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H1.01 Paracelsus: Volumen Paramirum
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Theophrastus of Hohenheim, called Paracelsus
Volumen Medicinae Paramirum

Contents:

[H1,1]

Volumen Medicinae Paramirum Theophrasti,
de Medica Industria

Textus paramiri Theophrasti H. ad medicam industriam

Libellus prologorum primus

Numerus I. Prologus primus.

Du sollt wissen, daß alle kranckheiten in fünfferley weg geheilt werden: unnd heben also an unser artzney bey der heylung, unnd nit bey den ursachen, darumb, das uns die heylung, die ursach anzeigt. Auff das geht unser argument, das fünfferley heylung sind: dz ist als viel geredt, als das fünfferley artzney sind, oder fünfferley künst, oder fünfferley faculteten, oder fünfferley artzet: unter denen fünffen ist ein jegliche, ein genugsame facultas der artzney, alle kranckheiten zu heylen. Wann [H1,2] in fünff weg, wie angezeigt ist, werden fünfferley faculteten der artzney erfunden, da ein jedliche für sich selbst soll haben den gradum eines bewerten artzts, und eines genugsamen artzets, und eines kunstreichen artzts, zuheilen einen jeglichen zufall, kranckheit, und siechtagen, in beyden artzneyen, alß desselbigen gradts, der fünfferleyen faculteten einer, allein genugsamer artzt. ? Und in welcher facultet einer den gradum lernen, erfahren, erkünden, und bewert will haben, als einer der sich deß gebrauchen will: (uber das, das er ansehen soll sein seel, unnd des krancken lieb,) soll er geflissen sein, das er seiner facultet ein wolergründter mann sey: auß ihm selbst mehr erfaren, dann auß dem krancken: unnd den grund in ihnen setzen, und nit [in] das subiectum, das blindt vor ihm ligt: unnd nit von einer in die andern fallen, umbwancklen, als die unergründtnen in ihnen selbst, und sich selbß zweiffelhafftig stellen. Wann ein jedliche facultas ist für sich selbst ein genugsame theoric, practic unnd physic, genugsam zu den ursachen: deßgleichen zu der heilung derselbigen. ? Damit wollen wir beschlossen haben den eingang unserer ersten artzney beschreibung und eröffnung.


Numerus II. Prologus secundus.

Wie die vorbemelten wörter anzeigen fünfferley faculteten der artzney, und daß ein jedliche facultas ohn die ander ist und sein mag, und ein jedlicher ein genugsamer artzt in beyden artzneyen auff alle kranckheiten: so merckt, das wir nit derförmig reden, auff fünfferley heilung, fünfferley ursach aller kranckheiten: sondern wir beschreiben fünfferley heilung, da ein jedliche deren dient auff alle ursachen der kranckheiten, wie dann hernach folget. ? Anfenglich, so du wilt ein artzet sein, gedenck, daß ihr zweyerley seind: der leibartzney, und der wund. Nicht auß der ursachen, als zween ursprüng: sondern auß ursachen der zweyen theylung, die ein jegliche ursach in ihr selber hatt. Wann febris unnd pestilentz haben ein ursprung, aber er bricht sich: ein theil gehet in die feule der inwendigen, als febres, und gehört dem leibartzt zu: [H1,3] der ander theil gehet in die pestilentz, das ist, in den centrum zum außgang. Durch ein solchs anzeigen verstand ein grund, zuerkennen beyde stendt der artzeten. Ein jedliche kranckheit die vom centro gehet in die weitte, ist zugehörig dem physico: aber die von weitte in centrum gehet, die ist zugeschlossen dem chirurgico. Dergleichen auch mercket: was zu den emunctorien begeret, nach verordneter natur, das ist alles physisch: was aber die unnatürlichen emunctoria sucht, das ist chirurgisch. Auch was sichtige stedt sind der kranckheiten, das ist ein wundt: was unsichtig ist, das ist deß leibs. Also theilen sich die stendt der artzeten. ? Aber wie sich die secten der artzeten halten, ist mehr auffmerckung zuhaben. Wiewol sie in stendt geheilt sind: aber der secten seind fünff, und heilen in fünff weg: fünff seind auch der ursachen aller kranckheiten ursprung, aber nur ein sect darauff: das ist, das ein jedtliche sect, oder was einer für ein sect ist, der soll wissen die 5. ursprüng. Aber, der heilung nach, sind fünff secten: dem verstande nach, auff wissen der ursachen, nur ein secten. Dabey wöllen wir beschlossen haben die stendt der artzeten.


Numerus III. Prologus tertius.

Wie also fünfferley artzet werden erfunden, unnd auch sein sollen, als in den faculteten, als die fünff secten: und also sind sie getheilt von einander, das kein sect procedirt der andern gleich: unnd ein jedliche sect genugsam ist, die fünff ursprung aller kranckheiten zuheilen, die ein jedliche sect alle fünff für sich selbst undter seiner cur wissen soll: so merckt am ersten der fünff secten nammen, darnach so wöllen wir weitter der artzney nachgründen, so diß praeambulum auß ist.

Die erst facultas oder sect heist, naturales: auß ursachen, sie artzneyen allein nach der natur deß gewechß, wie die concordantzen zusammen stimmen, alß kalt mit warmen, feucht mit trucknem, die völle mit außleerung, nüchtere mit anfüllen, und dergleichen, wie die natur ein jedtliches durch sein widerwertiges lernt vertreiben. Dieser secten sind gewe= [H1,4] sen Avicenna, Galenus, Rasis, und ihre außleger, und dergleichen. ? Die ander sect heissend specifici: auß ursachen, daß sie durch formam specificam und durch ens specificum, heilen alle kranckheiten. Als ein exempel: der magnet zeucht eisen an sich, das er nit thut, auß der natur seiner qualiteten, allein specifica. Also heilen die artzet alle kranckheiten, in der cur specifica. Derer sind gewesen die experimentatores, und die ihr nennet empiricos, von wegen ewers gespötts: und alle naturales, auß ursachen, daß sie purgiren, das auß forma specificam kompt, und naturalibus nit zustehet, fallen von einer sect in die ander. ? Die dritten heissen characterales: auß ursachen, durch ihr character machen sie alle kranckheiten gesundt, wie ihr libell außweist, und ihr cur: in solcher krafft, als wann einer eym gebeutt zulauffen, und der laufft, das geschicht mit dem wort: also ist das auch durch das wort, das ist ein character. Und ihr anfenger sind gewesen, unnd gebraucher, Albertus Magnus, astrologi, philosophi, und deren vil mehr. ? Die vierdten heissen spiritales: auß ursachen, daß sie die geist der kreuttern und wurtzen gebieten und gezwingen können, den krancken zu erledigen, den sie gefangen haben und krenckt. Als wann ein richter ein in stock legt, so ist er allein sein artzt, wann, der stock ist sein, und der schlüssel sein, er mag auffthun. Also zugleicher weiß die gebundenen krancken, durch die kreutter geist, also entlediget werden, so derselbig geist erfault oder verzert wirdt: wie sein libell hernacher anzeigt. Deren secten sein viel, deren nicht nammen ist, als Hippocrates und andere. ? Die fünfften heissen fideles: auß ursachen, daß sie die kranckheiten durch den glauben gesundt machen, alß der da glaubt der warheit, und wirdt gesundt: als Christus und sein jünger gethan haben. Von solchen secten werden fünff beschluß bücher hernach folgen, da wir euch underrichten wöllen, sie baß zuverstehen.


Numerus IIII. Prologus quartus.

Wie wir euch anzeigen, fünff beschlußbücher zuverordnen, auff die fünff secten: theilen wir dieselbigen in zween theil: ein in die practic des leibs, und den an= [H1,5] dern in die practic der wunden: unnd mit ihren canonibus verzeichnet, und paragraphis. Aber diese praeambel und praesagia, setzen wir bedeutlich auff sie beyde, keim standt zu entschlahen ein. Aber vor dem und wir euch die fünff bücher anheben, wöllen wir euch artzeten in beyden stenden, und in allen secten, anzeigen ein parenthesin, der gescheiden soll sein als durch ein parenthesis, den wir euch nennen parenthesin medicam: unnd soll stehendt zwischen den jetzt treibenden vorreden, und den fünff büchern des beschluß: wirdt in keines gehenckt werden, noch keim theil zugeeignet, sondern für sich selbß gantz eigen stehen. ? Dieser parenthesis wirdt euch anzeigen aller kranckheiten ursprung, von wannen sie kommen, den ein jedtliche sect der artzeten wissen soll und verstehen: als dann hat er sein freyen willen an sich zunemen unter den fünff secten welche er will, und die gebrauchen auff den grundt, wie er verstehet den ursprung der kranckheiten, nach außlegung dieses parenthesis. Dieser parenthesis ist euch anzeigen aller kranckheiten ursachen: darumb er billich fürtritt die fünff beschlußbücher, auß der ursachen, das die heilung soll ein ursach haben, das ist, ein wissenden mann, uber das, darauff sie gebraucht wirdt. In diesem parenthesi werden fünff theylung werden, und genennet tractat: und auß der ursachen werden ihr fünff werden, das fünff ding sind, auß welchen all kranckheiten entspringen: und ein jedlich tractat wider in sein außtheilung gefürt durch capital, damit dester leichter der grundt der ursprüngen verstanden werde, alle zufell, kranckheiten, und all ihr geschlecht, und daß, von wannen sie kommen. Unnd das wird alles beschehen in zwifachen capiteln, nach dem verstand auff beyde stend der artzney, in allen secten, einander nachfolgen, und von einander gescheiden durch regulas: und das end der fünff tractaten ist das end des parenthesis, seiner capiteln, regeln: und als dann fahen an die fünff beschlußbücher des grundts der heylung in den fünff secten.

[H1,6] Liber prologorum secundus.

Numerus V. Prologus primus.

Also wöllen wir unser vorred füren in dem parenthesi. Anfenglich, ermanend wir euch leib unnd wundartzet, das ihr euch nit gedencken sollet, so ihr leset unser parenthesin, auß welchem ein recht artzt geboren wird, das wir in eweren büchern leer seyen, oder unerfaren, darumb, das wir nit eweren pflug ziehen. Wir entschlahen uns deß, wann uns mißfalt ewer stylus, practic unnd ursach, als der irrenden und unerfarenden: als wir mehr in nachfolgenden melden werden. Darzu ursachen uns ewer wenig zeichen, und die viele der krancken, die sich ewer aller erwehren, denen ihr hülff abschlahend. ? Und wiewol ihr gründet und referirt euch auff die geschriebene artzet, chaldeische, arabische und griechische: will uns spöttlich ansehen. Dann ihr schrifft weisen, daß ihnen mit ihren krancken gleich gangen ist, wie euch mit den eweren, deren die mehrerzall stirbet. ? Ihr solt euch deß nit gedencken, das ihr durch ihr geschrifft, uns wolt reprobiren, straffen, oder vernichten: dann ihr habt ihr kein grundt. Ihr solt auch nit gedencken, daß sie wider uns lautten: mehr mit uns: dann wir lassen in unsern viel auß, das wir zu ihnen weisen, und zeigen auff sie, als auff die rechten. Das geschicht aber allein in secten naturalibus: unnd was wir da reden, das dienet auff die naturalisch sect, darinn ihr euch empört als die hochgelerten: darneben verwerffen ihr die andern secten all, deren 4. sind, und gedenckt euch nit, das ihr sie nit verstehend. Und ob schon ihr in ewern libellen nichts ad proposisitum finden, das [sich] darzu reimpt: so wissen, das Hippocrates mehr einer spiritualischen sect gewesen ist, dann naturalischen: wiewol er nichts meldung thut. Der Galenus ist mehr ein characteristischer artzt gewesen, dann naturalis, deßgleichen von andern. Solch faculteten und heimligkeiten mögen [H1,7] magnalia artis geheissen werden, und nidergetruckt: der lang weg herfür bracht, den ihr kewen und ruminiren.

Numerus VI. Prologus secundus.

Aber wie wir euch anzeigen den parenthesin, in welchem alle gründt des artzets ligend, auch der grund Avicennae, Rasis, Averrois, Hippocratis, Galeni: solt ihr auff beyde stend verstehen, im leib unnd in der wunden, das in ihm die gantz theoric, und die gantze practic in ihm begriffen, zuerkennen alle kranckheiten, unnd ihr artzney: wöllen wir ein kurtz außlegung setzen, also. ? Dieser parenthesis hat fünff tractat, unnd eines jedlichen tractats subject ist ein ens. Auff das merckt, dz fünff entia sind, die alle kranckheiten machen und geberen. fünff entia, bedeuten fünff ursprüng: das vestand also fünfferley ursprüng seind, auß welchen ein jedlicher ursprung, alle kranckheiten zumachen hat, gewaltig dieselbigen zugeberen, so viel kranckheiten je und je in der welt gewesen sind, und noch sind, und werden. Auff welche entia ihr artzet ein auffmercken sollet haben, das nicht alle kranckheiten von eim ens herkommen, oder auß eim grund: sondern das fünff stück, das ist, fünff entia [sind] da auß eim jedlichen alle kranckheiten zukünfftig sind. ? Deß mercken ein exempel. Ihr habt ein kranckheit für euch, als pestilentz: nun ist die frag, warauß sie komm? Ihr gebet mir die antwort, sagt, auß zerbrechung der natur: jetzt redet ihr als die naturales. Aber der astronomus sagt, das der lauff des himmels ein solche macht. Nun, weders ist war? Ich sag also ein beschluß, das ihr beyde recht habt: auß der natur kompt eine, auß den astris kompt auch eine: unnd noch auß dreyen stücken. Dann natura ist ein ens, astrum ist auch ein ens. ? Ihr solt also wissen, das fünfferley pestilentz sind: nit geredt auff ihr natur, wesen, form, oder gestalt: [sondern] auff ihr herkommen, wannen sie geboren werden [sie] seyen darnach wie sie wöllen. Also reden wir, das unser leib, 5. entibus unterworffen ist, unnd ein jedlich ens alle kranckheiten unter ihm hat, und gewalt mit ihnen uber unsern leib. Dann es seind fünfferley wassersucht, [H1,8] fünfferley gelbsucht, fünfferley fiber, fünfferley krebs, deßgleichen von andern.

Numerus VII. Prologus tertius.

Wie also fünff entia euch erzelt sind, so mercken ir artzt was für ein ens erkennet wird. ens ist ein ursprung oder ein ding, welchs gewalt hatt den leib zu regiren. Aber ihr halt euch also, unnd irrend in dem gegen uns, das ihr setzet, das alle pestilentz auß den humoribus entspring, oder auß dem, das im leib ist: da ihr fast irrend. Gedencken an das, was das sey, das den leib vergifft: und nit, wie der leib vergifft da ligt. ? Gedencken euch nit, das alle kranckheiten, oder eine, auß dem leib allein selbst kumm: es muß der leib entzündt sein, oder etwas das ihn ursachet auff solches: wann er gibt ihm selber nit ursach, zu keiner kranckheit. ? Auff das schreiben wir euch, das fünff stück seind, die den leib verderben, unnd ihn ursachen zu kranckheiten: denen er nit widerstreben mag, sondern sich muß von ihnen lassen krencken, als die, die da gewalt uber ihn haben im leib, den zukrencken nach ihrer art. ? Unnd ein jeglichs ens ist also, das ihm underworffen seind alle kranckheiten: nichts außgenommen. ? Darumb fünfferley fewer sind uber den leib: wann der leib muß warten, welchs fewer ihn betrett, und ihm ein kranckheit mache. ? Darauff soll der artzt gedencken, so er ein paralyticum hatt, welches fewer, welches ens, das paraliß geboren hat. ? Dann ihr seind fünff, als alle kranckheiten seind: stehend in fünff ursachen, das ist, in fünff ursprüngen. Und welcher artzt das nit versteht, der ist ein blinder: dann keins nimpt eins andern cur an.


Numerus VIII. Prologus quartus.

Wie wir anzeigen thund von den fünff entibus, so ist jetzt das nechst, die entia zuerkennen. Unnd ob schon die alten unsere vorfordern, so sie widergeboren würden, in unsern artzneyen sich würden verwundern und befrembden, soll uns der minst kummer sein: aber ihre recept wöllen [H1,9] wir nit endtsetzt haben, sondern außklauben den kern aus ihnen. Auff anfang des parenthesis, damit wir die libell prologorum enden, unnd das ihr die entia verstanden, welche die sindt, die uns unsern leib zwingen, und gewaltig nötten, und das also. Der erst tractat des parenthesis sagt wie das gestirn in ihm hatt ein krafft und wesen, dasselbig ist unsers leibs gewaltig, als das unser leib muß gewartten und nemmen, was das gestirn ins uns wircket. Diese krafft des gestirns, heist ens astrorum: und ist das erst ens, dem wir unterworffen sindt. ? Der ander gewalt, der uns gewaltiglich regiret, und uns in kranckheit bringet, das ist ens veneni. Da mercken, so nun das gestirn kein schaden in uns thut, und gesund in uns ist, so mag uns ens veneni umbringen, und sind demselbigen underworffen, und müssendt das erwartten, und mögen uns deß nicht erwehren. ? Der dritt ist ein gewalt, der uns unsern leib krencket und schwechet, ob schon die zwey ens in uns gut sindt und glücklich, das heist ens naturale. Das ens ist das, so unser eigen leib uns kranck macht durch sein verirrung, und durch sein selbst zerbrechen. Also auff das entspringen viel andere kranckheiten, unnd alle kranckheiten, kein außgenommen, wann schon all andere entia gutt sindt. ? Das viert ens sagt von den gewaltigen geisten, die unsern leib krencken und schwechen, und deß gewaltt haben, und wir das erwartten mussen, und nemmen die kranckheiten auff unsern leib wie sie uns die zufügen. ? Das fünft ens, das uns unsern leib krencket, so uns die andern all glücklich und gesundt beystahnd, ist ens Dei. Unnd merck auff das ens gar woll, damit du könnest erkennen, was ein jedliche kranckheit inhalt. Also wie wir euch do anzeigen, und zuverstehen geben, so mercken endtlich, das deren ens ein jedlichs unter ihm alle kranckheiten hat. Auff das seind fünff pestilentz: das ist, auß dem ens astri, auß dem ens veneni, auß dem ens naturae, auß dem ens spirituum, und auß dem ens Dei: also sind auch alle kranckheiten, darauff ihr mercken soltt, und betrachtet, das nicht auß einer ursach kommen die kranckheiten, sondern auß fünffen: wir ihr bißher euch eins entis beholffen habt, unnd desselbigen irrig und zenichtig im grund.


[H1,9] Numerus IX. Prologus quintus.

Ihr solt euch nit verwundern ab dieser vorred in der parenthesi: den verwundern kompt auß eim unwissen unnd unverstandt. So euch aber das verwundern nit lassen mag, so durchleset den parenthesin, der euch ewers verwunderns ein end gibt. ? Wiewol wir ewern stylum nit anschawen: wann ursach, er sicht uns letz an, und gar schielend. ? Ihr mögt in euch wol ergründen, das ihr all die recepten habt für die febres gar wol außgestrichen: aber, wie gutt ihr die habt, so mißgeräth euch ewer hanndel so schwer, das ihr selbst erschrecken darab. So ihr betrachten den grund derselbigen, so finden ihr, das ihr selbst den grund nit verstehet: ihr achten ein anders, dan ihr achten solt. ? Ihr theilt auß die geschlecht der fiber, wol in 70. theil: unnd betrachten aber nit, das ir fünff mal 70. sindt: und ihr gebt ewer ingenium auff das ens naturale, und betracht nit, das ihr noch 4. sindt.

So das ens naturale, wie ihr das für euch habt, schuldig wer an dem läger oder fiber, so werend ihr wol ettlichs theils auff dem rechten weg: aber ihr sinnen ihm nach, gleichsam sey es ein plag: also verführen ihr euch selbst. ? Gedencken, wie offt es sich euch begeb, und begeben hatt, das ihr febricitanten curiren, do ein frag were, ob er durch euch gesundt wer worden, oder nit: auß ursachen, ist der febricitant entzündet auß dem astro, so gehet er mit ihm hin, geniset, oder stirbt: artzneyen ihr wie ihr wollt, gebt ihm die apotecken zuessen, es ist alles vergebens: alß der tractat ens astrorum außweiset.

Auff das mercken, das euch nit verborgen ligen die entia: damit das ihr wisset, wo ihr dran seidt, ob ihr dem krancken nutz seydt, oder schad. ? Die theoric ist euch gantz physicalisch gesetzt, der ihr euch behelfft, und berüret allein das ens naturale an: aber ich solcher irrung, das ihr nit mögen verstehn auß ihnen, waß ens naturale sey: auß ursachen, das ihr es untereinander vermischen, wissen selber nit, wo die welung geschehen soll.


[H1,11] Numerus X. Prologus sextus.

Also vermercken uns weytter. Demnach der gewalt uber unser cörper getheilt ist in fünff fürsten, die uns zugewaltigen haben, und uns unsern leib zukrencken, das ist ens astrale, ens venenale, ens naturale, ens spirituale, und ens deale: auff solchs volgen hernach die fünff tractat des parenthesis: in was gestalt ens astrale den menschen zuherschen hab in seym leib, und den zu krencken und tödten, deßgleichen all andere. ? Und vor dem und wir den parenthesin anheben, so mercken, das wir ein heydnischen stylum füren wöllen: wiewol wir ein christ geboren sindt: aber ursachen die uns darzu bewegt, macht der glaub. So wir schreiben sollen als ein christ, so blieben die 4. entia A. V. N. S. auß, und würden von uns nit beschrieben: dann es ist nit ein christenlicher stylus, sondern ein heydnischer stylus, mit welchem wir beschliessen. ? Uns soll auch der heydnisch stylus, den wir beschreiben in den 4. entibus, nicht schaden am glauben. Er soll uns allein scherffen unser ingenium. Wir nennen das ein heidnischen stylum, auß ursachen, das es den glauben Christi befrembt: und bekennen darbey, das ihr all, die der 4. ens wesen betrachten und gebrauchen, deß geblütz christen sindt. ? Was aber uns do ursachet, das wir die 4. ersten entia heydnisch heissen, und das letzte göttlich, das wollen wir im selbigen tractat erzelen, ettlichs theils: aber den rechten grundt der warheit volkommen zuhaben, wollen wir dasselbig ens enden und volfüren, im letzten beschlußbuch fidei, do wir uns verzeihen des heydnischen stylums, und verharren in dem glauben als ein fidelis, dem weitter paganische arbeit nit zu mueth sindt: welches ihr christen mit uns euch bepleissen sollt, und uns de fidelibus libris woll erkennen.

[H1,12]
Textus parenthesis super entia quinque

Liber entium morborum primus, et pagoyum primum

De ente astrorum super corpora inferiora.

Caput I.

So wir euch das ens astrale beschreiben sollen, ist uns anfengklich am nöttigsten, zubetrachten die natur, das wesen, gestalt, form und eigenschafft der astra: aus demselbigen volgt hernach, in waß weg heraus gezogen wird das ens astrale.

Auff daß habt ihr ein grundt euch genommen aus der astronomischen, leer und folgend dem unzeitigen anzeigen: und bedenckt nit das recht, so euch zubedencken ist. Also, ihr sagt, das der himmel den cörper macht, das ist, das astrum: welches nit ist. Der mensch ist ein mahl beschaffen corporaliter, unnd weytter formirt ihn nichts, dann allein ens seminis, ohn alle gestirn. ? Auff ein solchs zeigt ihr an, das die gestirn die cörper regiren, und naturen, bilden, und dergleichen, nach ihren eigenschafften: das mehr dann ein lincker verstand ist, wann es ist nit also: daß wirdt euch im ens seminis angezeigt. ? Auff solch ewer meinung wollen [wir] weitter nichts arguiren, dann es arguirt sich selbst durch sein eigen solution.

Aber auff den grundt unsers parenthesis, wollen wir euch ein solch erleutterung geben. Adam und Eva haben ihre leib durch das geschöpff empfangen, und durch ens seminis, biß in zergeung der welt. Und ob schon kein stern, kein planet [H1,13] wer gewesen, unnd noch wer, noch so werendt die kinder auß ihrer geburt geboren und complexionirt, genaturt worden, wie sie dann sonst seind: einer ein melancholicus, der ander cholericus: einer trew, der ander untrew: einer frommer art, der ander böser art. Solch eigenschafften der menschen, sind in ente proprietatis, und kommen nit auß dem gestirn: wann sie haben kein theil am cörper, das ist, sie geben kein complexion, kein farben, kein form, kein eigenschafft, kein natur, kein wesen.


Cap. II.

Wir zeigen eim jeglichen artzt an, das er verstahn soll zwey entia im menschen: ens seminis und ens virtutis. Wiewol wir hie nichts anzeigen: jedoch so seydt des eingedenck, das ihr sie an ihren orten lesendt. Wir reden da ein solchen grundt, der sich als ein angefangener text vergleichen soll auff das ens astrale. ? Dieweil und wir wöllen euch underrichten, wie ens astrale uns schaden mag: ist das ein notturfft euch zuerkleren, das ihr anfenglich wissen sollet, das die gestirn, von planeten, von sternen unnd allem firmament nichts machen am leib, nichts an unserer farben, nichts an unserer schöne, nichts an unsern geberden, nichts an unsern tugenden und eigenschafften. Und solt euch der meinung entschlahen, das ihr so lang geacht habet, und Iudicia gesetzt dem menschen, auff die natur der sternen, also auch den menschen: welchs wir wol belachen mögen. ? Wiewol wir hie eins kurtzen abbrechen sind unsern widersachern: auß ursachen, das dieser parenthesis nicht auff dasselbig gesetzt ist, das wir wollen eim jedlichen da antworten: dieweil und wir mehr papir unnd tinten vermögen, so uns erlaubt von Gott, dasselbige zugebrauchen. ? Die[weil] und ihr nuhn ein solches verstanden, das uns die astra nichts naturen, noch zihen, noch eigenschafft geben: so mercken auff die unterscheid, in was gestalt sie den cörper krencken und tödten. ? Nicht das wir sprechen wollten, drumb dz wir ein saturnisch kind seyen, sollen drumb lang leben, oder kurtz: nichts. Der gang saturni bekümmert kein menschen an seim leben, lengert noch kürtzt nichts: wann [H1,14] ursachen, ob saturnus nie in himmel kommen wer, oder in das firmament, noch so werend solch leut geboren: unnd ob schon kein mon nie gemacht wer worden, noch würden leut sein einer solchen natur. ? Ihr solt euch eins solchen gedencken, darumb das der mars grimmig ist, ist drumb Nero nicht sein kind gewesen: ob sie schon ein natur gehabt haben, hatts doch keiner von dem andern genommen. Secht, Helena unnd venus ist ein natur: und ob schon venus nie gewesen wer, noch wer Helena ein hur gewesen: unnd ob schon venus elter ist dann Helena, gedenckt, das vor Helena auch huren gewesen sind.

Cap. III.

Wie also angezeigt ist worden, gedenckt, das von solchen noch viel anzuzeigen wer, aber es wird im ens seminis unnd virtutis gemeldt, unnd lassen hie ein solchs auß. Aber ihr solt verstehn, daß das firmament und die astra so viel verordnet seind, das die menschen und die entpfindlichen geschöpff ohn sie nicht sein mögen: aber, sie werden nicht durch sie. ? Ein solch exempel verstand: ein sam der in ein acker geworffen wird, der gibt sein frucht von ihm selbst, dann er hat ens seminis in ihm: aber so die sonn nit were, so wüchs er nicht. ? Dencken nicht, daß die sonn ihn mache, firmament, oder dergleichen: aber also mercken, das die werme der sonnen ein solche zeit gibt. ? Alß so ihr wolt digeriren, und ein ding in seine wirckung bringen, so muß durch ein digest beschehen: so wirckt die digest nichts anders, dann durch die zeit: daß ding, das darinn ist, das hat sein wirckung an ihm selbst, und das verstand also. ? digestio ist ein solches ding: ein kind mag ohn die digest nicht wachsen, dann im digest wachst es, das ist, in matrice: und also bedarff dz kind keines gestirns noch planeten darzu: sein mutter ist sein planet und stern. ? Der sam muß ein digest haben, das ist im erdtrich: das erdtrich ist aber kein digest, ohn die sonn: die mutter ist aber ein digest ohn alle astra. Und ob schon die sonn nimmer schien, und der mercurius zurück gieng: noch gerahten die kinder, noch wachsens, noch ist inen [H1,14] ihr sonn und ihr digest nicht entzogen. Dann die gestirn haben gar kein gewalt den menschen zuneigen nach ihnen, oder das sie benött werden, sie zuhaben. ? Also verstand das: zween kriegßmann, die da beyde zornig, welcher naturt den andern? Keiner. Zween zwilling die einander gleich sehen, welcher hatts vom andern, das er dem andern gleich sicht? Keiner. ? Was wöllen wir dann uns jovische kinder heissen, und monische, dieweil wir sind gegeneinander wie die zwilling? Ein kind das ist wie der saam in seim wesen, ist ein zwilling, wie der samen, und nicht ein kind der sonnen, als de geminis stehet.

Cap. IIII.

Nach dem und wir also angezeigt haben, so mercken weiter, das wir fürhin wöllen den parenthesin vollführen auff das ens astrale, das ihr verstehen mögen unser fürnemen, wie das gestirn uns krenckt unnd tödtet. Wann ihr habt die astra verstanden bißher, sie incliniren in uns, und die inclinatz bildt uns nach ihnen: darauff ihr grosse libell setzen, wie dem gestirn widerstanden soll werden, das ein blaw schreiben ist. ? Unß wil nicht bekümmern der spruch, ein weiser mann herschet uber das gestirn, wie ihr ihn verstehet: aber wie wir ihn verstehend, also wöllen wir ihn annemen. Sie gewaltigen gar nichts in uns, sie inbilden nichts, sie eignen nichts, sie incliniren nichts: sie sind frey für sich selbst, und wir frey für uns selbst. ? Nuhn mercken aber, das wir ohn das gestirn nicht leben mögen: dann kelte und werme, und dz digest der dingen, die wir essen und gebrauchen, kompt von ihnen: allein der mensch nicht. ? Unnd so viel nützen sie uns, unnd so viel müssen wir sie haben, als viel das wir kalt und warm, essen unnd trincken, lufft, haben müssen: aber nicht weiter sind sie in uns, noch wir in ihnen. Sind sie uns aber gleich, oder wir ihnen: oder du nicht wie sie, oder sie [nit] wie wir, waß wöllen wir uns dann groß propositiones machen unnd disputationes? Also hatt es der fabricator wöllen haben. ? Wer weiß, was im firmament ist, das wir nicht wissen, denen dasselbige dient? ? Dann uns nützet [H1,16] die reinigkeit der sonnen nichts, noch die kunst mercurij, noch die schöne veneris: uns nützet allein der schein von der sonnen, das er die frücht machet und den sommer, darinn uns unsere nahrung wächst. Aber zu dem beschluß dieser red, damit der parenthesis euch angefangen wirdt, so mercken. Ein kind, das geboren wird oder empfangen in den besten planeten und sternen, und in den tugentreichesten, nach allem wunsch: wenn es in seiner eigenschafft das widerspiel hat, und gantz uberzwerch, weß ist die schuldt? deß, von dem das blut kompt (alß de generatione stehet.) ? Also mercken, daß das gestirn gar nichts wircket, allein das blut: wirdt es aber wie die planeten auff sein stund, so hat es das auß dem blut. Es kompt offtmal gut und gut zusammen, böß und böß: aber nur das ein ist ein ursacher, das ander nit, das ist ens seminis.

Cap. V.

Ehe und wir auff unser propositum kommen, wöllen wir euch fürlegen, ein solches, von der geschickligkeit des leibes. ? Alß ihr gar viel unnd wol betrachten, daß der mensch sein glück und geschickligkeit hab von dem gestirn, also, das einer mehr auffwechst dan der ander: einer in künsten, der ander in reichthumb, der dritt in gewalt, unnd dergleichen. Ein solchs legt ihr zu dem gestirn, das ihr von ihnen ein solches habt: deß entschlahen wir uns, und legen das also auß. Das glück kompt auß der geschickligkeit, und die geschickligkeit kompt auß dem geist: darnach ein jedlicher mensch ein geist hatt, darnach ist er geschickt auff ein ding, unnd darnach er geschickt auff dasselbige ding ist, darnach hat er glück. Das ihr diesen geist verstehet, so ist er als ein archeus: als die archeo stehet, und weiter hie nit melden, damit wir nicht von unserm fürnehmen kommen. ? Ihr sagt auch mehr, von der ungleichen gestalt der menschen: das von Adam her ein solche lange zeit, under sovil menschen nie keiner dem andern gleich ist gewesen: (außgenommen die gemini) das ein miracul ist, und fast ein groß. Dieses legend ihr zu dem gestirn, und seinem seltzamen lauff: das uns mit bedecktem angesicht anschawet. ? Ihr solt ein solches wissen, (aber mehr setzen wir [H1,17] de termino vitae) daß von Gott dz ens seminis also beschaffen ist, das alle die gestalt, farben, form der menschen, müssen erfüllt werden, deren keine zahl ist: und die alle erfüllt seind, als dann so kommen die leut herwider, die da sehen werden wie die, die gestorben sind. ? So der jüngst tag kompt, so werden die farben und sitten der menschen alle erfüllt sein: dann er ist allein gesetzt auff den puncten, so alle farben, form, unnd gestalten und sitten der menschen für sind, unnd keiner mehr mag geboren werden, er müß etwan eim gleich sehen: als dann ist die stund auß, des lauffs der ersten welt. ? Und setzt euch nicht in die eigenschafft, das ihr viel alter machen der welt, und theilend die welt auß in theyl: so alle farben unnd alle sitten der menschen auß sind, und kein seltzame mehr mag werden, sondern gleichnuß seind, so ist das recht alter auß.

Cap. VI.

Aber, was will uns das hie bekümmern? Nichts, dann allein zu eim mehrern verstandt, euch zuerkleren, weß sinns wir sind. ? Auff das solt ihr ens astrale verstehen also. ? Es ist ein ding, das wir nicht sehen, das uns und alles das, das da lebet und die empfindtligkeit hatt, enthalt bey dem leben: das kompt auß dem gestirn. Also reden wir daß: ein fewer, daß da brent, das muß holtz haben, sonst ist kein fewer: also merck, das fewr ist ein leben, noch mags nicht leben ohn das holtz. ? Also merck, wiewol das grob ist zu eim exempel, aber euch geschickt genung: auß ursachen, der leib, ist ein holtz, das leben in ihm, das fewr. ? Nuhn lebt das leben auß dem leib: nuhn muß der leib etwas haben, das er vom leben nit verzehret werd, sondern im wesen bleib: dasselbige ist das ding, darvon wir euch das ens erzehlen, dises kompt auß dem firmament. ? Ihr saget, und ist also, so der lufft nicht wer, so fielen alle ding gehn boden: unnd alles das da das leben hatt, dasselbig ersticket und stürb. ? Also merckt hinwider, das noch eins ist, das den leib halt, welcher leib das leben halt: dasselbig ist nicht minder zuverlieren, als der lufft. ? Der lufft wirt in demselbigen enthalten, unnd auß demselbigen: unnd [so] das [H1,18] nit were, so zergieng der lufft. Das firmament lebt auß dem: und so das nicht im firmament were, so zergieng das firmament: und wir heissen das M. Dann nichts ist in allen beschaffen uber daß, nichts ist mehrers, nichts ist dem artzt nützer zubetrachten. ? Auff das mercken uns, unnd wol, also, das wir euch das M. anzeigen: nicht das es auß dem firmament entspring, oder das es in ihm sey geboren, oder daß das firmament dasselbige uns zuschick: alles nichts. ? Aber also mercken in euch, das diß M. alle geschöpff enthalt, in himmel und erden: und alle elementen leben auß ihm unnd in ihm. ? Wie aber dasselbige euch zuverstehen ist, solt ihr eingedenck sein de primo creato, was da angezeiget wirdt, unnd die jetzigen meldung vom M. wie hernach volgt.

Cap. VII.

Demnach, wie angezeigt ist das M. so merckt am ersten ein exempel. Ein stub, die da vermacht unnd beschlossen, dieselbig empfecht in ihr ein geschmack, wie du ihn machest in sie: derselbig geschmack kompt nit auß ihr, sondern von dir. Auff das mercke: wie du denselbigen machest, also müssen ihn die schmecken, die darin seindt: unnd ist müglich, das du alle kranckheiten, und die cur dergleichen darinn geberist, denen, die darinn wohnen. Darauff merck, der lufft, der darinn ist, kompt nit von dir: aber der geschmack kompt von dir. Nun verstand: also reden wir vom lufft, das wir euch erzehlen das ens astrale. Ihr zeigt an, wie der lufft kompt auß der bewegung des firmaments: das wir nit halten und gestehen: aber wol den windt, als meteorica außweist. Der lufft kompt vom höchsten gut, und ist gewesen vor allen geschöpffen, dz aller erst: demnach sind ander ding beschaffen worden. ? Das firmament lebt des luffts, und all creatur: drumb so kompt es auß dem firmament nicht. Dann das firmament wird enthalten durch den lufft, wie der mensch: unnd ob schon alle firmament still stünden, noch ist der lufft. ? So aber die welt untergieng in diesem stillstehen, so ist das die ursachen, daß das firmament kein lufft hett, und das der lufft [H1,19] zergangen wer: als dann wer es ein zeichen, das der mensch auch auß müst sein: alle element zergiengen, wann sie stehend alle im lufft: das ist M. magnum. ? Und sagen dir daß also an, daß dieses M. m. ein solch ding ist, das alle geschöpff darauß leben, und ihr leben in dem und auß dem endthalten. ? Dieses M. M. das mag vergifft werden und verendert, also, das der mensch dasselbige in sich nimpt: dieweil und sein leben darinn ligt, und wohnet, so muß sein cörper, das an sich lassen greiffen, und sich beflecken, das in M. m. ist. ? Als der verenderte lufft in der stuben, den wir euch haben angezeigt: also ist etwas das diß M. verunreiniget, dasselbige bleibet in ihm, unnd mag von ihm.

Cap. VIII.

Aber also verstanden das ens astrorum. Die astra haben ihr natur, und ihr mancherley eigenschafft: wie dann auff erden die menschen. Dieselbigen astra haben ihr verenderung in ihnen: je besser, je böser, je süsser, je fewrer, je hendtiger, je bitterer. So sie also in ihrer güte sind, so kompt nichts böses von ihnen: aber in der böß, entstehet ihr boßheit. Nun merckt, daß sie die gantze welt umbgeben, wie ein schaal ein ey: durch sie schal kompt der lufft, und gehet anfenglich durch sie, auff den centrum der welt zu. Also mercken nun, welche astra vergifft sind, die beflecken den lufft mit ihrem gifft: also wo das gifft hinkompt, am selbigen orht werden dieselbigen kranckheiten nach der eigenschafft desselbigen sterns: wann es mag nicht den gantzen lufft der welt vergifften, allein ein theil, nach dem unnd sein stercke ist. Also ist es auch mit der güte der astren. ? Das heist also ens astrale: dz ist, der geruch, dunst, schweiß, von den sternen, vermischt im lufft: als cursus astrorum außweiset. Dann daher kompt kelte, werme, trückne unnd feuchte, und dergleichen, wie ihr eigenschafften anzeigen. ? Also solt ihr mercken, das die gestirn nicht incliniren: allein vergifften durch ihren dunst das M. durch welches wir dann vergifftet werden, und geschwecht. Unnd also ist ens astrale, das unsern leib, endert zum [H1,20] guten oder bösen, durch ein solchen weg. ? Welcher mensch der ist, der also genaturt ist, auß seim natürlichen blutt, demselbigen dunst wiederwertig, der wirdt kranck: der aber nicht wider das genaturt ist, dem schadts nichts. Es schadt auch dem nichts, der sovil edel unnd starck wider das gesterckt ist, das er das gifft uberwindet, auß edler natur seines blutts: oder der artzney, die da widerstehet den verfelschten dünste der obern. Darauff mercken, das alle ding, die da geschaffen sind, wider den menschen sind, und der mensch wider sie: sie mögen alle dem menschen schaden, und der mensch ihnen gar nichts.

Cap. IX.

Nuhn auff die anzeigung M. so merckt ein exempel, wie die dünst der planeten uns schaden. ? Ein weyer, der sein recht M. hatt, derselbig ist fischreich: so aber die kelte so groß ist, so gefreurts, unnd sterben die fisch: auß ursachen, daß das M. zu kalt ist, wider die natur deß wassers. Diese kelte kompt nicht auß dem M sondern auß [dem] gestirn, daß also der eigenschafft ist, unnd thut das. ? Also wirckt auch die hitz der sonnen, daß die wasser zu warm werden, und die fisch sterben, auß der vordern ursachen. ? Also wie die zwey, zwo eigenschafft sind ettlicher astren, die das wircken: also seind ihr mehr, die da das M. fewren, bittern, süssen, rässen, arseniciren, unnd dergleichen, auff viel hunderterley gustum, unnd dergleichen. Diß groß verenderung deß M. ist verenderung der leib. Auff ein solchs so mercken, wie das gestirn das M. beflecket, deß wir in kranckheit und in tod kommen, wie derselbigen dünst natur sind. ? Und verwunder sich kein artzt in solchem: dann soviel gifft sind auff erden nicht, sovil und mehr sind in astris. Und gedenck es ihm ein jedlicher artzt, das kein kranckheit komme, ohn ein gifft. Dann, gifft ist einer jedlichen kranckheit anfang, und durch dz gifft werden alle kranckheiten, leib unnd wundt, nichts entschlossen. ? Das sollen ihr erkennen, so erfinden ihr, das dem arsenisch mehr dann 50. kranckheiten, unnd noch fünfftzig zugeben sind, da kein der andern gleich ist, unnd sind doch alle auß arsenico: noch viel mehr auß sale, noch mehr auß mercurio, noch mehr auß [H1,21] realgar unnd schwefel. ? Das zeigen wir euch darumb an, das ihr gedencken soltt, unnd wissen, das ihr vergebens erfarend einer jedlichen kranckheit sonderen ursprung, dieweil ein ding sovil kranckheiten macht: demselbigen trachten nach, so finden ihr der ander ursach. Unnd behalten in euch die regel, das ihr wisset das ding, doraus die kranckheit wirdt, und nit die ursachen wie es also geworden: alß euch die practic ausweysen.


Cap. X.

Das ihr aber deß ein mehrern verstand habt, so mercken, das wir die sonnen oder den winter, nit allein beschuldigen an unsern cörpern nachteylig zusein, wie wir exemplieren: sondern wir beschuldigen ein jedtlichen planeten und sternen, so derselbig in seiner exaltation ist, das er durchtringet das M. unnd dasselbig nach seiner exaltation naturet. Also etliche zu fast saltzen das M. ettliche zu fast arseniciren, andere sulphurieren, andere mercurieren. Dann ihre exaltationes sindt unser gifft oder glück in unsern cörpern, der gesundtheit nach: es sey dan, daß derselbige dunst weiti halben zu uns nicht kommen möcht. ? Und mercken also ein exempel. Die exaltation der arsenich sternen, so sie den centrum und angesicht der erden berüren, so merckt: so sie also das wasser berüren, so vergifften sie durch ihren arsenich das gantz wasser: Und also, so das wasser vergifft ist, so empfinden das die fisch, unnd lauffen all ab ihren siedten an andere stett. Also kommen sie aus der tieffe, herauff an den tag, dann sie vermeinen ein unbsaltzene, oder unvergiffte stadt zufinden: als dann werden sie ersehen an den stedten der lendern, und kommen also groß mennig fisch zusammen.

Darumb so merck, wo so groß mennig fisch, die also in viel jharen nit erhört sindt, erfunden werden, dz am selbigen ortt ein grosses sterben hernach folgt. Wann der arsenic, der die fisch herfür treibt, die in langen jharen nie aus der tieffe kommen sindt, der vergifftet auch die menschen, das sie nach den fischen kranck werden: wan sie sindt so viel stercker, das sie deß nicht so leichtlich empfinden, als die fisch. ? Desgleichen also [H1,22] auch von andern geschlechten der gifften im M. durch die astra herab gegossen, wie dann virtutes stellarum außweisen, werden nit allein die fisch und menschen vergifft, sondern die frücht der feldern, und alles das do lebt.

Cap. XI.

Also mercken, wie wir itzt gemeldt habet: also in der gestalt auch unser leib wie ein see ist, und die glider dorin, wie die fisch. So das leben, das im leib ligt und in allen glidern, also durch die astra in ihm vergifft wirdt, so werden auch kranck die inwendigen glider, die dasselbige empfahen. ? Und mercken dorauff, das ettliche entia astralia der vergifftung seindt, das sie allein dem geblüet schaden, als die realgarischen: etliche allein dem haupt schaden, als mercurialia: ettliche allein dem gebein, als salia, und den geädern: ettliche sind der natur, das hydropisin machen, und tumorem als opperimena: ettliche febres, als die bittern.

Solche wol zuversehen, wollen wir euch anzeigen die teylung der dingen und das ens. ? Am ersten mercken, das ihr ettliche gehend in leib kranckheiten, das sindt, die do betreffen liquorem vitae, die machen leibkranckheiten: die andern sind, die do machen wunden, das sindt, die do treffen virtutem expulsivam. ? Also in den zweyen stehnd alle theoric.

Particula I.

Wie wir euch also anzeigen, wie das ens astrale uns krencket, auff leib und wundtkranckheiten: als in die kranckheit, die da nit aus dem leib gehndt, unnd in kranckheiten, die da auß dem leib gehndt: so sollt ihr wissen, das wir euch hie nit erzelen, wie in eym jedlichen stern das gifft ligt: wann es ist astronomisch mehr, dann artzneyisch.

Aber wie ihm sey, so sind fünfferley gifft, die do machen wassersucht: unnd ist einerley gestaltt, aber in fünff eigenschafft. ? Also ist ein gifft des gestirns, die andern vier der andern ens, und machen doch all wassersucht: wie fünfferley schweffel, unnd dergleichen.

[H1,23]
Particula II.

Wie euch aber dieselbigen zuerkennen sindt, auß waß ens die wassersucht entspringt, unnd mit waß artzney sie soll geheyltt werden: dasselbig stehet de morborum medicationibus. ? Und wollen euch also dz ens beschlossen haben: darbey auch anzeigen, das ihr nit gedencken soltt, ein astralische kranckheit zu artzneien, dieweil derselbig stern regirt: wann er ist mehr, dann der artzt. Dorbei solt ihr gedencken, das ihr die zeit observirt, wollen ihr sein rechte artzt: und vor der zeit kein kranckheit zu der heilung zu nötten, wann es beschicht nicht.

Parenthesis secunda

Liber & pagoyum secundum

Tractatus de ente veneni

Cap. I.

Demnach und wir euch vorgezelt haben dz ens astrale, so erzeigen wir euch das ens veneni, welches das ander ist, das uns unsern leib krencket. Und füren hie gleich ein solchen grundt, als wir der meinung sindt gewesen im ente astrali: also das aus 5. entibus unser leib genöttiget wird und gezwungen, zuleiden. ? Aber domit ihr uns ein leichtern weg verstanden und ergründen, lassen wir solchs in den praefatzen bleiben, und legen euch den grund entis veneni also aus. ? Ihr wisset, das unsere leib müssen ein enthalten haben, das ist, ein fürung, durch welche sie enthalten werden und geneert: und wo die nit ist, am selbigen ortt ist kein leben. ? Auff diß so merckt, das der, der uns den leib [H1,24] beschaffen hatt und gemacht, die narung gleich wie den leib gemacht hatt: alß wol, aber nit alß volkommen. Also verstanden uns do: der leib ist uns on gifft geben, und in ihm ist kein gifft: aber das, das wir dem leib müssen geben zu seiner narung, im selbigen ist gifft. Also ist der leib volkommen geschaffen, und das ander nitt. ? In solchem solt ihr verstehen, das ander thier und furcht uns ein speiß ist, drumb ist es uns auch ein gifft: aber sie sindt ihnen selber kein gifft, kein speiß, sindt in ihnen selber volkommen, als woll in der creatur, als wir: aber in dem, das sie unsere speiß seindt, im selbigen seindt sie uns ein gifft: und das ist uns ein gifft, das ihnen kein gifft ist.

Cap. II.

Aber also solt ihr weitter mercken: ein jedliches ding ist in ihm selbest volkommen, und wolbeschaffen ihme selbst auff sein theyl: aber eim andern zu seim nutz, ist es gutt und böß beschaffen. ? Auff das mercken: ein stier, der do graß isset, der isset ihm sein gifft, und sein gesundt: wann im graß ist gifft und gesundt, narung und artzney: aber dem graß an ihm selber, ist es kein gifft. Der mensch, waß er isset und trincket, dasselbig ist ihm gifft und gesundt: aber mehr solt ihr verstehn, das dasselbig das er isset, ihm selbst kein gifft nicht ist.

In solchen, wie wir euch anzeigen, verstanden uns in zween weg: der eine ist vom menschen, (ausgelassen die natur der thiren und andren gewechsen) der ander ist von dem innemmen. Aber das ihr dz leichter verstanden, mercken: das ein im menschen, das ist die groß natur: das ander, ist das gifft, das in die natur kompt. ? Auff das und wir euch den parenthesin erfüllen, mercken ein solches, das Gott alle ding ihnen selber volkommen beschaffen hatt: aber eins dem andern unvolkommen, zu seim nutz. Auff das wird unser grundt sein des andern ens, das ist veneni. ? Aber weiter, also solt ihr uns verstehen, das Gott dem menschen oder den creaturen auff sich selbst kein alchimisten gesetzt hatt: aber auff das unvolkommene, gegen unserm nutz zurechnen, deß wir gebrauchen müssen, hat er uns ein alchimisten gesetzt, domit dz [wir] das gifft, das wir unter dem gutten einnehmen, nicht als ein [H1,25] gifft verzeren, sondern dasselbig vom gutten scheiden.

Was wir euch von diesem alchimisten erzelen, das solt ihr wol vermercken.

Cap. III.

Dieweil also ein jedlichs ding ihm selbst volkommen ist, und eim andern ein gifft, unnd ein gütti: ist unser proceß also, das Gott dem, der das ander muß gebrauchen, welchs ihm zu gifft und gutten infart und geben wirdt, ein alchimisten gesetzt hatt: der ein solcher grosser künstler ist, das er die zwey stuck von einander scheydet: das gifft in sein sach, das gutte, dem leib. Also solt ihr, wie wir do anzeigen, unsern grund verstehen, und wol erkennen. ? Dorauff mercket ein exempel, in einer andern gestalt. Einer der da ist ein herr oder fürst, der ist in ihm selber volkommen, wie eim fürsten zugebürt: aber er mag nit ein fürst sein, er muß knecht haben, die ihn ein fürsten behalten. Nun merckt, das die knecht ihnen selbst volkommen sindt: aber dem fürsten nit, sondern, sie seindt ihm gifft und gutt. Aber domit ihr verstanden den alchimisten der natur, so mercken, das Gott dem fürsten geben die erkantnuß, in ihm selbst, als eim fürsten zugebürt: die lernt ihn das gifft von seinen knechten scheiden, und das gutt von ihn zunemmen. Und so euch das exempel nit wol inreymen wölt, so werden ihr den grundt dorauff finden, im leren, nach der leer eins weysen, do solchs aufgelegt wirdt. ? Also mercken, der mensch muß essen und trincken: dann sein leib, der sein leben beherbergt, der muß das haben, und mag deß nit geratten: also wirdt der mensch gezwungen, sein eigen gifft und kranckheit, und den todt zu ihm zunemmen, [zu] essen und zu trincken. ? Also wer dises wol ein argument wider den, der uns den leib geben hatt, unnd die speiß, das er uns da erwürgty. Aber das solt ihr verstehn, das er keim geschöpff sein wandel nimpt: sondern er lest ein jedliches geschöpff bleiben in seiner volkommenheit. ? Unnd ob es schon dem andern ein gifft ist, das wirt ihn nicht straffen noch beklagen.

[H1,26]
Cap. IIII.

Dorauff solt ihr also den schöpffer ergründen. So alle ding in ihnen volkommen sindt, unnd durch den schöpffer verordnet, das je eins das ander muß endhalten, das graß die kuh, die kuh den menschen: unnd also die volkommenheit des dinges, dem andern ding, das dieses nimpt, gifft und gutt ist, und unvolkommen: das er darauff ein mehrer schöpfung gethon hat, das mehr ist dan die schöpfung: auß der ursachen, dz er diß also geschaffen hat, dz in dem ding, das ein ander ding gebrauchen muß, ein solche tugent, krafft, und kunst ist, das diese tugent also beschaffen ist, dz sie voneinander scheidet das gifft vom gutten, dem leib on schaden, und der narung, und [also] wirdt daß ding gefürt. merck also ein exempel. Der pfaw isset den schlangen, den lacerten, und den stellionem: das sindt thier, ihnen selbest volkommen unnd gesundt: aber zu aller notturfft anderen thiren, ein lautter gifft, außgenommen dem pfawen nit. Aber auß was ursachen das sey, das mercken, das sein alchimist also subtil ist, dz selbst kein thier ihm gleicht in seim alchimisten, der also scharff scheyd gifft und gutt von eim ding, das dem pfawen on schaden ist. ? Also gedencken euch, das ein jedlich thier sein narung hat, das ihm selbst zugeeignet ist zu seiner narung: unnd darauff ein alchimist ihm verordnet, der das scheydt. ? Dem straussen ist der alchimist geben, das eisen zu scheiden, das ist, den stercus vom nutriment, das keim müglich mehr ist.

Dem salamander das fewr zu einer speiß, das ist, das corpus ignis, dorauff hat er sein alchimisten. ? Der saw, der dreck: wiewol der ein gifft ist, drumb er vom alchimisten der natur außgeworffen wirdt auß dem menschen: so ist er doch ein narung der saw: auß ursachen, das der alchimist der saw noch viel subtiler ist, dan den alchimist des menschen: unnd der alchimist der saw, scheydet noch ein narung vom dreck, den der alchimist des menschen nit vermocht hat. Drumb wird der sewdreck nit gessen von keim thier: dann kein scherffer alchimist ist nit, der genawer ersucht die narung, dan der säw alchimist. ? Also soltt ihr es auch verstehn von andern, das wir hie auslassen, minder langer red halben, euch nit nott, als wollergründten.

[H1,27]
Cap. V.

Wie wir euch also anzeigt haben vom alchimisten, so gedencken nun, das der alchimist allein vom schöpfer gesetzt ist auß der ursachen, das er das scheid vom gutten, dz unter das gutt nicht gehöret, deme, der dz einnimpt zu seines leibs narung, wie es der schöpffer beschaffen hat. So mercken also fürhin auff unsern anfang, das 5. ding sindt, die gewaltig sindt uber den menschen, und der mensch ihnen unterworffen: als das ens astrale, das wir euch erzelt haben, darnach das ens veneni. ? So nun der mensch von allen astris frisch und gesundt ist, so hatt [er] kein pürgen vor dem ens veneni, sondern er muß wartten, wie das ihn geweltiget: das lassen wir also stehen, wie wirs in prooemiis verlassen haben.

Dorauff aber und ihr das mögen wol und leichtlich erkennen, so merckt den ersten anfang, der euch anzeigen wirdt, wie euch das gifft schaden mag, und thut: dieweil und wir ein alchimisten in uns haben, der uns vom schöpffer eingesetzt ist und geben, der uns sol das gifft vom gutten scheiden, damit und wir kein nachtheil darvon empfahen. Aber so müssen wir reden von dem, wie uns der nachteil darvon kompt, das also alle kranckheiten des menschen auß dem ens veneni kommen, als woll als auß den andern: und müssen das lassen stehen, dz uns kein schaden thut, sondern nutz: als wir euch hernach wollen erzeigen.

Cap. VI.

Do solt ihr also verstehen, dz die astronomi nochmal irren, in dem, das sie anzeigen unsers leibes gebrechen, und setzen also ein glückseligen leib und ein gesunden: so nun das nit beschicht, so ursachet allein das, dz die andern entia, der noch 4. sindt, den schwechen, und nit die astra. Darumb wir ihr schreiben wol belachen mögen, und kittern, so sie also gewiß die gesundheit zusagen: und betrachten nit, das noch 4. ens sind, die gleich so gewaltig sind als astrum. Aber wir müssen mit ihn schertzen: was soll ein katz on ein mauß, oder ein fürst on ein narren? ? Der physiomanticus treibt auch ein solche historisch, der uns nicht weinendt macht: [H1,28] sagt also die gesundtheit zu, und gedenckt nit dz 4. ens sindt, die er nit versteht: dann er redt auß dem ente naturali, und verschweigt die andern, das uns ein weintzigs kützelet. ? Es bedarff eins wolwissenden mannes, der do wil zukünfftig sagen [die ding] die do auß dem lauff beschehen: dann der leuff seindt fünff, und nur ein mensch: welcher ettlicher leuff vergist, und fart in andern für, mag wol ein blower prophet sein. Teyllen, und nach der theylung reden, ein jedlicher, nach dem unnd er gelernet hat, ihrem anzeigen unnd wohn nach, das ist uns groß zu loben, und loben den. Wann so der entist pyromanticus setzt auff die geist ein iudicium: und der entist physionomus, der do setzt auff die natur des menschen selbst: und der entist theologicus auff den lauff Gottes: unnd der entist astronomus, auff die gestirn: so leugt ein jedlicher in ihm selbst: aber sie sindt gerecht, so sie alle fünff in ein kommen.

Das sagen wir euch, das ihr nit also weissagen, ihr wissen dann die entia, der fünff entium, als dann wollen wir euch unbelacht lassen.

Cap. VII.

Das wir euch aber ein grundt geben von dem alchimisten, so verstanden uns also, das Gott einem jedlichen geschöpff hatt geben sein wesen, unnd was ihm zugehördt: nit von wegen seins selbst regiren oder dergleichen, sondern von wegen des gebrauchens, das ihm nottürfftig ist und haben muß, welchs mit gifft ist: dasselbig hatt im leib den, der diß gifft besondert, von dem, dz der leib an sich nimpt: diß ist der alchimist, auß ursachen, dz er der kunst der alchimey gebrauch: er scheidet dz böß vom gutten, er verwandlet das gutt in ein tinctur, er tingirt den leib zu seim leben, er ordinirt der natur das subject in ihr, er tingirt sie, das sie zu blutt und fleisch wirdt. ? Dieser alchimist wonet im magen, welcher sein instrument ist, darin er kocht unnd arbeitet. Unnd auff das verstandt das also. ? Der mensch der der da isset ein fleisch in dem ist gifft unnd gutts: aber in seinem essen erkent er das alles für gutt: wann unter dem gutten ligt das gifft verborgen, unnd unter dem bösen nicht gutts.

[H1,29] So also die speiß, dz ist, das fleisch, in magen kompt, als bald ist der alchimist da, und scheid da: daß, das nit zu der gesundheit gehört deß leibes, das wirfft er in ein besonder orht: daß gut, auff sein stadt, da es hin gehört. ? Das ist ein ordnung deß schöpffers: also wird der leib enthalten, dz im nichts vom gifft widerfart, das er isset: sonder also durch den alchimisten von ihm gescheiden wirdt, ohn des menschen entgeltnuß. Also ist die tugent und krafft des alchimisten im menschen.


Cap. VIII.

Auff das mercken nun weiter, das in eim jedlichen ding, dz der mensch nimpt zu seiner notturfft, ein gifft ist, verborgen unter dem guten, also. ? In eim jedlichen ding ist ein essentia unnd ein venenum: essentia ist das, daß den menschen auffenthalt: venenum das, daß ihm kranckheit zufügt. Daß ist in eim jedlichen ding der nahrung, gegen dem thier das dasselbig gebraucht, nichts außgeschlagen. ? Auff das merckt ihr artzt: so also der leib stehet in der nahrung, und muß die haben, und er ist ihr unterworffen, muß sie nemmen wie er sie findet, unter beiden gestalten, gut unnd böß, nichts gescheiden: unnd muß den alchimisten lassen dasselbig scheiden: so merckt, so der alchimist bresthafftig ist, daß das gifft nicht mag nach vollkommener künstlicher art vom guten gescheiden werden, und wird also auß dem gifft und guten ein vereinigte putrefactio, und darnach ein digestio: dasselbig ist das, das uns anzeigt die kranckheit der menschen. ? Wann alle kranckheit, so der mensch hat auß dem ens veneni, dasselbige kompt ihm auß der gefeulten digest: wann sie soll in der temperirung stehen, damit der alchimist kein partheyischen puncten mercke. ? So aber die digest zerbrochen steht, so ist der alchimist nit vollkommen in seim instrument: als dann folgt hernach corruptio: dz ist darnach ein mutter aller kranckheiten, die euch artzeten soll gründlich ingebildet sein, und nit ewer weiter umbschweiff. Dann die corruptio vergifft den leib, nach dem und sie ist, und wirdt, alß also: ein wasser das lauter ist und claar, das mag tingirt werden auff was farben man will: also der leib auch, ist wie das wasser, und die corruptio [H1,30] ist die farben: und kein farb ist nit, sie hat ihren ursprung auß dem gifft, und ist ein anzeigen und zeichen ihres giffts.

Cap. IX.

Damit und wir euch ein bessern verstand geben, so verstehet, das die corruptio in zween weg geschicht: localiter und emunctorialiter, und das also. ? So sie also in der digest ist, unnd der alchimist muß unterligen in der scheidung, auß gebresten der brechenden digest: als dann an derselbigen statt generirt sich ein feule, welche ein gifft ist. Dann ein jegliche feule ist ein gifft der statt, in dem sie ligt, und ist ein mutter eins gewissen tödtlichen giffts. ? Dann die feule verderbet das gut, und so dasselbige auß seiner wirckung kompt, alsdann so uberwindt das gifft in dem guten, und wird nicht anderst ersehen, dann in gestalt deß guten, so in der feulung da ligt: als dann ist das ein mutter der kranckheiten, so ihm underworffen sind. ? Was aber emunctorialiter ist, dasselbige ist in der verirrung der natur im außtreiben, also: so der alchimist außtreibt das gifft, ein jedlich gifft durch sein emunctorium: den weissen sulphur, durch die nasen: den arsenic durch die ohren: unnd also den stercus durch den monoculum: unnd also andere gifft, ein jedlichs nach dem unnd es seim emunctorio befohlen wirdt. ? So derselbigen gifften eins gehindert wirdt, durch schweche der natur, durch sich selbst, und dergleichen: alsdann ist das auch ein mutter der kranckheiten, so ihr underworffen sindt. Also sindt zween ursprünge universaliter in allen kranckheiten, die wir euch hie nicht weiter erzeigen: aber in libris de origine morborum in speciali werden ihr die finden.

[H1,31]
Cap. X.

Wie nuhn oben angezeigt ist, von der alchimey der natur, wie sie in eim jedlichen thier ligt, und ist, von wegen der notturfft der scheidung, die da im magen beschehen muß: so mercken ein kurtze erzehlung, wie doch alle kranckheiten also mögen erfunden werden, daß sie also geboren werden, wie angezeigt ist. ? So der mensch gesundt ist von allem ens, unnd wolmögendt: und zu eim exempel, er hett ein guten alchimisten, der wol schiedt, mit guten instrumenten unnd reservaculn, unnd emunctorien: so wissen, das zu guten instrumenten viel gehört: dann da gehört herzu, daß das gestirn gut sey, und die andern entia alle. Wiewol uns das alles nicht bekümmert, und setzen, sie seind gut unnd krefftig: so seind viel zufell dem leib, das die instrumenta unnd reservacula und emunctoria verderbt, bricht, bescheist, unnd verunreiniget, und etwann zubricht und verstopt. ? Dann der natur unnd dem leib ist widerwertig das fewer: wann, es mag uns das verderben durch sein eigenschafft, natur, hitz, trückne unnd qualiteten, das durch sein wesen, dem alchimisten sein instrumenten verendert werden, unnd er darnach presthafftig erscheinen muß. ? Also auch das wasser, ist dem leib unnd den reservaculn widerwertig, durch sein natur, wesen unnd eigenschafft, unnd so starck, daß die instrument vom wasser verstopfft oder vorkehrt, oder verendert werden. ? Dergleichen vom lufft unnd allen notturfften: unnd dergleichen andere außwendige zufäll, die all gewaltig sind, die reservacula, instrumenta, emunctoria zerbrechen, verendern unnd vernichtigen: als dann ist der alchimist todt und schwach, mag sein werck nimmer verbringen, in massen und form wie es ihm zugeben ist, unnd wie er gesetzt ist.

[H1,32]
Cap. XI.

Auch sollendt ihr nit vergessen, daß die reservacula, instrumenta, und emunctoria verderbt werden durch den mundt, auß dem lufft, oder speiß oder trincken, und das also. ? Der lufft den wir an uns zihen, der ist nicht ohn gifft, dem wir gewaltig unterworffen sindt. ? Aber hie mercken von viele der speiß und trancks, und von der unbequemi speiß und trancks, die sich nicht concordiren mit den instrumenten des leibs, brechen die instrumenten auch, und die gar gewaltiglich: das also der alchimist aber nit in seiner wirckung stehet, unnd wird da digestio, putrefactio, oder corruptio. ? Unnd nach dem unnd die eigenschafft ist des giffts desselbigen dinges, das der mensch einnimpt, nach demselbigen eignet sich der magen, unnd das ander im leib: das ist darnach die eigenschafft der mutter der kranckheiten desselbigen leibs. ? Dann da solt ihr gedencken und wissen in euch, ihr artzt, das nuhr ein gifft die mutter der kranckheiten gebiert, und nit mehr. Als wenn ihr essen fleisch, olus, gemüß, gewürtz, und also unter denen essenden wird im magen ein corruptio geboren, so sind sie nit alle schuldig daran, allein eins: eintweders das krautgifft, oder das fleischgifft, oder gemüßgifft, oder gewürtzgifft. ? Daß solt ihr für ein grosse heimligkeit halten, wann ihr das wol erkennt, welchs gifft die mutter sey der kranckheit: alß dann mögt ihr wol artzt geheissen werden. Wann, ihr wisset dann, womit ihr helffen sollet, das ihr sonst irrig thut. Also sey euch dz ein grundt, der mutter aller kranckheiten, deren viel hundert sind.

Cap. XII.

So wöllen wir euch ein klein unterricht geben von den gifften, damit ihr artzt uns verstanden, was wir für gifft achten. ? Demnach wir anzeigen, das in allen narungen gifft sey, das macht auß der nahrung ein gewaltiges ens uber unsern leib: darnach setzen wir, wie ein alchimist sey, der das scheidt vom gutten, dem leib ohn schaden, durch sein instrumenten unnd reservacul: als dann kompt die essentz zu einer tinctur des leibs: das gifft in die emunctorien auß dem leib. Und dieweil das also gehet, so ist der mensch gesund, [H1,33] deß ens halben. Aber dabey melden wir widerwertigkeit, die da begegnen mögen in diesem ens, die dasselbige brechen: und darnach also, wie angezeigt ist, die mütter der kranckheiten geboren werden: von dem gnug gesagt ist. So mercken jetzt uns weyter, von gestalt der gifft. Euch ist in guten wissen, was die emunctoria sind, und wie viel ihr sind: auff das mercken die erkantnuß des giffts. ? Was durch die schweißlöcher außgehet, substantialiter, dasselbige ist ein resolvirter mercurius: was da außgehet durch die nasen, dz ist ein weisser schweffel: durch die ohren, ist ein arsenich durch die augen, ist ein zergangner schwefel, der da resolvirt ist in ein wasser: durch den mund, ist ein resolvirter schwefel: durch den harn, das ist ein resolvirung vom saltz: durch den dreck, das ist ein gefeulter schwefel. ? Und wiewol die notturfft erforderte in euch, das wol zuerkennen, in was gestalt ein jedliches bewert wirt: hatt in diesem unsern parenthesi nit platz: aber de constructione humana werdet ihr der philosophey ein grundt finden in solchem, das einem artzt gebürlich ist zuwissen, unnd nott: als wol als die artzney umb viel ursachen, daß de putrefactionibus alles gemeldet wirdt, das euch, als artzten, zu lesen angebürt: dergleichen wie das gifft im guten ligt, werden ihr an selbigen enden auch finden.

Cap. XIII.

Ein exempel wöllen wir euch fürlegen, euch kürtzlich zuerkennen das gifft unter dem guten: und die beschaffung eins jeglichen dinges in ihm selbst volkommen, aber gegen andern, menschen oder thieren, dasselbige zugebrauchen, tadelhafftig und gifftig, und das also. ? Der ochs ist mit seinem ornat beschaffen ihm selbst auff sein notturfft, die haut, für die zufäll deß blossen fleischs, die emunctoria zu dem alchimisten: aber diß will uns hie nit ein exempel sein, sondern also der ochs ist beschaffen im zu seiner notturfft in die form, und dem menschen zu seiner nahrung in die speiß. Nun mercken, das er wolhalber des menschen gifft ist: wer er allein beschaffen von wegen des menschen, und nit sein selbst auch, so bedörfft er der hörner nit, noch der bein, noch der klawen: wann darinn [H1,34] ist kein nahrung: das darauß wirdt, ist nicht ein notturfft. So mercken, das er ihm selbst gantz wol beschaffen ist, und nichts an ihm ist, das er entberen möge: und nicht mehr haben mag, auch aber so ihn der mensch zu seiner narung neust, so muß er das auch niessen, das wider ihn ist, unnd ihm gifft ist, das dem ochsen gar kein gifft ist gewesen: dasselbig muß sein natur scheiden, das ist, sein alchimist: darauß werden allerley gifft, nichts entschlossen. ? Wann ein jedliches gifft wird durch den alchimisten getrieben in seine emunctoria auß, darauß werden alle emunctoria erfült. ? Welcher alchimist der menschen also viel kan, als der im menschen, dem gebrist kein kunst. Dann laß ihm das ein jedlicher ein exempel sein, wie der alchimist der natur wercket, also sollen ir auch wercken. ? Und so die gifft gescheiden sind, und nit sehen wie das gifft: so gedencken, dz auß dem hüttrauch ein schön güldenes oel wird, daß das aller verfluchtigest gifft ist, unnd der rotz der nasen sicht seim gifft nit gleich, aber es ist das verfluchtest gifft, auß dem alle hauptkranckheiten der flüssen kommen, das an den kranckheiten wol erkennt wird.

Particula I.

Also wöllen wir euch mit diesem genugsam erzehlet haben das ens veneni, das es kompt allein auß dem, das wir essen und trincken, das ist, gifft und gut. ? Nach demselbigen so mercken weiter, wie die digestion die ist, die da corruptio ist, so sie corrumpirt wirdt. ? Demnach so mercken, wie und was gestalt ein jedlichs gifft wirdt an seim ortt: unnd was darnach durch dasselbig gifft künfftig vor kranckheiten geboren werden, oder tödt.

Particula II.

Und wiewol wir euch nit anzeigen in diesem ens, wie ein jedliche kranckheit geboren wirdt auß den gemeldten gifften der speiß, nach den emunctorien außgetheilt: so solt ihr dasselbig von wegen minder irrung des parenthesis außlassen, und suchen in libris de morborum origine, an welchen enden wir dasselbige euch nach disem grund gnugsam anzeigen. ? Und also werden ihr finden, was die kranckheiten sind der arsenicken, der salien, der schwefeln, der mercu = [H1,35] rien: nach außtheilung eins jeglichen form und gestalt, wie es an ihm selbst gesipt ist, kranckheiten zugeben. Und wöllen also das ens damit beschlossen haben, und für ein grund, ander unsere bücher zuverstehen.

Parenthesis interclusae

Liber tertius & pagoyum tertium

Tractatus de ente naturali

Cap. I.

Demnach und ir artzet wol mögt ein seltzamen verstandt nemen in euch, zwischen ens naturale, und ewren geschrifften: wöllen wir uns da deß nit beladen, und zeigen an ein ens naturale, welchs das dritt ist nach unserm parenthesi, auß welchem ein jedliche kranckheit geboren mag werden, und wirdt, wo ens naturale zu solcher enderung kompt, wie euch die nachgehenden capitel erzehlen werden. ? Anfenglich mercken, was ens naturale sey: und so wir in seiner außlegung uns nicht gebrauchen ewer mutter sprach, und die so ihr gelehrnet habt, dieweil ihr gesessen seydt in der schul, unter [der] ersten letzten oder in Heinrichmanno: gedencken des newen gewalts, unnd der einfaltigkeit der alten vergebnen mennern. ? ens naturale ist das: ihr wist in der astronomey die influentz, das firmament, unnd alles gestirn, und wist die stern, planeten, und des himmels art, auff den hindersten puncten zuerzehlen, und erkennets alles. Also sey euch das ein introductorium unsers anfangs, das in gleicher gestalt, wie ihr das firmament in himmeln erkennt: ein gleichförmige constellation, firmament, und dergleichen, ist im menschen. ? Wir wöllen uns durch ewer lehr nit beschemen, das ihr heissen den menschen microcosmum. Der name ist gerecht: aber ihr habt ihn nie in keim verstandt gehabt, [H1,36] unnd ewer außlegung sind dunckel, unnd geblendt. ? Also solt ihr uns verstehen, wie wir microcosmum außlegen. Wie der himmel ist an ihm selbst mit allen seinem firmament, constellationen, nichts außgeschlossen: also ist auch der mensch constellirt in ihm, für sich selbst gewaltiglich. ? Als das firmament im himmel für sich selbst ist, und von keim geschöpff geregirt wird: also wenig wirdt das firmament im menschen, das in ihm ist, von andern geschöpffen gewaltiget: sondern es ist allein ein gewaltiges frey firmament, ohn alle bindung. ? Also mercken zweyerley geschöpfft: himmel und erden für eins: den menschen für das ander.

Cap. II.

Also, erzehlen wir euch das: ihr wißt die leufft des firmaments, biß auff den minsten puncten: demnach wißt ihr die erden mit allem ihren gewächß: und wißt die elementen, und alle wesen. Solchs sollet ihr alles verstehen im menschen, und wissen, das im menschen das firmament ist, mit gewaltigem lauff leiblicher planeten, sternen, die da geben exaltationes, coniunctiones, oppositiones, und dergleichen, wie ihrs nennet nach ewrem verstandt: und alles so die astronomische lehr tieff und schwer ergründt hat, durch aspecten, sidera, und ander, dasselbig solt ihr euch lassen ein underrichtung unnd lehr sein, auff das leiblich firmament. Dann ewer keiner, der da leer ist der astronomey, mag voll werden in der artzney. Also ist das für ein theil geredt: was das firmament begreifft, soll euch sein ein anzeigen unnd verstand auff das leiblich firmament. ? Nuhn weiter sollen ihr sinnen, das die erden alle frücht gibt: das auß der ursachen, dz der mensch das gelebe, und deß ernehrt werde. Ein solchs solt ihr auch im menschen wissen, das in ihm wachst alle frucht, so in der welt wachst, graß und anders, und das in dem weg. ? Ihr wisset, dz die erden allein darum ist, dz sie die frücht trag und den menschen: also ist der leib allein darumb auch: also wachst auß dem leib in ihm selbst, alle die narung, die die gebrauchen sollen, so in ihm sind, als die glider. Solchs wachsen ist als viel, als die frücht der erden: wie sie den menschen halten, also halten die [H1,37] wachsenden nutrimenten des leibs, die glider des leibs auff: also wachsen im menschen alle ding. ? Das reden wir euch dorumb, das ihr verstehn sollendt, das die glieder des leibs keiner außwendigen nahrung bedürffen: sondern der liebt gibt ihn die narung auß ihm selbst. ? Dabey solt ihr verstehen dz nur 4. glider sindt, die der leib neert: die andern sindt planeten, bedörffen keiner narung, wie das firmament. Dann zwyfach ist der leib: firmamentisch und erdisch. ? Aber ihr solt wissen, das der mensch zwey geschöpff an ihm hatt: die selbspeisende, unnd die mangelnde.

Cap. III.

Unnd wie wir euch erzelen, das etwas im leib ist, das der außwendigen speiß nit bedarff: das ist das firmament im leib. Dann wie der himmel steht in seim firmament on narung: also steht auch das leibliche firmament. Aber der corpus, der als viel ist als die erden, der gibt von ihm selbst narung den 4. glidern: die selbige neeren sich desselbigen, und bedörffen auch keins außwendigen nit: auß ursachen, das 4. geist im leib sindt, die neert der leib. ? Aber noch mehr müst ihr mercken den leib zu enthalten: ist ein solches, das ihr woll wisset, das etwas ist, das das firmament und die erden halt, das es das gibt, das wir in ihnen erfaren haben zu sein: aber das wir das ergründen mögen, was form, was angsicht es hat, des berümen wir uns nit. ? Aber also solt ihr das verstehen, das der mensch also auch ein bandt hat, das er muß ein narung nemmen von aussen an: dieselbig narung dient allein auff den corpus, wie ein mist ein acker: es gibt kein frucht in ihm, es mehret die samen in ihm nit, es thut nichts anderst, dann das es denselbigen in der substantz halt, und geyl macht, wie der mist den acker, sonst ist er ihm nichts nutz: also gleich so viel ist die speiß dem menschen nutz, als were es sein mist. ? Dann weder das leben, noch die vernunfft, noch die inwendigen geister, noch kein solchs, kompt vom essen und trincken: sie bessern noch bösern sich nit darab: steht also inn, wie der mist auff dem acker, der behalt ihn gutt, unnd macht ihn besser, auff ackerische art: also die speiß dem leib auff [H1,38] leibische art: aber nichts auff das so im leib ist. ? Und also sey euch gnug ein inzug geben, zuverstehen die nachgehenden capittel, das ihr wissen sollend, das wir den menschen in dz firmament setzen seins eignen leibs, und in sein eigen erden, und dergleichen, in ein elementen unnd in andern dergleichen, wie ihr in dem lesen erfaren werden.

Cap. IIII.

Anfenglich setzen wir euch den verstand auff das firmament: darin ihr am ersten solt mercken die creatz und die praedestinatz: das ist, der anfang und das end, und was ein jedlichs da zwischen handlen soll. Solchs reden wir auff dz firmament: und also mercken uns, dz im leib ligendt 7. glider: dieselbigen 7. glider, nemen kein narung, sondern sie stehndt in ihnen selbst, wie die siben planeten, die sich selbst erneeren, und keiner vom ander isset noch trinckt, noch von ander gestirn: und des nemmen ein solchen grundt. Der iupiter ist ein solcher planet, der zuenthaltung seins leibs, kein mists darff. Er hat in der creatz gnugsame versorgung empfangen. Also auch die lebern, bedarff sie nichts das sie gemist werde, sondern sie hat ihr wesen on allen mist. ? Und das ihr uns wölt einwerffen, und sagen von der dewung der lebern, dz wollen wir in ein gelechter ziehen, sam hörten wir einen teutschen dichter von blawer farben, und bergen, da nichts hinder wer: wie Wir aber die dewung setzen, dasselbig wollen wir dem alchimisten befehlen, das ist, dem bawren, der den mist macht auff dem acker: dann diese 7. glider misten nichts. Also wie ihr das vestanden habt vom iupiter und der lebern: also verstehn, das das hirn ist der monn, das hertz die sonn, dz miltz saturnus, die lungen mercurius, die renes, venus. ? Und in gleicher maß wie die obristen firmamenten ihren lauff füren und erzeigen: also solt ihr in diessen auch verstehn. Dan wolt ihr wissen den crisin, so müst ihr den naturlichen lauff im leib erkennen: wo ihr den nit erkent, so könt ihr die morbos naturales, das ist auß dem ente naturali, nit in crisin setzen: dann ihr crisis und der himmlischen crisis sindt zwey, gantz weit von einander, als ihr wol mercken werden.

[H1,39]
Cap. V.

Also wollen wir euch die unterricht geben, den crisin zu finden, so weit diesem parenthesi zugebürt, unnd das also. ? Ein kindt, das geboren wirdt, mit demselbigen wirdt geboren sein firmament unnd die 7. glider, de ihnen selber gewaltig seindt 7. planeten zu sein: unnd also alles firmament, so zu einem firmament gehört. Dann so wir reden vom firmament, so meinen wir ein volkommen firmament, unnd nit ein leeres: als dann im kindt volkommen ist. Dieses firmament des kindes nimpt in seiner geburt an praedestinationem, das ist ein solches: wann in ihm gesetzt ist die creatz volkommen, im selbigen puncten ist gesetzt die praedestinatz, das ist ein solches, wie lang ens naturale lauffen soll. ? Ich setz, die creatz geschicht auff die stundt: als dann ist das endt dieser creatz darneben, das wer im 30. jhar. Dann die creatz unnd ihr ens vermag daß, das sie weiß in der natur, und hat das in der natur, wie lang ens naturale gehen soll, auff wie viel jhar. ? Ein solchs exempel. Ein sandtuhr, die du setzest, und last lauffen: als bald sie laufft, so weist du, auff welchen puncten sie auß ist: also ist die natur in creato, das sie weyß, wie lang ens naturale lauffen wirdt. Unnd also wie lang sie laufft unnd lauffen soll: also dem nach und der zeit, setzt das ens naturale und creati alle die leuff, die den leiblichen planeten zugebüren, in leib, das sie alle verbracht werden in der zeit zwischen der creatz und praedestinatz. Also ein exempel. Ein kindt wirdt geboren auff die stundt, unnd solt leben nach dem ens naturale 10. stundt, also, das sein praedestinatz in ente creato also geordnet wer: so werden die leiblichen planeten in ihrem lauff alle erfült, als wann es hundert jhar alt wer geworden. Unnd ein hundert järiger mann hat nicht mehr lauff, aber langsamer, als ein einstündiges kindt, unnd noch ein jüngers. ? Also solt ihr uns verstehen in ente naturali, was creatum unnd praedestinatum ist: unnd mercken darneben, das die andern entia, die praedestination offtmals brechen.

[H1,40]
Cap. VI.

Dorauff geben wir euch zuverstehen, daß das himmlisch firmament, einmal geboren ist, unnd weret als lang als die menschen: dorumb so hat es einmal sein lauff geboren, und sein praedestination, und macht kein jungs nit. Dorumb so sindt ihm alle die leuff gelengert, in einer solchen gestalt, das der praedestination erwarten möge, so auff sich selbst gesetzt ist. ? Aber der mensch, der hat dieselbigen leuff alle in ihm, in einer stundt, so sein ens naturale in ein stundt gesetzt wirdt. Dorumb geht die verwandlung des mons, das hirn nit an: wann ursachen, viel hundert mal, viel tausentmal ernewert sich das hirn vom hertzen, do der monn nit einmal von der sonnen den schein empfacht: und vollendet gleich so viel new, unnd voll, in seiner praedestinatz, als der monn in der seinen. Also hatt es Gott beschaffen. ? Dorumb zu creticiren, und den crisim zuerkleren astronomisch auff das ens naturale, das ist unkünstlich. Aber was der leib in ihm selber durch sein ens naturale krencket, das cretisirt er nach seim lauff, und nit des himmels firmament. ? Also auff das ens naturale hat der saturnus nichts mit dem miltz zuschaffen, noch das miltz mit ihm. ? Drumb zeel an vom creato, biß auff die praedestination, und laß den himmel, ein himmel sein, seines firmaments: den er gibt dem kindt sein creatum nit: daß kindt ihm sein creatum auch nit: also hat keins nichts vom andern, des ens halben. ? Welcher der were, der do wüste die praedestinatz des himmels, der erfüre die praedestinationes des menschen: aber allein Gott weist die praedestination, das ist, das endt. ? Auch so mercken, domit wir euch on vergessen tragen die exaltationes, coniunctiones, oppositiones, unnd dergleichen, was solchs ist: das dasselbig nit materialiter beschicht, sondern geistlich: dieselbigen erfüllen den lauff, unnd nit die substantz. ? Wann die schnelli der leuff des leiblichen firmaments, duldet das auffnemmen und abnemmen in der substantz nit: drumb allein der geist in einem jedlichen glidt die leuff vollendet, wie die planeten, dieselbigen haben die zeit wol auff unnd abzuwachsen. ? Dorumb heist es ens longum, der mensch ens breve.

[H1,41]
Cap. VII.

Das hertz ist die sonn: unnd wie die sonn wircket in die erden, und ihr selbst, also wirckt auch das hertz dem leib und ihm selbst. Und ist es nit der schein wie der sonnen, so ist es der schein des leibs, den der leib bedarff, dz ihm das hertz sonne genung ist. ? Also der monn auch sich wie das hirn vergleicht, und das hirn wie er: im geist aber, nit in der substantz. Auß der ursachen kommen dem hirn sovil zufell. ? Das miltz fürt sein lauff wie saturnus: und als offt er lauffen muß von seim creato biß auff sein praedestinatz: also dz miltz von seiner geburt, biß auff sein todt, sovil leuffe thut. ? Die gall, ist der mars: aber es vergleicht sich nit in seinem wesen dem marti, auß ursachen, das jedtweders firmament sein sundern brauch und wesen hat auff sein subiect, da es hin verordnet ist: also ist die gall in der substantz, wie der mars im geist, unnd ist in ihrem geist, wie der mars im laufft. ? Die renes haben venerische art und ihr exaltationes, minder und mehr, wie venus, nach beyder praedestinirung: und die wirckung die venus thut, dieselbige dient auff die frücht der erden, dieselbigen zugeberen: also dient die krafft der niren auff die menschliche frucht, also, das venus nichts im leib wircket noch anzündt: allein die renes haben deß gewalt, und kein anders. Und wie venus anzündt wird durch die endtpfahung der krafft vom ente magno: also endtpfahens die niren von den sinn des menschen. ? Der mercurius ist der lungen ein gleicher planet, jedliches gewaltig in seim firmament, und keins dem andern nichts in dem seinen indringig: und wie mercurius der erden nutz ist, unnd zu was früchten er ihr gutt ist: dasselbig ampt verbringet die pulmo im menschen. ? Unnd der iupiter ist der lebern planet gleich, also gantz in ihrem wesen, das ihr wissen sollt, wo die lebern nicht weer, da würd nichts guts im gantzen leib: als auch iupiter thut, durch sein gütti all ungestümmigkeit miltert: und sindt beide eins gleichen lauffs, unnd gleicher ubung, jedlichs in seim firmament.

[H1,42]
Cap. VIII.

Wie wir euch itzt angezeigt han, und gesetzt von ente naturali, wie es in den constellationibus stehet, domit ihr woll mercken müget den grund [wollen wirs] de sideribus corporum ergründen, und also hie ruwen. ? Aber jedoch auff mehrer infürung, wöllen wir ettlichs hie hernach auch melden, das uns in diesem parenthesi nützlich wirdt sein, auff die nachfolgenden capitel: dasselbige solt ihr also erkennen. Der lauff der geisten deß leiblichen gestirns, ist von seim ursprung, das ist von seim stam, zu endt desselbigen glides: und hinwider zu den stam, als zu seinem centro, gleich als ein reflex. ? Ein exempel: das hertz gibt sein geist durch den gantzen leib, wie die sonn uber alle gestirn und erden. Also mercken: dieser geist nützt allein den leib, unnd die 7. glieder nit in ihrem auffenthalten. ? Das hirn geht allein zum hertzen, und vom hertzen wider zuruck auff sein centrum geistlich, und weiter kein andern gang. ? Die lebern laufft in ihrem geist allein im blut, unnd berürt auch sonst nichts mehr. ? Das miltz laufft sein gang in der seitten und im gederm. ? Die renes lauffen ihren gang durch die harnweg und lenden, mit ihren umb wohnenden stetten. ? Die lungen laufft ihren gang umb die brust und kehlen. Die gall laufft ihren gang im magen und ingeweydt. ? Also wie das ein anzeigung ist, solt ihr verstehn, so sie irren, und kommen in andern gang, als der gang splenis in die geng fellis, da werden kranckheiten geborn. Also auch mit ander gengen. Solchs werden ihr de generatione morborum lautterer verstehen: domit sey hie gnung angezeigt. ? Andrer sternen halben solt ir dergleichen mercken, das sie im leib auch sindt, nach inhaltung desselbigen firmaments: welchs de sideribus corporum erfunden wirdt, und von der irrung der gestirn, die sich so selber neeren, von ihren reflexen, die sie haben in ihren gengen. ? Auff die ursachen sagen wir euch das, das ihr solt im menschen verstehn 7. leben, da keins antrifft dz rechte leben, in dem die seel ligt, als de anima et vita gefunden wirt. Also mercken, wie die andern glider das leben empfahen von den 7. jedlichs glidt von seinem planeten, das ist, in dem lauff der sein ist.

[H1,43]
Cap. IX.

Wie wir also beschlossen haben das nechst capitel auff 7. leben, und ein jedlichs glidt hat sein planeten: auff welchen grundt ihr mercken solt, was der lebern unterworffen sey, die sich des lebens erhalten von der lebern: deßgleichen welche dem hertzen unterworffen sindt, und von dem hertzen leben: also von andern allen. So ist euch itzt zumercken von den elementen des leibs. ? Und so wir euch ein frembden stylum einfüren würden, der euch anderst ansehen würdt, dan ewere collecten inhielten: des wollen wir uns nit bekümmern. Damit so solt ihr verstehn, waß die elementen, und wie die elementen im leib sindt: dan sie mitherschen in ente naturali: wan ettliche kranckheiten kommen auß den 7. ettliche auß den elementen: ettliche auß den qualiteten: ettliche auß den humoribus: ettliche auß den complexen: wie dan hernach folgen wirdt. ? Aber hie die elementen des leibs zuverstehen, gedencken den grundt. ? Das fewr, nimpt sein ursprung auß dem lauff der 7. Dan ihr lauff den sie haben, treibt die hitz, so in ihnen ist, wesentlich auß ihnen, daß also: das element fewr im leib ist unsichtig, es sey dan dz etwan ein streich gang auff die augen, als dan werden funcken gesehen: auß ursachen, dz am selbigen ort die geng offen stendt, und am heitersten, und bey den augen, da die funcken am minsten mögen verborgen werden. Also wie wir auff erden kein fewr haben, wir schlahends [dan] auß: also ligts im leib auch verborgen. ? Das wasser ligt im gantzen leib, in allen adern, geädern, gebein, fleisch, und in allen glidern: und kein glid im gantzen leib ist, es hab bey ihm das wasser, und sey damit umbgeben wie die erden, und durchzogen wie die erden. ? Der lufft ist im leib auß dem stetigen lauff der glidern, der machet wind im leib: wie die 4. wind der welt entspringen, also verstand auch von diesen. ? Demnach die erden ist das, dorin die nutriment wachsen und entspringen. ? Also sindt im menschen 4. elementen, wie sie auff erden seindt, nach ihren praedestinatzen. ? Aber wir wollen mehr achten und darfür halten, das der schöpffer ein frey geschöpf gemacht hat mit den 4. elementen, und dz sie nit entspringen auß andern glidern, als die bucher de creato primo außweisen.

[H1,44]
Cap. X.

Wie also angezeigt ist von dem lauff der sternen, das ist des firmaments, darnach der elementen, wie sie im leiblichen cörper inwohnendt, und wesentlich sind für sich selbst, jedtliches in seim gewalt: also wollend wir euch angezeigt haben dieselbigen mit genugsamer leer. ? Und damit das ens naturale grundtlichen herfür komme, so Inbilden wir euch die 4. complexiones, choleram, sanguinem, melancholiam, und phlegma. ? Aber wie wir die erzelen, so wollen wir uns vorhin entschlagen haben der redt, dz sie von dem gestirn oder elementen kommen, oder seyendt: deren keins nit ist mit nichten nit. Aber wir wollen euch nachgeben, und ewer argumenten probiren, das sie ein besonder geschöpff sindt in die corpora, und das also. ? Im leib sindt 4. gustus: also auch in der erden: sewri, süsse, bitteri, sältzi. Auß den 4. setzen wir euch hie ein außlegung, und die also. Die 4. gustus sindt volkommen in eim jedlichen subiect: aber in keim subiect sindt sie zuergründen, dan allein im menschen. ? Die cholera ihren anfang auß der bittere: und ein jedlichs ding das bitter ist, das ist heiß und trucken, betrifft aber das fewr nit: dan das fewr ist nit heiß, ist auch nit trucken: ist ein fewr. ? Die sewri ist melancholia: wan alles, das da sawr ist, das ist kalt und trucken: daß nimpt sich unter dem namen melancholia, unnd betrifft die erden nichts an: wan erden und melancholia hat weit zueinander. ? phlegma gebiert sich auß der suesse: dan was das sueß ist, das ist kalt und feucht, und vergleicht sich dem wasser nicht: auß ursachen, phlegma und wasser ist wie fewr und wasser. Sanguis ist auß dem saltz: und was da saltzisch ist, dz ist (sanguinisch) heiß und feucht. ? Also solt ihr mercken die vier complexen, wie sie im leib entspringen, die sewri, suesse, bittere und sältzi: der andern wollen wir ein ander capitel anzeigen. ? Also mögendt ihr sprechen, wen das saltz ubertrifft im menschen auß dem ens complexionis, das er sey ein sanguineus: ubertrifft die bitteri in ihm, das er sey ein cholericus: die sewri, ein melancholicus: die suesse, ein phlegmaticus. ? Also sindt die vier complexiones im leib [H1,45] wie in eim garten, in dem da wachst, amarissa, polypodium, vitriolum, unnd salniter: also mögen sie im leib alle stehn, aber allein eine bricht für.

Cap. XI.

Wie die complexiones angezeigt sind, so mercken, das weiter dem menschen auß dem nichts zu zulegen ist, als ihr wol im sinn hetten nach dem wesen des menschen: als das ihr sprechen, ein sanguineus sey frölich, ein melancholicus traurig: das ist nichts. Dann die ding heissen wir proprietates spirituum, das ihr nennen proprietates naturae. ? Ihr solt mercken, das die natur der keins nit gibt, als fröligkeit, geschickligkeit, und dergleichen: allein die spiritus die geberen die, kommen nit auß der natur, sondern auß incorporischen, verschlossen im corporalischen. ? Darumb ihr euch nit gebrauchen solt des sprichworts, das auß der natur kompt: dann der weiß mann hat das nit auffbracht. ? Aber weiter das ens naturale zubedeutten, so mercken auff den humorem: derselbig ist als vil als liquor vitae, dann auß im lebt der leib. Von diesem leib auffenthalt, derselbige ist ein leben der glidern. Dieser humor ist ein ens für sich selbst, unnd ist der, der da gebierdt die ertz in der erden, und im leib, die güte und böse des menschen. ? Darumb also verstand das: ein mensch der ist gesetzt auff viel hundert tugenden, deßgleichen auff viel hundert boßheiten. Dieses kompt im auß keim gestirn seins leibs, noch sonst eins andern firmaments: es kompt ihm auß dem humore: und deß also ein exempel. ? Die welt hatt in ihr viel ertz, das ist, viel tugendt, an eim ortt böß, am andern gut: also gleich im menschen auch ist: in ihm seind vil tugenden, auß ursachen, sein humor ist der natur des guten ertz: in ihm sind viel boßheiten, das ist ein ursachen, dz sie viel böß ertz geberend. Diese tugenden sind nit nach den sitten deß menschen, noch nach den geberden des menschen: sondern nach den farben und gezird. Dann welcher wol geferbt ist, derselbig ist eins guten ertzs: welcher ubel geferbet ist, der ist eins bösen ertzs. ? Also solt ihr nicht sprechen, daß der [H1,46] mensch, der [der] rosen gleich ist, das er sey ein sanguineus: oder der dem wachs ansichtig ist, das er ein cholericus ist. Aber also solt ihr sprechen: welcher rosen rott ist, das er ist ein gutter solaris, dann goldt ist der adliche farb auff rosin: deßgleichen von andern farben also zuerkennen ist. ? Unnd das sagen wir euch an, auß der ursachen, das euch die farben anzeigen den humorem: auß welchem ihr solt ein grund nehmen, was natur der humor sey: dann ihm sind viel kranckheiten unterworffen, die den andern nichts in gewalt stehndt.

Particula I.

Auff die vorbemelten anzeigungen deß lauffs deß leibs, mercken nun, das der leuff im leib 4. sind: das firmament, die elementen, die complexionen, die humores. Auff diese 4. solt ihr mercken, das alle kranckheiten in den vieren stehnd, und auß ihnen entspringen. ? Wann alle kranckheiten werden getheilt in 4. geschlecht auff das ens naturale. Ein geschlecht auff die sydera: das sind morbi chronici. Das ander geschlecht auff die elementa: das [sind] morbi peracuti. Das dritt geschlecht auff die complexiones: das sind morbi naturales. ? Das vierdt geschlecht auff die humores, das sind morbi tingentes. ? Wie also die 4. geschlecht der kranckheiten sind, solt ihr also erkennen, die kranckheiten entis naturalis zusetzen.

Particula II.

Und wie alle geschlecht in speciali geheissen werden und benempt, dasselbig setzen wir in diesem parenthesi nit: sondern wir wöllen dasselbig de morborum origine wol specificiren. ? Aber wie angezeigt ist, das ens naturale durch xj. capitel, solt ihr wissen, daß der leib also geweltiget wirdt, so alle andere entia ihn frey lassen, unnd lieblich ansehen. Unnd damit das ihr deß ein mehrern grund haben, sollen ihr dasselbig weitter suchen de morbis et practica: und was euch an selbigen enden abgeht, das finden ihr hie verzeichnet.

[H1,47]
Textus parenthesis super ens quartum

Liber quartus, & pagoyus

Tractatus de ente spirituali

Cap. I.

Aber uns zuerkleren das ens spiritale, ist auch ein vollkommener gewalt, der da krencken hat den gantzen leib, und den zuverwandlen in alle kranckheiten. ? Und wiewol das ist, dz mancherley inleuff mögen ingelegt werden, dieselbigen wöllen wir mit dem rücken ansehen: denn wir wöllen uns nit deß bekümmern, dz ingeworffen wirt, unnd sich selbst wider hinauß treibt: dann einwerffen soll ein bleibens haben, deß die einwürff der andern wider uns, nit erfinden. ? So wir aber euch das ens spiritale sollen erzehlen, ermanen wir euch, das ihr von euch leget den stylum, den ihr nennen theologicalem. Dann nit alles ist heilig, das theologia heist: auch nit alles selig, [das] dasselbige gebraucht. Also ist auch nit alles war, das sich der gebraucht, das er nit verstehet, der theologey. ? Und wiewol dz ist, daß die theologen am gewaltigsten diß ens beschreiben, aber nit unter dem nammen und text unsers vierdten pagoyums: auch vermeinen sie, dz wir beweren. Aber wo nit handgriff ligen, wöllen wir reden lassen: schwetzen geht auß dem maul. Aber wenn es auß Gott gieng, wolten wir unser papir ersparen, und ihren geschrifften befehlen. aber eins solt ir verstehen von uns, dz ist ein solches, dz diß ens zuerkennen, nit auß christlichem glauben kompt: dann es ist uns pagoyum: es ist auch nit wider den glauben, in dem wir hinfaren werden. Damit solt ir erkennen in euch selbst, das ihr in keim weg ein ens solt verstehn unter den geisten, als das ihr sprechend, es sind all teuffel: da reden ihr unbesinnt, und gantz taub ist die red, [H1,48] der teuffel thuts. In solchem ente spiritali mercken auff, das da kein teuffel, noch sein effect, noch sein zulendung begriffen wirdt: dann der teuffel ist kein geist: ein geist ist auch kein engel. ? Daß ist ein geist, das auß unsern gedancken geboren wirdt, ohn materia, im lebendigen leib: das nach unserm todt geboren wirdt, das ist die seel.


Cap. II.

Wie wir das also gelassen haben im vordern capitel, und entschlagen uns der geschweifften treumen unnd wenen der theologischen sprüchen: wöllen wir also euch auff das ander ein underricht geben, wie ihr solt verstehn den geist. ? Der engeln, und der teuffeln, wöllen wir hie nichts gedencken: dann sie gehörend in die philosophey, die uns da das ens nicht beschreiben soll: sondern die mutter der artzney soll die sein, die da reden wirdt. ? Darauff mit dem geist, das unser ens innhalt, am ersten zu erkennen ist, unnd das also. ? Wir legen euch für, das der geist alle kranckheiten mache, wie die andern gewaltigen ens, ohn alle hinderung. Darauff verstanden, das zweyerley subiect der kranckheiten sind, in welchen alle kranckheiten verbracht werden, und ingedruckt. ? Das ein subiect ist die materia, das ist der leib: in demselbigen ligend alle kranckheiten still, und wohnend in im, wie dann die andern ens infallen auff ihn. ? Das ander subiect ist kein materia, ist der spiritus des leibs, derselbig ist im leib ungreifflich, unsichtlich: derselbig mag leiden von im selbst alle kranckheiten, und tragen unnd haben, gleich wie der leib. ? Und darumb heist das ens spiritale, auß ursachen, dz der leib nichts in dem hatt. Darauff so mercken, daß die vorbemeldten drey entia dienen auff den leib: aber die nachgehenden zwey, spiritale und deale, dienen auff den geist. ? Und damit euch nit vergessen werde, so gedencken, wann der spiritus leydt, so leydt der leib, wann er erzeigt sich im leib, unnd ist doch nicht im leib: deß verstanden die außlegung. Zweyerley kranckheiten sind unter allen kranckheiten: das sind die materialischen, und die spiritalischen. Die materialischen sind die, die da tingirt werden materialiter, als die drey ersten ens: [H1,49] spiritualisch sind die, die da nit tingirt werden materialiter, als das spiritalisch und dealisch. Also den spiritalischen wöllen wir hernach folgen, und dieselbig unterrichtung anzeigen.

Cap. III.

Also wie wir anzeigt haben, das zwey subiecta sind: auff das wöllen wir gründen, unnd das also. ? Euch ist wissen, das im leib ein geist ist: nuh gedenckt, warzu er nutz sey? Allein das er den leib endthalt, wie der lufft die geschöpff vor ersticken erwert: also verstanden auch den geist. Derselbige geist im menschen, ist wesenlich, unnd sichtlich, greifflich und endtpfindlich den ander geistern: unnd gegen einandern zurechnen sind sie einander verwandt, als ein cörper dem andern also. ? Ich hab ein geist, der ander hatt auch ein: die geist kennen einander, als ich und der ander: sie uben ire sprach mit einander, wie wir, aber ungenöttet unserer red, sondern was sie wöllen. ? Auff das mercken, das müglich ist, das die zween geist ein zorn tragen auff einander, und einer den andern letzt, gleich wie ein mensch den andern: dieselbige letzung ist im geist, der geist im leib: nuhn leydt der leib, und ist kranck, nit materialisch, auß materialischem ens, sonder auß dem geist: darauff ein spiritalisch artzney gehört. ? Ihr seind zwey, die einander hold werden, uberauß treffenlich: die ursachen ligt nit im leib, kompt auch nit auß ihm: kompt auß ihren geisten, die sich zusammen gesellen: dieselbigen zwey geist, mögen auch einander widerwertig werden oder bleiben. ? Und das ihr deß ein grund verstanden, so merckt, daß die geist von der vernunfft nicht geboren werden, allein vom willen: drumb scheiden von einander den willen und die vernunfft, also. ? Was da lebt nach seim willen, das lebt im geist: was aber lebt nach der vernunfft, das lebt wider den geist. Dann die vernunfft gebiert kein geist, allein die seel wird von ihr geboren: vom willen, kompt der geist, von dem wir das ens beschreiben, und lassen die seel stehen.

Cap. IIII.

Von der geburt der geisten, mercken ein solches. ? Ihr wissen, das kein geist nicht ist in kindern: dann der vollkom= [H1,50] mene will ist nit in ihnen. Also mercken, das die den volkommenen willen haben und verhengen, die geberen in ihnen ein wesentlichen geist, und ein gemachten geist: derselbig wird nit zugeben oder verordnet dem menschen auß dem himmel, er macht ihn ihm selbst: wie ein fewr auß eim kißling gemacht wird, also wirdt durch den willen dieser geist auch gemacht. Und nach dem und der wille ist, also ist auch der geist. ? Da verstanden, das alle die im willen leben, den geist haben, von dem wir schreiben dz jetzig ens: der da ist als viel als ein subiect, in welchs alle kranckheiten eingetruckt werden: unnd dieselbigen muß dann der tragen, der den geist ihm selbst geboren hat. ? Wie also die geburt des geists erzehlet ist, mercken, das zwo welt sind gantz wesenlich: die eine ist der corporischen, die ander der geisten. ? Nuhn die cörper, und die geist, sind vereiniget: dann die geist kommen vom cörper durch sein willen. Aber also mercken, daß die geist ir welt gleich so wol haben als wir, darinn sie immer wohnen und wesentlich bleiben, wie wir auff der erden: und tragen gegen einander ein sunder gunst, neidt, haß, zorn, und dergleichen, lohn verwilligung der cörpern. ? Also auff unser fürnemen mercken, dz wir menschen mögen gegen einander leben wir wir wöllen: deßgleichen die geist auch. letzen unsere leib einander, so letzen die geist einander nit: deßgleichen letzen die geist einander, daß sie als wol in gewalt haben als wir, so schadts dem leib auch nit materialisch, also das wir drumb auch müssen ein solchs thun, das nicht ist. Aber so die geist einander letzen, so muß der leib deß geletzten geists, die burden tragen die der geist empfangen hat.

Cap. V.

Wie nun also angezeigt ist, wie der geist kranckheit dem leib zufügt: wie aber das beschicht, das solt ihr also verstehen. ? Zween weg legen wir euch für: den Ein ist, wie vormalen angezeigt wirdt, wann die geist einander selbst letzen, ohn willen der menschen, ohn ir gedancken, durch iren neidt, oder dergleichen anderst, so sie zusammen tragen: wie dann die mehrer meldung beschicht an den ortten, die spiritibus, dasselbig ist hie nit nott zuerzelen, allein nott zuerkennen dem artzt, [H1,51] damit und er wiß, dasselbige zuverstehen. Aber den ander weg dardurch die geist uns kranckheiten zufügen, wöllen wir euch erklären. ? Anfenglich melden wir das also, das durch unser gedancken, und durch unser sinn, und willn die da zusammen vollkommen beschehen, und in uns ein vollkommener will beschlossen wirdt, also das wir endtlich uns verwilligen, und begeren, und ergeben in den willen, eim andern zu schaden zusein an seim leib: dieser beschlossner will, unnd verhengter, ist ein mutter, die da gebiert den geist: also zuverstehen: die meinung macht ein wort, und die meinung ist ein mutter des redens: also wo die meinung nit ist, da ist kein red noch wort: also ein solchs ist auch im geist: wie das wort entspringt, also entspringt auch der geist, welcher ein wohnung hatt nach unserm willen, unnd wie wir das begeren, vollkommener verwilligung und begerens.

Cap. VI.

Aber weiter, so ist zu mercken von diesen geisten, in was weg sie uns schaden thund, unnd das also. ? So ich begerendt bin eins vollkomnen willens zuschaden eim andern: nuhn dieser will ist ein geschöpff von mir im geist, das mein geist dem nach handlet nach meim gefallen, wider deß geist, den ich meine, unnd nit wider sein leib, sondern allein wider sein geist, und schediget denselbigen geist: derselbig leidet und duldet im leib, und im leib wirdts empfunden: und ist nit auß dem leib, noch in dem leib, materialisch, sondern der geist der handlet das. ? Aber hinwider, so stehet ein freyer kampff da, zwischen den zweyen geisten: welcher uberwindt, der tregts. Das aber mein widersacher underligt, das ursacht, daß er deß gemütts wider mich nicht also inbrünstig verfaßt ist, als ich wider ihn: wo [er] aber deß kampffs so hitzig ist in anzündung deß geists, als dann lig ich under, so er mehr hitzigkeit wider mich hett. ? Also wie die anzeigung lautt eins kampffs der geisten, ist euch zuverstehen, das auff solchen kampff wundtkranckheiten geboren werden, unnd dergleichen, unnd kein leibkranckheiten. ? Aber die leibkranckheiten werden also durch die geist geboren, daß sie leiblich nach ihrem wesen zufallendt kranckheiten haben, dieselbigen [H1,52] werden im leib volbracht und geendt, als [sie] in büchern de origine morborum erzehlt werden.


Cap. VII.

Aber das wir euch mehrers verstandts machen, so verstanden ettliche exempel, dardurch wir euch benügig machen wöllen, unnd diß ens spirituale beschliessen: unnd also anfenglich. ? Euch ist gut wissen, daß die bilder, so auß wachs gemacht werden, nach dem willen deß geists widereinandern, und darnach dieselbigen bilder, so sie vergraben werden, und mit steinen beschwert, das derselbige mensch, wider welchen dasselbig gemacht ist, groß beschwerung tregt an den orten, da die stein ligend, und genist nit als lang, biß das bild erlediget wirdt, so ist er auch erlediget. ? Nun mercken auch: wird demselbigen bild ein bein gebrochen, so geschicht derselbig bruch dem menschen auch, wider das es gemacht ist: deßgleichen, stich, wunden, und anders. Auff diß exempel merckend die ursachen, und die also. ? Ihr wissen die krafft der nigromancey, auß welcher dieses ein ursprung nimpt, dz die nigromancia vermag, gesicht zumachen, also ob ein ding also sey, daß nit also ist: aber sie vermag nit den leib zuleidigen, es sey dann sach, daß der geist deß andern menschen durch disen geist geletzt werde. ? Also macht ein nigromanticus ein baum, und setzt ihn: welcher darein hawe, der hawet sich selbst. So ist das die ursach, das sein geist, durch den geist deß baums, gehawen wirdt: derselbige geist hat hend und füß wie du, unnd wo er gehawen, da wirstu gehawen: dann du und dein geist, ist ein ding. ? Aber das verstand, daß dein leib die wunden nit entpfecht: wiewol sie in deim leib empfindtlich ist und sichtlich: das ursachet dein geist, der dein glidmaß hat, und dein leib. ? Darauff mercken, daß ihr den leib nit artzneyen, wann es ist vergebens: artzneyen aber den geist, so ist der leib genesen: dann der geist ist wundt, und der leib nit.


Cap. VIII.

Nuhn mercken von wächsenen bildern ein solches. So ich in meim willen ein feindschafft trag wider ein andern, so muß die feindschafft verbracht werden durch ein medium, [H1,53] das ist, durch ein corpus. Also ist es müglich, dz mein geist, on meines leibs hülff, durch mein schwert ein andern erstech, oder wunde, durch mein inbrünstig begeren. Also ist auch müglich, das sich durch mein willen, den ander geist meins widersachers, bring in das bildt, und ihn darnach krümb, oder lähme, im bildt nach meim gefallen. ? Unnd wiewol viel noch mehr ursachen hie zuerzelen werendt, so ist es nit nott, zu diesem ens: wann philosophia erklerts noch baß. ? Aber ihr solt wissen in euch, das die wirckung des willens, ein grosser punct ist zu der artzney. Dann einer der ihm selbst nichts guts günt, unnd ihm selbst haß ist, ist müglich, daß das, so [er] ihm selber flucht, ankompt: dann fluchen kompt auß verhengung deß geists. Und ist auch also müglich, dz die bilder verflucht werden in kranckheiten, zu febern, epilepsien, apoplexien, und dergleichen, so sie gemacht sind, wie oben stehet. ? Und lassendt euch das kein schertz sein ihr artzet: ihr wissendt die krafft des willens nit den minsten theyl: dann der will ist ein gebererin solcher geisten, mit welchen der vernünfftig nichts zuschaffen hat. Ein solche wirckung geschicht auch im vich, und darin viel leichter dann im menschen: dann des menschen geist der wehret sich, mehr, als der geist des vichs: das ihr alles vil leutterer finden werden de spiritibus & de generatione spirituum.


Cap. IX.

Wie euch auch dann wol in wissen ist von den charactern, das einer der ein dieb ist, lauffen muß wider an sein statt: auch das ein solcher geschlagen wirt, uber viel meil wegs weit: deß mercken ein ursach, dann es ist ein grundt des entis spiritualis, und das also. ? So einer ein figur macht, gleich eim menschen, und dieselbig an ein wandt mahlet, so wissen, das alle stich, schleg, und streich, so auff das bildt geschehen, deme beschehen, in des namen das gemacht ist, der dan ein dieb ist: und das auß der krafft, das des diebes geist da herein gezogen wirdt in die figur, durch den willen des andern geists, der diesen nöttiget hie in die figur. ? Unnd mercken das noch baß, das die geist also wider [H1,54] einander streitbar sindt, wie die menschen auff der erden: auff die ursachen, wie du begerest, das beschehen soll werden dem, der dir gestolen hat, also beschicht ihm, so du die figur machest, und schlechst dorein: auß ursachen, dein geist, hat des diebes geist hierein gebracht, das er dir ein subiect ist worden, zu erleiden was du ihm zufügest. ? Diß beschicht aber andern nit, die fromb seindt: auß ursachen, das des diebes geist forchtsam ist, wie der mensch: eins frommen, ist mannlich, der widerstehet, und erweret sich, gleich wie zween mann gegen einander. ? Aber das der dieb zuher lauffen muß an die stadt seines stelens, ist, das dein geist, des andern geist nöttet wider an die stat, da das beschehen ist, nach deinem willen: und so also derselbig geist bezwungen wirt, so mag er nit dahin, es sey dan, das er in ein subiect gebracht werde, das ist, in ein bild oder figur: so aber die nit da ist, so muß das medium gehn, in dem er ist. Also nöttiget der geist den menschen, das er lauffen muß an die dieselbige statt. ? Dann was durch die geist beschicht, das muß in gestalt eins subiects beschehen, in welchem der geist ligt, es sey ein figur oder bildt, das dein geist desselbigen geist in das subiect bring, oder das subiect dorin der geist ist, das ist der mensch, der muß lauffen oder dasselbige thun.


Cap. X.

Also wie wir euch anzeigen, sollendt ihr mercken, das die geist den schuldigen geweltigen: dergleichen auch die wirckung verbringen des neidts und haß. Und haben euch das darumb angezeigt, das ihr verstehen sollen, wie das ens spirituale so gewaltiglich herschet uber die leib, das also viel kranckheiten, unnd alle geschlecht der kranckheiten de menschen mügen zugefügt werden: darauff ihr nit sollendt artzney brauchen als auff natürlich kranckheiten, sondern ihr solt den geist artzneyen, derselbig ist der, der da kranck ligt. ? Deßgleichen solt ihr auch mercken, dz viel von geisten kranck ligen des willens, die nit durch figuren, bildern, und dergleichen media beschehen. Als die unwissenden leut dieses wegs, und ist doch der will in ihnen also groß, das er den geist eines [H1,55] andern anzündt unnd krenckt: dasselbig beschicht durch das medium ihrs schlaffs, also, so sie schlaffen, so werden ihre treum an dem andern verbracht und erfüllt, also das dein geist den ander geist im schlaff zu dir bringt, und dan im schlaff unwissendt, als im traum, denselbigen durch dich selbst letzest, und das durch das medium deins worts, das dir im schlaff außgehet, on dein wissen. Dann die treum der neidischen menschen werden waar, so sie einander betreffen geschichtlich mit der hand, oder mit dem maul: als de somniis klerlicher stehet. Dann kein traum ist nit, der auß dem geist beschicht, es geschehe dan also, wie er anzeigt: wan er kompt auß dem geist, von dem wir angezeigt haben.

Particula I.

Also solt ihr verstehn, das die hand letzt den unergriffnen mann, wie obsteht: dergleichen das maul trifft den mit den worten, den du meinst. Also verstanden, das dasselbig alles durch ein medium beschicht, und das in krafft des geists.

Particula II.

Und dergleichen so mercken, dz der glaub da nichts handelt, allein der will: vom glauben zu reden, oder einzureymen hierin, ist mehr närrisch, dann weysisch. ? Also merckt ein exempel: durch den glauben mögen zween mann einandern nit schlahen, allein durch die that: also zween geist des willens kommen nit auß dem glauben, sonden auß der hitzigkeit ihrer menner: die zween die schlahend on glauben, wesentlich in ihren krefften, als de fide & voluntate mehrers verstandts angezeigt wirdt, unnd de vitonissis & incantatio nibus.

[H1,56]
Textus parenthesis super ens quintum

Liber quintus & non pagoyus

Tractatus de ente Dei

Cap. I.

Demnach und wir euch vormals angezeigt haben im anfang unserer büchern, wie wir etlichs theils 4. bücher heydnisches brauchs beschreiben wollen, auß ursachen, das ein jedlicher christ, der da schreibt anderst, dan der glaub in ihm halt, derselbig schreibt heydnisch. Darumb so wollen wir lassen von denselbigen heidnischen gebreuchen in unserm parenthesi, und wollen fürauß nach christlichem stylo reden, und das fünfft buch entis Dei beschreiben, damit ihr müget uns weitter nimmer heydnisch beschüldigen. Wiewol dz ist, das wir nach beschliessen diß parenthesis anheben fünff bücher von der practic, das diß buch erfüllt werd: so solt ihr aber wissen, das wir im fünfften buch noch mit christlichem stylo, widrumb beschlissen wollen, und die 4. so wir euch anzeigen im anfang nach dem heydnischen brauch begreiffen. ? So mügen wir das unserm glauben wol ohn schaden thuen, auß ursachen, das der heydnische brauch nach der natur gehet, unnd auß ihr, das uns Gott also praedestinirt ist. ? Aber wiewol die kranckheiten also entspringen auß der natur, und nach den 4. angezeigten entibus: so solten wir die heilung derselbigen im glauben suchen, und nit in der natur, als das fünfft buch der practic anzeigen wirt. ? Da= [H1,57] rumb wollen wir uns nit beschwert haben, im anzeigen der 4. entium. Wiewol sie heydnisch sindt: aber darumb solt ihr mercken, das ihr ein gantzen grundt suchen solt der heilung im fünfften buch, da die recht artzney angezeigt wirdt. ? Wir schreiben die andern 4. bücher der practic nit für die christen, sondern zu den ungleubigen: dann wir schreiben allen glauben den grundt der artzney: den türcken das ihr, den saracenen das ihr, und den christen das ihr, unnd den juden das ihr, als die bücher außweisen.

Cap. II.

Demnach und wir zu den christen schreiben, das sie ansehen solln diesen fünfften parenthesin, dardurch sie erkennen sollen, das sie all ihr kranckheiten auff den puncten heilen sollen, unnd in diesem puncten suchen, unnd das also. ? Ihr wissen das all gesundheit und kranckheit von Gott kompt, unnd nichts vom menschen: unnd ihr solt die kranckheit der menschen theilen in zween weg: in natürlichen, und in flagellum. Der natürliche, ist dz erst, ander, dritt, unnd vierdt ens: das flagellum ist das fünfft. ? Das mercken wol, das Gott uns gesetzt hat die straff, das exempel, das anzeigen, in unsern kranckheiten, das wir sehen sollen, das all unser sach nichts ist, unnd das wir in keinen dingen gutt ergründt sindt, und die warheit wissen: sondern in allen dingen sindt wir presthafftig, und unser können und wissen ist nichts. ? Aber das wir den grundt berüren, und ihn euch anzeigen, so wissen, das Gott gesundtheit und kranckheit gibt, und die artzney darzu unsern kranckheiten. Wie im aber in der artzney sey, so ist es alles auff den puncten geendt, und praedestinirt: dieser puncten ist die zeit. ? Und das mercken also, das all unser kranckheiten geheilt sollen werden in der stundt der zeit, und nit unsers begerens und willens. Das betrifft die meinung, das kein artzt den termin der gesundheit wissen sol: dan Gott hat ihn in seiner hand. Und ist ein jedliche kranckheit ein fegefewr: darumb mag kein artzt gesundt machen, es sey dan sach, das von Gott diß fegfewr auß sei. Dan der artzt sol sein der, der do arbeite in der praedestinirung des fegfewrs.

[H1,58]
Cap. III.

Und wie wir euch anzeigen, das ein jedliche kranckheit sey ein fegfewr: darumb ein artzt gedencken sol unnd wissen, das er sich nit vermeß der stund der gesundtheit, oder der stundt seiner artzneyischen wirckung: dan diß stehet in Gottes handt. ? Ist die praedestinirung nit also, als ihr artzt vor euch habt, so macht ihr mit keiner artznei den krancken gesundt: ist aber die stundt der praedestinirung hie, so macht ihr die krancken gesundt. ? Auff dz mercken, so euch ein krancker zukompt, dz ihn euch Gott zugeschicket hat, so er gesundt wird in ewer artzney: wo aber nit, so ist er nit von Gott zu euch geschickt. Dann so die zeit ist der stund der erlösung, als dan schicket Gott den krancken dem artzt, und vor nicht: und was vor kompt, ist alles nit des grundts. Drumb sind die unwissenden artzet fegteuffel, von Gott zugesandt uber den krancken: der wissendt artzt uber die, so Gott verhengt die stundt der gesundheit. ? Auch solt ihr mercken, das die praedestinirung nit zu ruck geschlagen [wirdt] sey der artzt wie gut er woll, wie künstlich er woll: die stund muß da sein des endes, des fegfewrs: und weme der artzt der seligkeit und der gesundheit nit von Gott zugeschickt wirdt, demselbigen ist von Gott keine gesundheit bescheret. ? Dieweil und also Gott den artzt zufuegt dem krancken, gedencken, ob der artzt durch sein kunst etwas schaff, oder nit, und das also. Gott hat beschaffen die artzney uber die kranckheiten, und den artzt darzu: aber er verhalts dem krancken so lang, biß die stundt kompt der zeit: als dan wirt verbracht der natur ihr gang, und der kunst, und vor nit, die zeit sey dan hier.


Cap. IIII.

Darumb solt ihr artzt mercken, und verstehn, dz ihr christlichen seydt, uber die natur und auff die natur gewidmet. Aber euch ist die krafft der kunst genommen und entzogen, so ihr schon recht daran seydt: biß die stund kompt der zeit. Dan die stund der zeit, ist die stund ewerer wirckung, und nit darvor, wan schon die stund der kunst da were. ? Aber wie wir euch anzeigen, dz Gott ursacher sei aller kranckheiten, [H1,59] das mercken also: das er geschaffen hat, das uns widerwertig ist, als wol, als das uns nütz ist: darumb, das wir unser fegfewr haben, als wir euch, de purgatorio, weiter unterrichten. Und wiewol er, dieweil und er der ist, der uns die kranckheit beschaffen hat, wol möcht dieselbigen wieder nemmen von uns, on den artzt, dieweil und die stund der zeit hie wer, unnd ein endt wer des purgatoriums: das aber das nit beschicht, das mercken also: das er nichts on menschen thun will. Thut er miracul, so thut ers menschlich, und durch menschheit: macht er wunderbarlich gesund, so thut er das durch menschen: also thut er daß auch durch die artzt. ? Aber dieweil unnd zweyerley artzt seindt, die wunderbarlich heilen, und durch artzney heilen: erkennen also voreinander: das der [da] glaubt, wirckt in eim wunder: dieweil aber der glaub so starck nit ist in allen, und die stund des purgatorii auß ist, und doch der glaub nit do ist, so verbringt der artzt das wunder, das Gott wunderbarlich thet, so der glaub im krancken wer: als im fünfften buch klerlicher erzelt wirt, de cura deifica vel fidelium. Das wir euch aber die quaestion nit lassen also in der federn, so mercken auff die nächst erklerung, von wegen mehrers verstandts.


Cap. V.

So solt ihr wissen das zu den zeiten Hippocratis, Rasis, Galeni, etc. glückselig zu artzneyen gewesen ist: ursachen, die fegfewr sindt klein gewesen. Aber itzt, unnd für unnd für, dieweil da zunimpt das ubel, so ist je lenger je minder glück in der artzney: auß der ursachen sindt auff erden böser artzet nie gewesen, dann itzt: wann das fegfewr ist zu streng, das kein artzt demmen mag. Unnd wen die ersten hie werendt, so wer all ihr sachen blindt: wiewol es doch der grundt ist, so ist die plag auch da. ? Darumb so setzen wir in diesem tractat ein christlichen stylum, also, das wir uns sollen glauben geben, das wir erkennen, das all unsere kranckheiten flagellen sindt, und exempel, und anzeigung, das uns Gott dieselbigen hinnem unsern glauben durch unsern glauben, christenlich, nit durch die artzney heydnisch, sondern in Christo. [H1,60] Dann der krancke der zu der artzney hofft, derselbig ist kein christ: der aber das zu Gott setzt, der ist ein christ, lassend darnach sorgen Gott darumb, wie er ihn gesund macht: es sey wunderbarlich durch heiligen, durch eigen kunst, durch artzt, oder alte weiber. ? Das solt ihr christen mercken, das Gott der erst artzt sein sol, den er ist der höchst, und nit der minst, der merist und der gewaltigest, on den nichts beschicht. ? Aber die heydnischen, die ungleubigen, die schreyen zu dem menschen umb hülff: aber ihr, solt zu Gott schreyen, er wird euch wol zuschicken den gesundt macher: es sey dann ein heilig, oder ein artzt, oder sich selbst.

Cap. VI.

Wie wir euch haben vormals angezeigt, das Gott der ist, der die gesundheit gibt, und kranckheit: so wollen wir hie der gesundheit zu uberkommen nit gedencken. Wann es hat hie nit statt, in massen wie an seinen orten, des fünfften buchs. ? Aber wir wollen euch unterrichten, wie dz ens Dei gewaltig sei all menschen in kranckheit zubringen, uber daß, so der lauff ist der natur, wie wir angezeigt haben in den 4. entibus: und wollen euch dz kurtzlich also zuerkennen geben. ? Ihr wissend, das auff erden der mensch Gotte underworffen ist, und alle geschöpff: in dem müst ihr erkennen, dz er der ist, der das geschöpff glückseliget, und unglückseliget. ? Damit aber und ihr das recht verstanden, so mercken, dz er zwo straff hatt: eine, im leben, und die ander im todt. Von wz ursachen die kommen, dz wirt an seinen orten gemeldet werden. Die nach dem leben kompt, dz wollen wir nit melden: aber die ander, so im leben kompt, dz wollen wir erzelen: und dz also. ? Ihr wisst, das auß der sünd der todt auffgesetzt ist, von eins manns wegen, der dan die sünd nit verbracht hat, sondern von wegen des grossen urteyls der himmlischen, als wir melden vom todt, in libro de morte. ? Nun weiter mercken, das die ursach, die uber uns den todt gefelt hat, nichts mehr uber uns handlet: aber das handlet der schöpffer: was nit in der parthey hangt des widersechers, dz strafft er, nit umb sein sündt, allein zu einem zeichen: auch, das die erkent werden, die sein sindt: dieselbigen sindt keim artzt [H1,61] unterworffen. Dann Gott will sie als die seinen gezeichnet haben, in ein zeichen des widersächers. Aber ander sind, die Gott in straff annimpt, auß irem rechten glauben und begeren: dieselbigen sind dem artzt unterworffen, auß dieser sunderlichen verhencknuß.

Cap. VII.

Also ist euch nuhn zumercken, das für den todt kein artzney ist, aber für die kranckheit, dieselbige sol der artzt wol erkennen: dann kein theologus wirdt ihm die anzeigen. Und wiewol sie kommen auß 4. entibus: so ist das alles kein grundt, wider den willen Gottes zustreitten: allein die stund unnd die zeit muß betrachtet werden. ? Darauff solt ihr mercken, das ihr in keim weg solt euch understehn der artzney, die stund sey dann hie der erndt, das Gott oder ihr schneiden werden: das alles de morte weiter erzelt wirdt. ? Aber wie die artzney und die krancken zusammen standen, das solt ihr artzt gar wol verlassen. ? Dieweil die kranckheiten auß göttlichem befehl kommen, und auß keiner ander ursach, als archidoxis außweist: unnd die natürlichen artzney auch dergleichen auß göttlichem fürsehen geschaffen ist: unnd wie oben stehet, das kein mensch, oder kein krancker gesundt mag werden, allein er sey dann auff der stund der ernd, das ist, auff dem befelch Gottes, wie dann praedestinatio außweist: wie wird sich da die artzney reymen zu solchen sachen, damit der artzt mög billich sprechen, das er ein artzt sey? Also: er ist ein knecht der natur, und Gott ist der herr der natur. Also folgt hernach, daß der artzt niemandts gesundt macht, allein Gott gebiet im an die statt. ? Also mercken auch wol und eben, das elleborus zum vomiren treibt: das er aber von eim jedlichen artzt sey, der ihn gibt, das ist er nit: ursachen, nit einem jedlichen artzt ist [er] praedestinirt, das er soll krefftig sein von ihm, dem krancken zu guttem, dem er ihn gibet: dann die kunst eins rechten artzts kompt von Gott, und das Dosis, und die practic, unnd der anfang: und der kranck wirdt ihm zugeschickt, und er dem krancken. ? Unnd welche statt ein guten artzt hat, der viel gesundt macht, die darff sich berühmen einer glückseligkeit, [H1,62] mehr, dann die ein bösen artzt haben. Wir reden auch von den artzten der heiligen, die wir in keinem weg außschlahen.


Cap. VIII.

Damit und ihr aber wissendt, was die ursachen sey, das Gott beschaffen hatt die artzney, und den artzt, dieweil und er der artzt ist, und durch den artzt wircket, und das nit selber thut ohn den artzt: mit solcher außlegung verstehet das, daß das sein heimligkeit ist, das er nicht will, das der kranck soll wissen, das Gott der artzt sey, sondern das die kunst ein fürgang habe, und ein practic: und, dz der mensch sein hülff nit allein spüre in wunderwercken, in ihm selbst, als in Gott, sondern auch in seinen creaturen, daß dieselbigen helffen durch den künstler der artzney: [und] das auß seiner verhengnuß, zu seiner zeit, als euch dann vormals auch erzehlt ist. Nun so merckt aber, daß die ursachen der kranckheiten, so da kommen auß dem gewalt Gottes, das ist, auß seim ens, nicht zuergründen sindt, durch wehn sie kommen, oder wie sie kommen: als in den andern 4. entibus, da es gründtlich erkennt wirdt. Es ist aber ein solch exempel darumb, als einer der ein tuch hatt, macht ihm ein rock wie ihm gefalt: also macht er es auch mit uns: unnd das also verborgen, das kein artzt mercken kan, daß der krancke (so er kranck auß dem ens Gottes) auß dem gewalt Gottes kranck ligt oder nit. ? Dann er vermischt sein gewalt und sein straff also verborgen in die 4. entia, das keiner mag mercken, anders, dann das ens sey der vieren eins: daß ursachet, das ettlich kranckheiten ettlicher entium, das ist, der vieren, nit geheilt mögen werden, durch kein krafft. Dann ursach, da ist kein stund deß auffhörens, kein zeit, kein zahl: darumb so muß es werendt, biß in die stund deß todts, da hörendt alle kranckheiten auff: unnd wird also ein solche grosse verenderung da, das kein kranckheit mehr da ligt, verendert sich wie weiß in schwartz. Dann dieweil die kranckheit wehret, so ist kein todt. Daß sey euch zu einem auffmercken gesagt des fegefeurs, und der stund seines auffhörens, als euch christen gebüret.

[H1,63]

Particula I.

Wie wir euch also anzeigen das ens Dei, so solt ihr euch endtlichen entschliessen, das ihr in kein weg, euch selbst vergewisset in ewren künsten, der ir wol erfahren seydt: dann es ist heidnisch gehandelt. Aber ihr solt euch alle mahl auff das ens Dei richten, das ist christenlich, und gehet euch wol von handen. Dann ein artzt, der kein christen ist, der acht des willens Gottes nit, das ist, die praedestination, als euch archidoxis erzehlen wirdt.

Particula II.

Und wie wir also erzehlen von den heidnischen artzten, es seyen christen, oder ungleubigen, daß alles ein sect, so sie des glaubens nit gepflegen: daß dieselbigen die krancken auch gesundt machen, als wol die gleubigen artzt. Das will aber unser ens Dei nicht beflecken noch beschweren: auß ursachen, wenn ein ding auffhören muß oder beschehen muß, so muß dasselbige verbracht werden durch die, die dz können, und do sind. ? Aber die unterscheidt ist da zuhalten, das der gleubige wider die natur nit wircket, als er heydnische: der heydnische will, die artzney wöll, oder nit, gleichsam sey er Gott: der gleubige, so er thut was artzney zugehöret, wil sie nit, stand [es] der stund heim und der zeit, so Gott das gefellig sein wirdt. ? Dann die artzney ist auch ein pflug der artzten, den Gott nit abschlecht: dieweil der eigen nutz herschet, und der gemein nutz nichts soll, so beschert er den frommen sein nahrung noch: auch zu lob seines geschöpffs: und dz die tugenden gesehen werden die er beschaffen hat, dz die merig ursach ist, dann wir vormals gesagt haben, und musalogium außweist.

Conclusio

Deß vorbemelten parenthesis Theophrasti, von den fünff entibus

Demnach unnd wie wir euch haben angezeigt den parenthesin, den wir gesetzt haben zwischen den prologen, und den fünff büchern der practick: also ist er jetzt [H1,64] geendt. Und weiter wie ir verstanden habt, den parenthesin, also sind fünff entia: dieselbigen fünff sind gewaltig alle kranckheiten zugeberen, jedlichs für sich selbst vollkommen. Nun aber weiter so hebtt das opus an, und gedencken des parenthesis nimmen: und wird für sich selbst gehen, und getheilt in fünff bücher, als die vorred außweist, nachgehendt der conclusion. Auff dieselbigen solt ihr mercken, das ihr nit gedencken, die practic zusetzen auff die kranckheiten auß einem ursprung: sondern getheilt voneinander in die fünff weg, wie angezeigt ist. ? Wiewol ir artzt deß natürlichen ens, und ewre anhenger, der astronomey, villeicht solchs nit verhengen, will uns nit betrüben: noch die theologischen geschrifften: dann bey euch ist noch wenig warheit erfunden im grund, zureden von rechten ursprüngen. ? Wölt ihr gute artzt sein, und bewert, habt acht, das ir nichts vergeben auff den heydnischen und christenlichen brauch, welchs ir euch gepfleget: und lassendt nit inreden die unergründten gelehrten, die der schwartzen und brawnen farben pflegen: dann sie sind phantasten, die da ingründen mit der fantasey, welcher nit zuglauben ist. ? Und in diesem beschluß solt ir mercken, das zwey stück sind die der mensch gebraucht: die kunst, unnd die phantasey. ? Die kunst, das ist, alle vernunfft, weißheit, und sinnligkeit, das beschicht in der warhheit, welche da gehet auß der erfahrenheit: aber die in der phantasey stecken, haben kein grundt: dann fürgelegte meinung, ist ein erzelte unnd erkennte hoffart, die euch bey ewren nachbaurn wol erkannt ist. In den zweyen stücken soll der weyß mann wol erleuttert sein, das er sey ein künstler, und nit ein phantast von farben.

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last updated 28.06.01 Urs Leo Gantenbein