre: so erkennen wir ihr schreiben für kein quintam essentiam nit, dann das ursachen hat, wie wir in unserm anfang angezeigt haben. Als wir wol auch erfahren, das viride aeris für quinta essentia veneris gehalten ist worden, das nicht ist: sondern crocus veneris ist die quinta essentia veneris, also zuverstehen. Flos aeris ist ein transmutatz mit substantz, reins unnd subtils mit einander, und auß allen venerischen complexen gebracht, darumb es kein quinta essentia sein mag: aber crocus veneris ist, wie wir gelehret haben, die recht quinta essentia, dann dz ist potabile, und ist ohn etzung und ohn vermischung geschieden vom corpus, gantz subtil, und mehr subtil, dann wir schreiben, von minder redt wegen. Also auch ferrugo martis für quintam essentiam martis geacht worden ist, daß nit ist: sondern crocus martis, das ist, oleum martis: und von solchen mehr, setzen wir de transmutationibus nostrae philosophiae. Also soll verstanden werden de quinta essentia, das es nichts anders ist dann die scheidung der virtutum vom corpus, in der dann all tugent, artzney, und wesen ligt und ist. Was aber flos aeris sey, und flos martis, und ander dergleichen mehr, dasselbe wirt bey den magisteriis begriffen, folgt hernach. Also auch von den kreuttern unnd andern mehr zuverstehen ist, wie von den metallen. Und wiewol wir viel unnd schwer virtutes der quintae essentiae entworffen haben, so ist doch ihr wesen von uns das minst theil angezeigt: sonder wir haben allein anzeigung geben, in was weg sie verstanden werden, und zu dem minsten, was ihr groß tugent unnd krafft seind: damit wir [H6,42] mögen erkennen den grossen gewalt, so wir in unsern henden haben, so wir verstanden, den zu brauchen. Darbey wir mercken, warumb der mensch geschaffen sey, warumb alles in erden ihm underthenig sey, unnd kein böß, kein gutts, ohn ursach nicht ist, als wir de natura rerum lautter setzen. Dann dieser grundt gibt den glauben eins schöpffers, und seine trew in uns, als ein vatter auff sein kind: darumb wir ohn underlaß keinem andern spiegelfechten unnd clavellaten glauben noch folgen, sondern der natur, und der kunst in der natur nachleben, betten, wohnen, und den [lohn] darumb hie und im ewigen nemmen: und allein das glauben, das wir sehen, daß also sey, und nichts annemmen, das der natur nit zustehet, oder nit natürlich ist.

Finis quintae essentiae: libri quarti archidoxis.


Liber quintus archidoxis
Ex Theophrastia Paracelsi Magni

De arcanis

Also wollen wir vergessen den weg quintae essentiae, und von arcanis zuschreiben uns verordnen, dieweil unnd wir mehr von arcanis verstehen, dann von den krefften quintae essentiae, wie so ein weitter unterscheid do ist: auß ursachen, daß uns die experientz gibt solche anzeigung, und gewaltige wirckung, die uns zuerkennen gibt, welchs besser, welchs böser, welchs nutzer, oder minder sey: darumb wir mögen urtheilen ein artzney für die ander. So ist doch arcanum von den alten für ein quinta essentia gehalten worden, darumb, daß es so vil stercker gewesen ist, dann in grober substantz, mit solcher subtiler natur uber dz wunder natürlich zuerkennen, wie ihr achtung gewesen sein bey den alten, ein irrung: [H6,43] welche nit auß vernunfft, sondern auß mangel der practick kommen ist, das in ihnen kein endtlichs wissen gesein ist der unterscheidt, zwischen den hohen graden, sondern ein jeglicher hoher grad für ein quinta essentia gehalten ist: so theilet sich das nit allein in der practick, zu solches erkennen, sondern mehr in wirckung der artzney. ? So wollen wir vom ersten wissen, vor dem und wir de arcanis [reden], warumb es arcanum heist, und was arcanum sey: dieweil und es so ein trefflichen nammen haben soll, und billichen hatt: ursachets das, daß das allein arcanum ist, das uncorporalisch ist, und untödtlich, eins ewigen lebens, uber alle natur zuverstehen, und unmenschlich zuerkennen. Also in solcher gestalt von diesen arcanen zuverstehen ist, die gegen unsern cörpern uncorporalisch seind, und eins weitt ubertreffenliches wesens gegen unserm wesen, als weiß und schwartz: hatt macht uns zu verendern, zu mutiren, zu renoviren, zu restauriren, gleich den arcanen Dei, nach ihrer judicirung. Und wiewol das ist, das nit in disen unsern arcanen die ewigkeit ist, oder ein symphonia auff himmlisch: so seind sie doch wol himmlisch gegen uns zu rechnen, dieweil sie auffhalten unsern leib, und als mehr, dann der vernunfft möglich ist zugründen, in uns wunderbarlich wircken mit ihrem anzeigen. Also soll dieser nammen arcanum in der artzney zurechnen sein gegen unsern corporibus, als arcanum Dei gegen ihnen diesen arcanen zurechnen sind. Und wollen uns das nit beschemen zuschreiben, ein arcanum zusein, das mehr ist dann wir, und gewalt in uns hatt zu fristen unsers lebens, als dann dise arcanen thuend: und wollen dem unnützen geschwetz der götterischen knechten uns nicht bekümmern lassen, unnd uns gedencken, daß sie nicht mehr verstanden, dann ein blinder gesicht. Unnd also ist das eine arcanum Dei, das ist ein arcanum in seinem wesen: das ander ist arcanum naturae, das ist, ein arcanum der natur. Dann arcanum ist alle tugent des dinges, mit tausentfacher besserung: und mügen wol ohne forcht sprechen, das ist arcanum hominis, das ist, all sein verdienst und tugent, die er im ewigen behelt, als wir im andern buch diß archidoxis setzen. ? Darumb in zwen weg arcanum verstanden wirdt: das ein, perpetuum, das ander pro perpetuo: und was pro [H6,44] perpetuo gehört, schetzen wir gleich dem perpetuo, nach seiner achtung und praedestinirung.
Also zuverstehen ist von diesen arcanen, deren uns allein vier bekannt seind, bey unsern jungen kindtlichen tagen: von welchen vieren wir wollen diß libell ersettigen, und genugsam uns ein löblich memorial machen, so uns der höchst Gott unser menschlich fleisch zu den alten tagen wolt lassen gnediglich kommen, das wir dieser vier arcanen unvergessen werendt, und uns nit von unsern hirnschalen empfielen, darmit wir möchten unserm alter ein gütige milte ruhe setzen, trewlichen in Gott hoffen: unnd wollen ungezweiffelt sein, er werde uns, dieweil und er menschligkeit ihm hatt gehabt, lassen geniessen, und uns unser hoffnung gewehren.
Auff solche hoffnung heben wir an, und am ersten wollen wir uns unterrichten, was unterscheid zwischen den vier arcanen sey, und das in der arbeit, und in der kunst, und in der tugent seyend: darzu gehört uns zuerkennen, was ihr tugendt seyendt eins endtlichen beschluß, der ist also: Sie auffenthalten den leib in gesundtheit, vertreiben die kranckheiten, entledigen das trawrig gemüth, praeserviren von allem ungesundt, von kranckheit, und führen den leib biß auff sein praedestinirten todt, der dann kein ziel hatt, dann durch abnemmung der consumption, als wir de vita et morte setzen. Und wiewol wir jetzt haben die tugent in der gemein angesetzet, was ihr aller vieren natur sey, so haben sie doch in ihnen groß unterscheidt: also zuverstehen, das kein arcanum in form unnd weiß dem andern gleich laboriret, unnd solche tugent verbringet, sondern jeglichs mit sondern geberden.
So ist prima materia das erst arcanum, demnach lapis philosophorum, unnd das dritt mercurius vitae, tinctura das letzt, wie wirs dann in der ordnung mit ihrer practick erzeigen werden: melden wir allda unser fürnemmen der geberden der vier arcanen in ihrer wirckung.
Am ersten von prima materia, so mercken: dz prima materia gebiert sein praedestinirung, darauff es praedestinirt ist, gantz vom ersten ursprung, biß zu dem letzten, exemplificirt. Ein sahm der gibt das gantz krautt von ihm, mit allen newen tugenden, mit verzeren aller alten wesen, also, das die [H6,45] alt substantz, das alt wesen, die alt natur, da kein wirckung mehr hatt. Also wir de prima materia reden, dz wir von einem sahmen wachsen, wie das gewechs auff dem feldt, iuxta naturam crescitivam. ? In solchem anzeigen die prima materia in dem menschen die new jugent introduciert, mit verzehrung der alten: gleich als ein newes krautt von einem newen sahmen, und in einem newen sommer und jahren.
Lapis philosophorum, der dann das ander arcanum ist, hatt sein wirckung in einer andern gestalt und geberdt, und das ist also. Gleich wie ein fewr, das da außseubert, die beschissen und vermackelt hautt salamandrae, unnd sie rein unnd sauber machet, als ein newes gebornes: also der lapis philosophorum den gantzen corpus reiniget und seubert von allem seinem unflat, mit gantzen newen und jungen kräfften, die er zu seiner natur bringt.
Mercurius vitae zum dritten arcanen ist, erzeigt sein geberdt in seiner wirckung, gleich wie der eyßvogel sich mauset in jahrzeit, unnd mit newen federn zieret: also wirfft er auß von dem menschen die negel, die pilos, die hautt, unnd was von immunditia ist: machet sie von newem wachsen, und ernewert den alten leib, wie wir vom eyßvogel angezeigt haben.
Aber tinctura, dz im vierdten arcanen stehet, giebt sein geberdt gleich dem rebis, der auß silber goldt machet, und auß ander metallen: also auch die tinctura in solcher mögligkeit den corpus tingiert, nimbt ihm sein unwesen, sein ungeschickligkeit, sein grobheit, und wendet das alles zu dem leutteristen, und zu dem edlesten, und in das bleiblichst.
Wie solten wir hindan weichen, von der edlen medicin, und noch viel mehr von der philosophey? Dieweil wir die mögligkeit sehen, die uns allein den glauben giebt? Wann wir haben uns nicht gewehnet zuglauben, zu lernen, zu volgen, dem, das nicht durch die experientz und warhafftige practick mag bewehret werden. Wir verjehen das in diesen unsern arcanen, so Jesus am creutz, nicht hetten ein mitleidung mit ihm gehabt die sonn und der mond, da sie ihren schein verluren, und das gantz erdreich nicht erzittert hett, wie ein grausamlich erdbidmen, und die zeichen, die in seiner geburt geschehen sind, [nicht erschienen weren], in ihn gentzlich nit glauben woltend: [H6,46] aber das sehen und wissen gibt uns natürlich zuverstehen, das er Gott ist, unnd in die menschheit genommen ist. ? Also mögen wir auch sagen von diesen arcanen, die uns gläublich machen unnd zwingen ihnen biß in unsern todt nicht nachzulassen, sondern stricte et assidue nullis interpellantibus cessare diebus, neque eclipsis, nec lumen nos detrahit. Also darumb so wollen wir hernach setzen die practick unnd arbeit der vier arcanen, damit uns kein irrung einfall durch die zufell unserer jungen tagen, und in en arcanis hoffen und leben, und uns darinn frewen, als sich hofft und frewet unser ewig arcanum, in seim ewigen leben.

Vom arcanen primae materiae

Alß wir dann de prima materia erkleret haben ein genugsamen grundt, auß wem sie kommt, oder was sie sey: also wirdt verstanden, das die prima materia nicht allein auff die menschen gehet, also das sie allein dorauff gewidmet sey, sondern auch auff res creatas corporales, unnd das ist auff alles das, das vom sahmen wächst. ? Und wird alda ein quaest erfunden de prima materia, so sie soll in einem jedlichen creato corpore sein wirckung, wie wir haben angezeigt, verbringen: ist zuverstehen, das sie die bäum vor der feule behallt, die kreutter vor der dürre behallt, die metallen vor dem rost, gleich in ihren wesen, als von den menschen verstanden wirdt: unnd vom vieh auch wie vom menschen, ein einiger verstandt ist, also. ? Ein baum der da stehet auff seinem genannten altter, unnd geschickt ist täglich forthin zu faulen unnd zu verderben, nicht auß mangel der feuchte, noch seiner nutrimenten, sondern allein auß mangel seines eigenen brestens unnd defects in virtute propria: ein solcher baum durch sein primam materiam mag er ernewert werden, wie wir von der hautt salamandrae geredt haben, unnd wiederumb also auff das ander altter kommen, wie dann sein praedestinierung ist: unnd zum dritten, zum vierdten, und mehr, ihme solche krafft zu geben ist, also dz sein feule unnd verderben mit langer zeit erwehrt wirdt.
[H6,47] In gleicher weiß von den kreuttern verstehen sollt, die ein jahr alt werden, unnd sein praedestinierung nicht lenger dann ein jahr bleiblich: so mag durch die primam materiam desselbigen krautts, das krautt vor seinem rechten abdorren ernewert werden, das es grün und frisch bleibt, auff des andern jahrs altter: und zum dritten, zum sechsten unnd mehr. ? Unnd also vom vieh verstehen sollt, das ein altts schaff wiederumb mag restituirt werden in das ander alter, und erfüllt eins jedlichen jungen schaffs tugent, mit milch unnd wollen.
Also der mensch von einem altter biß auff das ander gebracht mag werden, in massen wie wir angezeigt haben. ? So ist in dem zu wissen, was prima materia in seinem wesen sey. In creatis corporeis insensatis, ist es desselbigen dinges sahmen: in creatis corporeis sensatis ists desselbigen dings sperma. Unnd ist das nicht zuverstehen, das die prima materia soll genommen werden, von deren dieß creatum gewachsen ist: sondern die prima materia, die auß ihm produciert wirdt, unnd generiert. Dann ein solche krafft ist in der prima, das sie nicht last das corpus kommen in die consumption, die von ihr gewachsen ist: sondern giebt dieselbig genugsam, unnd erfüllet die gantz notturfft. Dann der todt kommt allein auß verderben oder auß vergifftung der lebendigen geisten: diesselbigen seindt auß dem sperma unnd sahmen gewachsen, unnd ist ein gantz spermatica materia, darumb ihr mit einer solchen zu hulff kommen mag werden. ? Unnd dieweil sie ein solche hülff hatt, unnd ihr geben wirdt, so ist an ihr ein newes altter, unnd auß viel ursachen, die wir hie nicht melden, sondern in philosophia nostra declarieren.
Nuhn wiewol vonn auffenthaltung der kreuttern unnd bäum, unnd dergleichen, hie nicht geredt wirdt: dann wir uns allein hie auff die medicin humani corporis legen, und de arboribus und dergleichen, de transmutationibus setzen. Aber hie in parabeln zumercken ist, das seminis lavendulae quinta essentia, wann sie in die wurtzen urticae gossen wird, also das die wurtz mit ihr tingirt wirdt, das ander jahr stehet, wie das erst, und nicht verfaulet, biß das ander jahrzeit auß ist. [H6,48] Also auch die quinta essentia vom semine citoniorum, so sie in die wurtzen gossen wirdt citoniae, die citonien bäum, biß auff das endt das ander jahr grün bleiben, auch newe blüst, newe frücht gebend. Als quinta essentia cerasorum im zweyten alter, zweymahl kirschen tragen, eines sommers: dann ihr alter an den sommer kirschbäumen ist ein halber sommer, das ander halb theil, das ander alter wie vor. ? Als wir auch nicht allein de quinta essentia von der sperma reden sollen, sondern von dem arcano spermatis, auß dem noch viel mehr wunder entspringt, auch in solcher gestalt wie wir angezeigt haben.
Also wollendt wir jetzt von der practick declariren, den proceß. Am ersten, das er in leutten unnd vieh gleich ist: zum andern, dz er allein auß der materia prima soll gemacht werden, welchs proceß und weg also ist. Rec. de prima materia in flaccum, laß digeriren in digestorio resoluta auff ein monat: zu welchem hernach setze die additz monarchiae, in aequale pondus, laß also digeriren in eim, auff den andern monat: nach dieser digestion rec. die materien, und distilliers per [campanam?] herüber, unnd was herüber gehet, dasselbig ist arcanum primae materiae, von dem wie geschrieben haben. Unnd laß sich niemandt verwunder deß kurtzen wegs, unnd der kurtzen begriff: dann viele viel irrung macht.

Vom arcano lapidis philosophorum

Unnd wiewol wir deß lapidis philosophorum kein anfenger seind, auch kein ender, noch kein geübter darinnen, das wir möchten denselbigen nachreden, wie wir darvon gehört und gelesen haben. Darumb so wir im selbigen kein wahrhafftig wissen nit tragen, lassens wir auß denselbigen proceß, und volgen nach unserem, den wir in unserer ubung und practick erfunden haben. Und heissen ihn lapidem philosophorum, darumb, das er demselbigen gleich tingiert in corpore humano, wie sie dann von dem ihren schreiben: unnd nicht darumb, das er nach ihrem proceß gemacht sey: dann wir denselbigen am minsten verstehendt unnd erkennen. [H6,49] So lassen wir auch hie in dieser practick stehen den proceß seiner wirckung: Dann wir ihn vormahls gemeldt haben im anfang dieses libells, da wir reden, in was krafft und geberdt er sein wirckung hab. So ist doch weiter zu mercken, das sein ingression durchgehet und durchdringet den leib, unnd alles das im leib ist: durch welch durchdringen er restaurirt und ernewert dasselbig. ? Nicht das es dz alt hinweg thue, und ein newes an die statt setze: oder das es wie die prima materia, die spermatisch arcanen eingüsse: sondern es macht das alt also sauber und rein wie ein salamander mit seiner hautt gereiniget wirdt, ohn allen schaden unnd faulen, und bleibt doch allemahl die alte hautt, in ihrem wesen unnd formen. Also auch lapis philosophorum der ist, der also das hertz reiniget und die hauptglieder all: darzu dz geäder und marck, und was darinn begriffen ist, das kein macul in ihnen erfunden werd, von keiner ungesundtheit. Dann da weicht podagra, hydropisis, icterus, colica passio: und alle ungeschickligkeit der 4. humores leuttert es, als ob sie gleich sein der ersten geburt. Dann ihm weichen alle die ding, die die natur understehen zuverderben: wie die würm dz fewr flihen, also fleucht auch die kranckheit und ungesundtheit diese ernewerung.
Nuhn auß was ursachen dieser lapis in solchen kräfften ist, dz er so viel seltzamer und wunderbarlicher kranckheiten soll vertreiben, dz er dann nicht thut auß seiner complexion, oder auß seiner forma specifica, noch auß seiner proprietet, oder auß ander accidentalischen natur: sondern er thut das auß krafft der subtilen practick, die in ihm gebraucht wirdt mit praeparationibus: darnach reverberationes, darnach sublimationes, darnach digestiones, darnach separationes, darnach destillationes, darnach mancherley reductiones und resolutiones, die alle diesen lapidem in solchen kräfften bestetten und scherpffen. Nicht das ers anfenglich gehabt hab, sondern daß ihm erst geben wird. ? Als gleich zu verstehen ist in einem honig, dz elevirt wird, scherpffer ist dann kein aquafort, kein corrosiv, kein sublimat: nuhn komme ihm die proprietet nit auß seiner natur, dz es also scharff sein soll oder sey, sondern sie kommt ihm auß dem eleviren, die dz mel also verendert, das es zu einem corrosiv wirdt. ? Also in solchem kräfftigen arcanen ist zuver= [H6,50] stehen, dz darnach die, die es gebrauchen, so von denen kinder geboren werden, hernach in solcher gesundtheit leben, dz in ihren cörpern kein kranckheit, kein wiederwertigkeit, noch nichts deßgleichen mag erstehen, und also subtil und rein von natur, complex und arth geziert werden, das edler complex zusein nit möglich ist. Dann ein solche außerwelte artzney, die den corpus also treffenlich enthelt und reiniget, und ihn so in ein gantz unzerbrechlichs leben führt und bringt, mag nit müglich sein, dz sie laß denselbigen vermelget werden, noch auch das, so von ihm kommt, sondern in solcher adligkeit lebt, und die proles hernach biß in dz zehendt geschlecht. Wie der lapis philosophorum nit allein ein gewicht transmutiret, sondern dasselbig mehr ander gewicht, und deren ein jedlichs gewicht aber mehr deß anderen, dz fürwar schier alls ohn end wird: wie ein leicht dz ein anders entzündt, und dasselbige widerumb ein anders.
Also auch von diesem lapide hie zuverstehen ist in der gesundheit: gleich wie von eim gutten baum gutt sahmen wachsen unnd zweyg, von denen wieder gutt bäum wachsen. ? Dann die krafft lapidis philosophorum erhebt sich so seltzam, und wunderbarlich, das kein ergründen do ist, wie sich solchs natürlich mag erheben. ? Unnd so also gewisse warzeichen nicht da entgegen stünden, die mit den augen gesichtig würden: wer nicht zuglauben, das solche krafft den götterischen müglich were zuthun. Dann sein tugendt gehet in geschlecht zu geschlecht, hafftet an ohn zerstörung, so der göttern gnad allein in einem cörper stehet, und den andern nach ihrem verdienst genommen, oder verhengt wirdt.
So wollen wir also unsern proceß unnd weg deß lapidis philosophorum ansetzen, also. Rec. [Facsimile Husers: l...tis iiij ?] und separir darvon purum ab impuro: demselbigen nach laß reverberieren usque in albedinem, die sublimir durch den salmiax, so lang biß sichs resolvirt: das calcinier und resolvir wieder. Demnach setz es in ein pellican, laß digerieren auff 1. monat: das coagulier ein an ein corpus, das verbrennt nimmer, und verzert sich auch nicht, es bleibt auch unverwesen: die corpora die es durchgehet, seind per cineritia bleiblich, und ist in ihnen kein schwinen noch alteriren: nimbt all minder wesen hinweg in sensibilibus und in den insensibilibus, [H6,51] als wir dann erzelt haben. ? Und wiewol wir ein kurtzen weg gesetzt haben: er reicht aber ein langwirige arbeit an, mit viel umbstenden, und bedarff eines unverdrossenen und wolerfahrnen arbeitters, mit guttem fleiß.

Vom arcano mercurii vitae

Also wollen wir vom arcano mercurii vitae weitter schreiben, deß tugendt die andern drey ubertrifft: so ist doch dieselbig tugent nicht auß der arbeit, noch auß der kunst, sondern in mercurio vitae, in dem solche tugendt und kräfft seindt: unnd dergleichen erkennen wir kein anders simplex, das ihm doch möchte gleichen. Dann sein natur unnd eigenschafft ist also ihm eingeboren: nicht auß krafft quintae essentiae, noch der elementen, sondern auß der specifica, die es von der praedestinierung hatt. ? Und nicht das es die tugendt allein hab, zuverwandlen die menschen unnd andere sensibilia: sondern auch zu ernewern die metallen in ihrem altten wesen, zu einem newen wesen, deßgleichen die gewechs: und das in solcher gestallt, das mercurius vitae das eisen macht wiederumb in sein ersten materien, unnd perficierts wieder in sein perfectam materiam, das wieder eisen drauß wirdt: also erjüngert ers, unnd perficierts wieder. Dann also jungert es auch das goldt, macht dasselbig wiederumb in sein ersten mercurium unnd tinctur, unnd digeriert das wieder in goldt, das wieder ein metall, gleich dem vordern, drauß wirdt. Also nicht allein in denen metallen, sondern in allen andern. ? Also in solcher gestalt es auch in den kreuttern wircket, so ihr wurtzen damit begossen werden, zu dem andern mahl blüendt unnd frucht geben: also so der erst sahm hinab ist gefallen, so der mercurius vitae als dann darzu gebrauchet wirdt, so blüendt sie noch mehr, unnd tragen denselbigen nach mehr frucht, ohne bedenckung der zeit. ? Also auch in gleicher weiß von dem vieh zuverstehen ist: als im menschen unnd andern, so der mercurius vitae gebraucht wirdt, so ernewert es alle die glieder, die in einem alten verzeret seindt, unnd in eim jungen wohnen: bringt alle verlorne krafft wieder, als inn den alten frawen wiederumb [H6,52] das menstruum kommt, und blüest, als in den jungen, und den alten ihr natur in massen wie in den jungen, volkommen ist. Nuhn ist weiter zuverstehen von dem arcano mercurii vitae, das sein krafft also starck in der forma specifica ist, das sie scheidt dz alt und das jung von einander, und mehret dz jung: dann da auß dem wirdt erfunden, das der jugendt und der jungen krafft in den alten nicht gebrist, sondern gleich so wol in den alten ist als in den jungen: aber die corruption die dann neben der jugendt wechst, wirdt also starck, das sie der jugent ihr muht unnd krafft nimbt, unnd also auß dem das alter erkennt wirdt. ? So nuhn diese corruption gescheiden wirdt von der jugent, so ist die jugendt wieder offenbar, ohn feindtschafft unnd impedierung. Gleich zuverstehen, als wann ein corpus [al. cadaver] ligt und faulet, so ist doch die quinta essentia nicht gefaulet, sondern sie ist frisch, und unverzehrt, und scheidet sich hinach von dem cadavere in die lufft, etwann in das erdtrich, etwann in das wasser, also das sie in ein ander orth kommt. Dann in keiner quinta essentia ist kein verderben, do groß wunder zumercken ist, als wir de corruptione und aeternitate setzen. ? Also ein rosen die verfault ist in einem mist, hatt in ihr, oder im mist, ihr quintam essentiam: wiewol es alles stinckt und fault, noch in der separation puri ab impuro, so ist die quinta essentia lebendig ohn alle macul, und der corpus ein fauler stinckender cadaver. Also wir setzen de mercurio vitae, das er scheidet die faulen corruption hindan, wie das faul von einem holtz geschnitten wirdt: also kräfftig ist er in dem menschen. Unnd so also das faul hindan kommt, so rüert sich die quinta essentia wieder, unnd lebt wie in ihr jugendt. Uns sollt uns also verstehn, nicht das der mercurius vitae ein new quintam essentiam macht, wie von unser meinung möcht geredt werden und experientz: sondern allein, dz die essentia und junger spiritus, auß dem jung krafft kommt, bleibet ohnverzert, aber allein das sie untertruckt wird und für todt geacht: darumb dann mercurius vitae dz impurum hindan thut, darnach so lebt dz allt jung leben wieder in krafft wie vor, als wir vom eyßvogel angezeigt haben, der sich nach seim todt mauset, unnd renovieret: auß ursachen, das sein essentia nicht weicht von seiner herberg: und deßgleichen so die feule die herberg [H6,53] zerbräch, so gehet die quinta essentia in das, darauff es ligt. Darumb zum dickern mahl ein seltzame natur erfunden wirdt in dem gewechs: das nit auß ihrer natur kompt, sondern auß solchen zufällen, als wir de generationibus setzen. Dann das also zuverstehen: in dem mist ist mancherley feuli beyeinander von viel dingen zusammen gesammlet, von kreuttern, von wurtzen, von obs, von wassern, und deßgleichen von andern dingen: auß dem entspringt, das vom mist gutt acker unnd matten werden, feist, fruchtbar: und nit, daß die feule ein solchs macht, sonder die quinta essentia die in ihr ist, schliefft in die wurtzen, und gibt die krafft dem gewechs: und der corpus, dz ist, der mist, verleurt sich, und gehet in nihilum, und wirt in seiner substantz verzehret. Darumb menschendreck in grossen tugenden ist: dann da sind viel edler essentien inn, die da von der speiß und tranck werden, darauß groß wunder zuschreiben weren. Dann der corpus nimpts nit an die essentien, allein das nutriment darvon, als wir de nutrimentis schreiben. Darumb so wöllen wir ad praxim gehen, mercurii vitae, der dann, wie wir erzehlt haben, mit grossem wunder sein werck vorbringet: macht abfallen die nägel, an fingern und zehen, treibet auß die wurtzen des grawen haars, und sterckt die jugendt, daß die corruption mit ihrer elti, grawe, kein erzeigen mag haben, und nit mag erfunden, noch wider ersehen werden, biß in das nachgehend alter. Also wollen wir practicam anheben, und mit den alchimisten reden, denen wir nit viel schreibens bedörffen, unnd lange predig zu thun: und außschlagen die ungeschlachten praetensores unnd insipientes: und ist der weg mercurii vitae also. ? Rec. mercurium essensificatum, denselbigen separir von allen seinen uberflüssigkeiten, dz ist, purum ab impuro: darnach sublimir ihn mit antimonio, dz sie beyde auffsteigen, unnd eins werden: darnach solvirs auff dem marmel, und coagulirs zu dem vierdten mal: jetzt so hast mercurium vitae, wie wir ihn angezeigt haben, deß wir uns in unsern alten tagen wie eins arcanen trösten wollen.

Vom arcanen tinctura

Also soll auch von dem arcano tincturae verstanden werden, dasselbige nimpt hin alles unbequemes alter, und alle un= [H6,54] gesundtheit, und alles das do die gesundtheit zerbricht, und wider das gesundt gemüth ist. Und ist zuwissen, das diß arcanum ein tinctur ist, die dann ein sunder geberd hatt, unnd eigenschafft an ihr, dardurch sie also wircket, unnd die gesundtheit bringt und macht, und nicht in gestalt wie wir von den andern dreyen haben angezeigt. ? So die wirckung tincturae, wie der namm, tinctur, an ihm ist. Dann tinctura tingirt böß und guts, grobs und subtils: also auch diese tinctur thut in dem leib. Ihr operatz ist in diser gestalt, daß sie auß den faulen, bösen, und ungesunden complexen, gutt und gesund complexen machet: als ein tinctur, die auß kupffer, silber macht, scheidt kein böß vom gutten, sondern tingirt gutts unnd böß, daß [sie] finaliter einander gleich werden. Also diese tinctur tingirt auß dem hydropischen cörper, unnd icterischen, ein gesunden cörper. Nit das der ursprung hydropisis wirt außgetrieben, oder gescheiden von dem gutten, sondern er wirdt zu guttem gemacht, wie dann dasselbige sein soll in seiner besten gesundtheit. ? Wie dann ein mist der faull ist, mag gebracht werden durch subtilisch arth in ein elixir, dz alle feuli vertreibt: wiewol er doch nit gescheiden ist von der feule, sondern die gantz substantz ist transmutirt in ein anders wesen unnd natur. Also sollen wir verstehen von diser tinctur, daß sie den corpus tingirt, ohn alle außtilgung des ersten wesens der menschen, sondern dasselbig alles ernewert.
Nuhn ist auch zuverstehen, daß dieser tingirter cörper, nit in gestalt der alten gleichnuß weitter lebt: als ein metallen, das zu einem andern gemacht wirdt, wie eisen zu kupffer, und dergleichen bley, hatt nimmer sein alts wesen, sondern das wesen der tinctur. Also auch das wesen der tingirten cörper zuverstehen ist, die dann die natur fürhin an sich nemmen der tinctur, und nimmer des alten lebens, darauß er tingirt ist geworden: sonder nach viel edler und besser unnd gesünder ist sein leib unnd gestalt, dann sein alt herkommen geburtlich wesen: wie die natur des goldts ist, das auß eisen gemacht ist, als wir de transmutationibus setzen, zuerkennen ist.
So also die wirckung der tinctur also ein verkererin ist zu dem bessern, wie die tinctur der metallen ist, das wenigen [H6,55] zuverstehen ist, und wissendt: so ist zuverstehen, daß die tincturen viel seind: als auch viel der metallischen tincturen seind, also seind auch viel der cörperlichen tincturen, da je eine besser dann die ander ist: also die unterscheid auch in den corporalischen zuhalten ist und zumercken. Auch das ettliche tincturen von natur tincturen seind, als crocus, flos und sulphur: ettlich auß kunst zu tincturen gemacht werden, als lapis, realgar, unnd dergleichen: das dann hie in diesem arcanen zuwissen und zuverstehen ist, dann an demselbigen ein grosser anfang ligt. Und ist zumercken auch, das ein solche tinctur soll geschehen auff sieben glider, auß sieben tincturen, einem jeglichen sein eigenschafft zuzufügen und geben. Als zum hertzen, die da zum hertzen dienen, und zum hirn, die do zum hirn diene, von metallen und kreuttern, und wz propria also sind: so wirdt durch das der gantze leib tingirt, und ist nit genugsam durch eins allein, sondern durch alle. ? Wie ein tinctur allein ein metall tingirt, die ander den andern: also soltu uns hie auch verstehen. Und ist die practick also.
Rec. deren glider essentiam, unnd separir davon die element: unnd nimb das fewr, dasselbig laß in der digestion stehen, so lang, biß es sich elevirt, also das nichts am boden mehr ligt, und auch kein materia ersehen werde substantialisch darvon. Darnach nimb die materiam mit [dem] glaß also zu lutirt, luto Hermetis, und setz in locum frigidum et humidum, so resolvirt es sich wider zusammen an ein materiam visibilem: dieselbige materia visibilis ist die, von [der] wir jetzt geschrieben haben. Und beschliessen also mit einer kurtzen redt: dann so wir ein mehrer schreiben darvon theten, würd es stoicis ein gespött sein, des wir entberen wollen, und allein den alchimisten geredt haben.

Finis libri quinti archidoxis ex theophrastia, de arcanis

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last updated 28.06.01 Urs Leo Gantenbein